Nachgefragt | 600.000 Euro unterschlagen?

Nachgefragt | 600.000 Euro unterschlagen?

Schwerer Untreuevorwurf gegen Sohn aus hochangesehener Unternehmensfamilie - der Sproß einer großen Optikerkette muss sich Anfang Juni am Landgericht verantworten

Die Familie zählt zu den angesehensten Unternehmern der Stadt. Der Vater (heute 85) legte in den Fünfzigerjahren mit seinem ersten Geschäft den Grundstein für eine mit redliche Arbeit aufgebaute Optikerdynastie, die später über 85 Filialen in ganz Deutschland, vor allem in Bayern und zwischenzeitlich sogar 17 Läden in Bulgarien haben sollte und die 1996 einer seiner Söhne übernahm. Die Geschäfte eines anderen Sohnes sollen allerdings viel weniger fein gewesen sein: Andreas M. (56) steht ab 6. Juni 2018 vor dem Richter. Er soll eine Investorin um 600.000 Euro geprellt haben. Dafür drohen ihm bis zu fünf Jahre Knast.

- Anzeige -
Der Sohn des großen Regensburger Brillenhändlers ist selbst Unternehmer, er ist Geschäftsführer einer Autoaufbereitung und einer GmbH, deren Unternehmenszweck im Handelsregister mit „An-und Verkauf, An- und Vermietung sowie Betrieb von gastronomischen Betrieben“ angegeben wird. Vor knapp vier Jahren wollte der geschiedene Mann, der im Haus der hochbetagten Eltern vor den Toren der Stadt eine Wohnung hat, aber deutlich höher hinaus. Da schwebte ihm die Gründung einer Koma-Klinik vor, für die er Investoren suchte. Eine davon soll er im spanischen Palma de Mallorca gefunden haben, eine ihm bereits zuvor bekannte Frau. Die soll ihn laut den Ermittlern damit beauftragt haben, ein früheres Verwaltungsgebäude im Stadtnorden zu kaufen und um dort die Klinik errichten zu lassen. Sollte die Intensiv-Pflegeklinik nicht zustande kommen, sollte das Gebäude verkauft werden. Eine entsprechende Vereinbarung soll die Investorin aus Spanien im September 2014 unterschrieben haben.

Zwischen Ende Oktober 2014 und Mitte November habe die Frau mit sechs Überweisungen insgesamt 600.000 Euro auf ein spanisches und auf ein deutsches Konto von Andreas M. transferiert, als Verwendungszweck sei dabei jeweils „Koma Klinik“ angegeben worden. Andreas M. habe allerdings in den darauffolgenden Wochen das Geld auf ein eilends eröffnetes Konto in Liechtenstein überwiesen, von dort auf ein Konto bei einer Londoner Bank, für das er ebenfalls verfügungsberechtigt gewesen sei.

Am Heiligen Abend 2014 habe Andreas M. dann vom Amt für Wirtschaftsförderung erfahren, dass die geplante Nutzungsänderung des Verwaltungsgebäudes für die Komaklinik nicht erfolgen werde, das Projekt also geplatzt sei. Das habe er der spanischen Investorin zwar mitgeteilt, aber behauptet, ihr Geld liege auf einem Anwaltkonto, von dem es natürlich zurückgezahlt werden könne. Als die Frau Andreas M. über Facebook dazu im Januar 2015 aufgefordert habe, sei der dem nicht nachgekommen, er habe das Geld vielmehr für sich behalten.

- Anzeige -

Die Ermittlungen zogen sich über Jahre, am 13. Mai 2016 erließ der Ermittlungsrichter Untersuchungshaftbefehl, der am 18. Oktober 2016 außer Vollzug gesetzt wurde. Am 20. Februar 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Regensburg Anklage. Fast 16 Monate später wird nun verhandelt. Als die Stadtzeitung Andreas M. wegen der Vorwürfe anruft, zeigt sich der äußerst wortkarg. Er habe sich mit seinem Anwalt besprochen „und will dazu gar nichts sagen.“

Vor dem Richter wird er genügend Zeit haben zu reden: Die Strafkammer hat zwischen dem 6. Juni 2018 und dem 12. Juni 2018 vier Verhandlungstage terminiert. (ssm)

 


 

Die „Nachgefragt“-Reihe

Könnte Sie auch interessieren

  • gepostet am: Montag, 04. Juni 2018

Magazin weitere Artikel

In & Out | August/September 2019 – Rückblick

In & Out | August/September 2019 – Rückblick

1991 erschien die erste schonungslose Abrechnung in In-&-Out-Form in der RSZ. Das erste Out kassierte übrigens OB Christa Meier, weil sich im ersten Jahr ihrer Amtszeit gar nichts in Sachen Wohnungsbau oder neues Eisstadion getan hatte.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Der Dauergast

Nachgefragt | Der Dauergast

Joachim Wolbergs hat in der Stadtzeitung mehr Schlagzeilen gemacht als jeder andere. Zuletzt mit einem großen Kampf, der ihm viel Respekt einbrachte. Doch er scheint weiter in seiner eigenen Welt zu leben.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Die Schönheit Regensburgs gilt es zu bewahren. Deshalb scheute die Regensburger Stadtzeitung nicht die Auseinandersetzung mit der Stadtspitze, griff sie an, als sie den Donaumarkt mit dem Museumsklotz noch hässlicher machte, als er als Parkplatz war, oder als sie die Steinerne Brücke verschandelte.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Der Abkassierer

Nachgefragt | Der Abkassierer

Ein Politiker, mit dem sich die Stadtzeitung öfter beschäftigte, ist der frühere SPD-Fraktionschef Norbert Hartl (heute 71). Hartl sitzt seit 1978 im Stadtparlament, bis zum Korruptionsprozess tat er das für die Genossen im Rathaus. er gilt nach außen als Stadtrat, den ein selbstloses Engagement im Sozialbereich antreibt. Doch so ganz selbstlos ist das alles gar nicht.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Unger, Unger immer wieder Unger!

