Nachgefragt: Die Stadtzeitungs-Baumpaten: Sie wollen unsere Allee retten!

Nachgefragt: Die Stadtzeitungs-Baumpaten: Sie wollen unsere Allee retten!

Erste Baumpaten der Stadtzeitung stellen sich schützend vor die Bäume, die für das von der Stadt geplante RKK fallen sollen / Stoppt Bürgerbegehren im Oktober das überflüssige Projekt ?

Im Alleengürtel stehen sechs Menschen um einen Baum. Sie sind fest entschlossen, diesen Baum und die anderen um ihn herum zu schützen, sich vor sie zu stellen und sie gegen die Stadthallen- und Busbahnhof-Pläne zu verteidigen, die im Alleengürtel das Umholzen von rund 150 teilweise Jahrhunderte alten Bäumen vorsehen. Sie sind die ersten Baumpaten der Regensburger Stadtzeitung!

Die Stadtzeitung hat wiederholt berichtet: Die bunte Regenbogenmehrheit unter der SPD-Führung (mit den Grünen!) will die mehrfach gescheiterte Stadthalle um jeden Preis durchsetzen. Doch es gibt massiven Widerstand: Die Initiatoren der Initiative „Kein RKK auf dem Kepler-Areal“ haben ein Bürgerbegehren gestartet und 7143 Unterschriften eingereicht. 5843 waren gültig. Damit kommt es jetzt zum Bürgerentscheid: „Die Stadt Regensburg strebt an, den Bürgerentscheid parallel zur Landtagswahl am 14. Oktober 2018 durchzuführen. Dazu benötigt die Stadt noch die entsprechenden Beschlüsse des Stadtrates und die Zustimmung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern“, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Marina-Forum zeigt: Zusätzlicher Veranstaltungsort ist überflüssig!

Gründe, die Stadthalle zum fünften Mal nach 1990, 1999, 2004 und 2006 zu Fall zu bringen, gibt es viele: Die Baukosten von 100 Millionen Euro, die doch in Schulen, Kindergärten und vor allem in günstigen Wohnungen sicher besser angelegt wären. Denn Regensburg verfügt bereits über genügend Tagungsmöglichkeiten und Veranstaltungsorte für 100 bis 9.000 Menschen, das jüngst eröffnete Marinaforum (großer Saal mit 750 Plätzen, kleiner mit 170) ist ein weiteres Argument gegen ein RKK: Denn selbst dort ist, gelinde gesagt, nicht gerade die Hölle los. Prof. Achim Hubel von den Altstadtfreunden fragt nicht zu Unrecht: „Wieso beharrt die Stadt Regensburg immer noch auf einem Kongresszentrum mit einer Maximalkapazität von 1.800 Plätzen? Wie kann man angesichts der minimalen Nachfrage im Marinaforum allen Ernstes auch noch ein RKK bauen wollen?“ Will sich Regensburg wirklich  noch einen potthässlichen Klotz wie das Museum der Bayerischen Geschichte mitten in die Stadt stellen?

Dazu die Verkehrssituation: Weil die Maxstraße ab dem Hotel theoretisch verkehrsberuhigte Zone ist, dürften die Parkplatzsuche oder der Stop- and Go-Verkehr um eine etwaige Tiefgarage einen neuen Idiotenkreisel Bahnhofstraße – südliche Maxstraße – Ernst-Reuter-Platz – D.-Martin-Luther-Straße hervorrufen

Der Sündenfall Fürsten-Allee

Und: Für die Stadthalle müssten in der Fürsten-Allee 50 teilweise sehr alte Bäume fallen, für den in unmittelbarer Nachbarschaft vorgesehenen Zentralen Busbahnhof sogar 100 weitere. Das von der Rathaus-Mehrheit so locker in Kauf genommene Umholzen sorgte auch im bürgerlichen Lager für einen Aufschrei (die Stadtzeitung berichtete): Prof. Egon Greipl (69), langjähriger Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und ehemaliger Kulturreferent der Stadt Regensburg spricht von einem „Anschlag auf das Stadtbild“, Dr. Peter Morsbach, Chef der Altstadtfreunde und Hochschullehrer für Denkmalpflege und Denkmalkunde, vom „völligen Unsinn, weil die Stadt eine Halle dieser Kapazität so gut wie nie braucht. Ein absolutes Unding!“

Dieser Eingriff in den Alleengürtel wäre ein absoluter Sündenfall. Nicht der erste übrigens: Die Stadtplaner dürfen sich wirklich fragen lassen, warum sie unsere Stadt ganz offensichtlich mit aller Macht verschandeln wollen: die Auffahrt auf die Steinerne Brücke vom Oberen Wöhrd gleicht einer Parkhaus-Rampe, der Brückenbelag selbst ist ein Graus, das abscheuliche Museums-Monstrum am Donaumarkt und jetzt auch noch die Protz-Halle?

Stadt will Bürger bevormunden

Was dabei auch besonders auffällt: Die Stadt hatte die Stadthalle wohl schon für sich beschlossen: Nach vermeintlichen Ideenwerkstätten gab es für teures Geld (350.000 Euro) den Deckmantel einer Bürgerbefragung. Doch bei der konnten die Bürger lediglich den Plänen der Verwaltung für eine Stadthalle zustimmen, eine Ablehnung war nicht vorgesehen (auch darüber berichtete die Stadtzeitung). Die Stadtspitze dachte offenbar, sie könne damit die Bürger übertölpeln.

Doch eine derartige Bevormundung ist bereits unter den CSU-Rathauschefs Friedrich Viehbacher und Hans Schaidinger (mit seiner „Jetzt oder nie!“-Kampagne) gescheitert – und das wird sie hoffentlich auch dieses Mal. Hubel: „„Keine Stadthalle am Ernst-Reuter-Platz“ bedeutet Erhalt des Grüngürtels am Bahnhof, mehr Konzentration auf öffentlich geförderten Wohnraum und Vorfahrt für den ÖPNV in Regensburg!“

Auch die Baumpaten der Stadtzeitung sähen eine Ablehnung der hochtrabenden Stadthallenpläne mit großer Freude. Wer ebenfalls eine Baum-Patenschaft übernehmen will, möchte sich per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. (ssm/mw)

Alle Infos zum RKK finden Sie online.

 


 

Die „Nachgefragt“-Reihe

Könnte Sie auch interessieren

Magazin weitere Artikel

In & Out: April 2019

In & Out: April 2019

Die In-&-Out-Liste der RSZ gefährdet Ihre Gesundheit! Meiden Sie Wertungen mit satirischem Inhalt – Sie könnten ihn womöglich nicht erkennen! Magenbeschwerden und Zornausbrüche sind die unvermeidbare Folge!

>> weiterlesen

PEEP‘le: April 2019

PEEP‘le: April 2019

Die RSZ nimmt Sie jeden Monat mit auf eine Reise ins Herzen des Stadtlebens. Bekannte Gesichter. Was war los in Regensburg?

>> weiterlesen

Nachgefragt: Ohne sie müssten im Theater alle stehen

Nachgefragt: Ohne sie müssten im Theater alle stehen

Schon seit 30 Jahren unterstützen die Theaterfreunde Regensburg Künstler, Schauspiel, Oper und Ballett / Rund 600.000 Euro gestiftet / Nach der Matinee geht es gemeinsam zum Essen

>> weiterlesen

Raus aus der Komfortzone! – Interview mit Willi Weitzel

Raus aus der Komfortzone! – Interview mit Willi Weitzel

Warum Willi Weitzel – man kennt ihn von „Willi wills wissen“ – sich „Welterforscher“ nennt , warum man für Abenteuer das Bundesland nicht verlassen muss und warum der Wahlbayer mit dem Regensburger Publikum nur Gutes verbindet – wir wollten es wissen.

>> weiterlesen

Die jungen Wilden... Localgirlboss

Die jungen Wilden... Localgirlboss

Echte Regensburger Girlbosse zeigen, wie Frauenpower im Unternehmertum funktioniert. Hinter Localgirlboss verbirgt sich nämlich, wie der Name schon kompakt darstellt, ein ganz besonderer Zusammenschluss verschiedener Unternehmerinnen und Gründerinnen aus Regensburg, neuerdings sogar in Vereinsform. #supportyourlocalgirlboss

>> weiterlesen

Nachgefragt: Der gebrochene Mann

Nachgefragt: Der gebrochene Mann

Es geht nicht anders: Man muss Mitleid haben mit diesem Mann. Joachim Wolbergs, der Bestechlichkeit und der Vorteilsannahme beschuldigter und vom Dienst suspendierter Rathauschef, reibt sich auf in einer Auseinandersetzung, an deren Ende es nur Verlierer geben dürfte.

>> weiterlesen

Nachgefragt: Faule Tricks mit unseren Bäumen – kommt Stadthalle über die Hintertür?

Nachgefragt: Faule Tricks mit unseren Bäumen – kommt Stadthalle über die Hintertür?

Stadt missachtet den Willen der Bürger und sorgt dafür, dass zwölf Bäume auf dem Keplerareal umgeschnitten werden / Bündnis befürchtet Vorbereitungen für ein RKK und reicht Klage ein

>> weiterlesen

Alle für einen: Moderne Krebstherapie in Ostbayern

Alle für einen: Moderne Krebstherapie in Ostbayern

Die Nationale Dekade gegen Krebs hat die onkologische Versorgung auf die nationale politische Agenda gerufen. Doch wie ist es eigentlich um die Krebstherapie hier vor Ort bestellt? Das University Cancer Center Regensburg (UCC-R) als Teil des Comprehensive Cancer Center Ostbayern (CCCO) gibt Auskunft.

>> weiterlesen

7.250 € für die Erforschung seltener Erkrankungen

7.250 € für die Erforschung seltener Erkrankungen

Vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an seltenen Erkrankungen. Da vom jeweiligen Krankheitsbild nicht mehr als fünf pro 10.000 Einwohner betroffen sind und entsprechend wenige  Erfahrungen vorliegen, vergehen oft Jahre, bis die richtigen Diagnosen gestellt sind und Behandlungen greifen.

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung