Nachgefragt: Ungers neueste Spitzenidee

Nachgefragt: Ungers neueste Spitzenidee

Für 320.00 Euro lässt der Kulturrefent den Dom viereinhalb Stunden lang beleuchten - doch für freie Kultur ist kein Geld da.

Klemens Unger hat es wieder einmal geschafft. Der selbst von anderen Spitzenfunktionären der Stadt wenig schmeichelhaft als „Master of Desaster“ bezeichnete Kulturreferent konnte die Mehrheit des Kulturausschusses davon überzeugen, den Dom von einer internationalen Firma mit einer „aufstrebenden Lichtinstallation“ versehen zu lassen. Und weil Unger auch sicher ist, dass Regensburg mit dieser Aktion ins Fernsehen kommt, ist ihm das Ganze auch viel Geld wert. Sehr viel Geld: Zählt man die Illuminationszeiten zusammen, kommt man auf etwas mehr als viereinhalb Stunden Beleuchtungszeit. Die kosten 320.000 Euro. Um das auch nur brutto zu bekommen, müssen viele zehn Jahre lang arbeiten. Und manch andere freie Kulturschaffende erhalten von der Stadt übrigens gar kein Geld.

Konkret will Unger die Westfassade des Domes anlässlich 50-jähriger Städtepartnerschaft mit Brixen im September 2019 bei einem „Lichtfest“ erstrahlen lassen. Eine Woche lang an jedem Abend zwei Mal zwanzig Minuten lang. Also insgesamt 280 Minuten. Eine französische Firma soll es richten, die Lichtkünstler haben unter anderem schon die Villa Medici in Rom und den Wiedervereinigungspalast in Saigon (nach der Hauptstadt Hanoi die größte Stadt Vietnams) beleuchtet. Begeistert stimmten auch Kulturausschuss-Mitglieder zu – nur Irmgard Freihoffer (Linke) und Benedikt Suttner (ÖDP) lehnten das völlig überteuerte und unterm Strich auch komplett sinnfreie Projekt ab.

Kritik vom Kulturförderpreisträger

320.000 Euro – was könnte man mit dem Geld alles machen! Zum Beispiel den Verein Kultür zehn Jahre lang am Leben halten. Der vermittelt Menschen, die sich Kulturveranstaltungen sonst einfach nicht leisten könnten, Karten fürs Theater, für die Oper, Konzerte oder Sportwettkämpfe und steht vor dem Aus, weil er die Miete für seinen Laden in der Obermünsterstraße und das Geld für seine Unkosten nicht aufbringen kann.
Oder man könnte die Vertreter der freien Kulturszene und der Kleinkunst unterstützen, die Jahr für Jahr darum betteln müssen, einen äußerst überschaubaren Zuschuss im niedrigen dreistelligen Bereich aus dem Kulturfonds zu bekommen. Oder man könnte auch die bedenken, die von der Stadt für ihre Kulturarbeit gemeinhin gar nichts bekommen.
Oskar Siebert (76), Filmemacher und Autor, ist einer davon. Zwar hat ihn die Stadt 1996 mit dem Kulturförderpreis (dotiert mit 1500 Mark) bedacht (den er inzwischen zurückgab), aber für die Projekte des Filmemachers und Autors war nie Geld da. Es gab von der Stadt keine Unterstützung, als Pindl-Schüler wegen eines ausgezeichneten und von Siebert mitbetreuten Filmprojekts nach Tschechien eingeladen wurden und nur die Fahrtkosten getragen hätten werden müssen. Und es gab auch kein Geld für Siebers grenzüberschreitende literarische Reise nach Tschechien, den ostbayerischen Nachbarn, zu dem ja auch eine Städtepartnerschaft – mit Pilsen – besteht.

Siebert wurmt es, dass für Ungers Prestigeprojekt so viel Geld verprasst wird: „Das ist übertrieben für eine solche Aktion. Das ist überhaupt nichts Neues, Beleuchtungen des Doms hat es schon zahlreiche gegeben. Dafür könnte man sich einen Sponsor suchen, wenn Osram das finanziert wie bei der Steinernen Brücke beim Bürgerfest 2017, das wäre doch in Ordnung.“ So aber sei die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. „Dafür ist so viel Geld da. Leute, die wirklich etwas Außergewöhnliches machen, bekommen nichts.“

Nicht Ungers erste Eskapade

Es ist nicht das erste Mal, dass Unger mit seinen forschen Auftritten für Entsetzen sorgt. Vor knapp zwei Jahren preschte er u. a. mit einem angeblichen bisher unentdeckten Dürer-Gemälde vor – das der Nürnberger Maler aber nie gefertigt hatte. Auch hierfür kam er ins Fernsehen – allerdings deutlich anders, als beabsichtigt.
Bei der Ausschreibung für den Posten des Leiters des Historischen Museums warfen ihm Experten „katastrophale Formulierungen“ und „Dilettantismus“ vor, wegen einer unsauberen Vergabe-Praktik bekam Unger 2007 in nichtöffentlicher Stadtratssitzung einen Verweis. Die Staatsanwaltschaft prüfte die Vergabe zur Ausstellung „1803“, die ohne Ausschreibung erfolgt sein soll, auch die Vergabe des Bürgerfestes 2007 wurde sehr kritisch beäugt.
Ebenso sorgte Unger mit einer Spendenaktion mit der Brauerei Bischofshof für Kopfschütteln: Mit dem gesammelten Geld wurde das wuchtige Reiterstandbild von König Ludwig I. vom Alleengürtel auf den Domplatz verfrachtet und stört seitdem so ziemlich jede Veranstaltung mit dramatischer Beeinträchtigung der Blickachsen. Und jetzt die Dombeleuchtung.

Ein fulminanter Abgang?

Freilich könnte der Gedanke der Illumination auch deshalb entstanden sein, weil Brixen mit demselben Veranstalter etwas Ähnliches machen will, vielleicht gar am Brixner Dom, da böte sich der Regensburger als Gegenstück zur Städtepartnerschaftsfeier ja an.
Denkbar wäre aber auch etwas ganz anderes: Als Klemens Unger 2017 als Kulturreferent bestätigt wurde, unterblieb eine Ausschreibung für den Posten – mit Hinweis darauf, dass Unger ja bereits in gut zwei Jahren in Rente gehen würde. Als Renteneintrittsdatum wurde damals der September 2019 genannt.
Just im September 2019 soll nun aber auch diese – sagen wir mal: einzigartige – Illumination stattfinden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt und glaubt, Unger wolle sich mit der sündhaft teuren Beleuchtungskiste seinen trüben Abgang etwas aufhellen.(ssm/hk)

 


 

Die „Nachgefragt“-Reihe

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