Nachgefragt | Unger, Unger immer wieder Unger!

Ein Mann, der es auch immer wieder in die Schlagzeilen der Stadtzeitung schafft, ist Kulturreferent Klemens Unger. Denn er beweist immer wieder, dass er es nicht kann.

>> weiterlesen

Nachgefragt | 1984

Nachgefragt | 1984

Was in dem Jahr in Regensburg passierte, als die Stadtzeitung gegründet wurde.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Die Goldgräberstimmung

Nachgefragt | Die Goldgräberstimmung

Der Anfang war mit dem Erstling gemacht. Konsequent war die Mannschaft der Regensburger Stadtzeitung in ihrem Bestreben, anders zu sein als bestehende Studentenzeitungen. Frischer, frecher, freizügiger. Mit Boulevard-Geschichten, Klatsch, Frivolem und lässigem Feuilleton.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Schöne und nackte Mädchen

Nachgefragt | Schöne und nackte Mädchen

Jede Boulevardzeitung hatte ihr schönes Mädchen von Seite 1. Garniert mit mehr oder weniger sinnigen Sprüchen, war die Frau rechts oben auch in den Anfangsjahren der Stadtzeitung ein echter Hingucker. Ganz nackt war sie nie, eine blanke Brust blitzte des Öfteren vom Titelblatt. Mitunter waren die Damen aber auch komplett bekleidet, zeigten höchstens ein langes Bein.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Beamte, Busen, Paragraphen

Nachgefragt | Beamte, Busen, Paragraphen

Die Geburtsstunde der Regensburger Stadtzeitung. Mit der Sprache hat es der damals 24-jährige Peter Kittel schon immer gehabt. Flott schreiben, das konnte er. Deshalb war er auch aus dem ländlich geprägten Bayerwald zum Germanistikstudium an die Uni Regensburg gekommen.

>> weiterlesen

Nachgefragt weitere Artikel

Nachgefragt | Der Dauergast

Nachgefragt | Der Dauergast

Joachim Wolbergs hat in der Stadtzeitung mehr Schlagzeilen gemacht als jeder andere. Zuletzt mit einem großen Kampf, der ihm viel Respekt einbrachte. Doch er scheint weiter in seiner eigenen Welt zu leben.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Die Schönheit Regensburgs gilt es zu bewahren. Deshalb scheute die Regensburger Stadtzeitung nicht die Auseinandersetzung mit der Stadtspitze, griff sie an, als sie den Donaumarkt mit dem Museumsklotz noch hässlicher machte, als er als Parkplatz war, oder als sie die Steinerne Brücke verschandelte.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Der Abkassierer

Nachgefragt | Der Abkassierer

Ein Politiker, mit dem sich die Stadtzeitung öfter beschäftigte, ist der frühere SPD-Fraktionschef Norbert Hartl (heute 71). Hartl sitzt seit 1978 im Stadtparlament, bis zum Korruptionsprozess tat er das für die Genossen im Rathaus. er gilt nach außen als Stadtrat, den ein selbstloses Engagement im Sozialbereich antreibt. Doch so ganz selbstlos ist das alles gar nicht.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Unger, Unger immer wieder Unger!

Nachgefragt | Unger, Unger immer wieder Unger!

Ein Mann, der es auch immer wieder in die Schlagzeilen der Stadtzeitung schafft, ist Kulturreferent Klemens Unger. Denn er beweist immer wieder, dass er es nicht kann.

>> weiterlesen

Nachgefragt | 1984

Nachgefragt | 1984

Was in dem Jahr in Regensburg passierte, als die Stadtzeitung gegründet wurde.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Die Goldgräberstimmung

Nachgefragt | Die Goldgräberstimmung

Der Anfang war mit dem Erstling gemacht. Konsequent war die Mannschaft der Regensburger Stadtzeitung in ihrem Bestreben, anders zu sein als bestehende Studentenzeitungen. Frischer, frecher, freizügiger. Mit Boulevard-Geschichten, Klatsch, Frivolem und lässigem Feuilleton.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Schöne und nackte Mädchen

Nachgefragt | Schöne und nackte Mädchen

Jede Boulevardzeitung hatte ihr schönes Mädchen von Seite 1. Garniert mit mehr oder weniger sinnigen Sprüchen, war die Frau rechts oben auch in den Anfangsjahren der Stadtzeitung ein echter Hingucker. Ganz nackt war sie nie, eine blanke Brust blitzte des Öfteren vom Titelblatt. Mitunter waren die Damen aber auch komplett bekleidet, zeigten höchstens ein langes Bein.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Beamte, Busen, Paragraphen

Nachgefragt | Beamte, Busen, Paragraphen

Die Geburtsstunde der Regensburger Stadtzeitung. Mit der Sprache hat es der damals 24-jährige Peter Kittel schon immer gehabt. Flott schreiben, das konnte er. Deshalb war er auch aus dem ländlich geprägten Bayerwald zum Germanistikstudium an die Uni Regensburg gekommen.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Außen pfui, innen – naja

Nachgefragt | Außen pfui, innen – naja

Eine Annäherung ans Haus der Bayerischen Geschichte: Das neue Museum am Donaumarkt zeigt Schönes, Überraschendes und Witziges – aber auch manche Peinlichkeit

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung