Nachgefragt | Der Bürger machts vor: Regenstaufer Hilfskonvoi in die Ukraine

Nachgefragt | Der Bürger machts vor: Regenstaufer Hilfskonvoi in die Ukraine

Der Krieg in der Ukraine reicht bis nach Regenstauf. Die Frau von Johannes Eger wurde in Kiew geboren. Deshalb gründet der Medienproduzent und Musiker eine Facebookgruppe, um die ukrainischen Kriegsgeschädigten zu unterstützen. Das Projekt wächst mit rasender Geschwindigkeit – am 4. März fuhren fünf LKWs voll mit Hilfsgütern von Regenstauf aus in den Osten. Wie finanziert sich so eine Aktion? Was wird transportiert? Wie sicher sind die Routen? Wir haben nachgefragt.



Kick-off auf Facebook

11 Initiator Johannes Eger und Ehefrau Kseniia.

Wer hat die Aktion ins Leben gerufen? Johannes Eger erklärt uns: „Die Facebook-Gruppe ‚Regenstauf hilft der Ukraine‘ hat drei Initiatoren: Ich habe die Gruppe ins Leben gerufen; Sebastian Wolf hat mich angeschrieben, weil er genau dasselbe machen wollte. Er ist Logistikprofi und hat seine eigene Firma. Jens Grünsfelder hat sich dem Projekt angeschlossen, auch er kommt aus der Logistikbranche. Ich bin selbst Medienproduzent, habe die Plakate und Posts gestaltet, Videos aufgenommen, Stories in Facebook, Instagram und auch im privaten WhatsApp-Status gepostet. Ich habe viele Kontakte, weil ich als Zweitberuf Musiker bin und bayernweit rumkomme. Sebastian und Jens haben das Know-how und die Beziehungen zu Speditionen und LKW-Fahrern. Zu dritt haben wir die Idee verbreitet und organisiert.“ Er fügt hinzu: „Meine Frau, Kseniia Eger, ist ebenfalls Mitinitiatorin. Sie ist in Kiew geboren und der ausschlaggebende Punkt, warum ich so schnell gehandelt habe. Ihre Mutter sitzt jetzt noch in Kiew fest, natürlich auch Freunde von uns. Eine Freundin ist mit ihrem siebenjährigen Sohn bei uns angekommen. Die beiden sind vier Tage von Kiew nach Regenstauf gefahren. Das war sehr anstrengend und nervenaufreibend. Wir sind also unmittelbar von der Sache betroffen.“

„eine reine Bürgerinitiative“

11 Von der Idee in die Tat – die Bürgerinitiative „Regenstauf hilft der Ukraine“.

Wer finanziert den Hilfskonvoi? Er erläutert: „Viele Menschen in Regenstauf und den umliegenden Orten haben sich freiwillig gemeldet und jeder hat seinen Beitrag geleistet und versucht, sich irgendwo mit einzubringen. Wenn wir Plakate gebraucht haben, haben wir die Druckerei gefragt, und nach ein paar Stunden waren die Plakate fertig. Mittlerweile sind über 70 Leute in unserer WhatsApp-Gruppe für freiwillige Helfer, die sofort zur Stelle sind, um zu helfen oder zu beraten. Wir bekommen natürlich auch Barspenden. Damit konnten wir noch zum Aldi, um Lebensmittel zu kaufen, wenn die LKWs noch nicht voll waren. Auch das Benzin wurde davon bezahlt. Natürlich hat der Markt Regenstauf uns auch etwas unter die Arme gegriffen, es war jedoch eine reine Bürgerinitiative.“

Speditionen stellen Fahrer und Fahrzeug

Woher haben Sie die ganzen LKWs? Eger sagt: „Sowohl die Zugmaschinen als auch die Auflieger sind zur Verfügung gestellt von verschiedenen Speditionen aus Regenstauf und Region. Erst dachten wir, wir bekommen nur einen 40-Tonner voll, aber innerhalb von vier Tagen wurden es wirklich fünf Stück. Die LKW-Fahrer sind freiwillig hier. Von der Spedition haben wir einen LKW-Fahrer gestellt bekommen. Ansonsten sind es Leute, die einen LKW-Führerschein haben. Bekannte von Sebastian und Jens eben.“

Im Grünen Korridor wird geschossen

Woher wissen die Fahrer, wo die sicherste Route liegt? Er antwortet: „Das mit der sichersten Route ist natürlich eine schwierige Frage. Das kann sich ja schnell ändern. Andererseits sind wir nur nach Polen gefahren, bis 30 km vor die Grenze zur Ukraine, das ist ja EU, da hatten wir bis jetzt noch keine sicherheitsmäßigen Bedenken. Meine Frau hat den Ort organisiert, an dem wir in Polen unsere Sachen abladen konnten. Dort haben wir die Hilfsgüter in ukrainische LKWs umgeladen, die sind in die Ukraine rein. Die sind dann teilweise tagelang unterwegs, weil die auch schauen müssen, was die sicherste Route ist. Das bekommen wir aber nicht mehr mit, das können wir nicht mehr steuern. Man kann nur hoffen, dass die russischen Streitkräfte sie durchlassen. Man hört ja immer wieder von den Grünen Korridoren, wo dann auch die Hilfstransporte durchfahren können. Aber es wurde auch schon auf Zivilisten in den Grünen Korridoren geschossen, z.B. bei Irpin in der Nähe von Kiew. Es ist da nicht hundertprozentig sicher.“ Er fährt fort: „Die ukrainischen LKW-Fahrer bringen die Hilfsgüter dann jedenfalls in den Städten in Schulen, militärische Krankenhäuser oder zu sporadisch entstandenen Lagerplätzen. Von dort werden die Sachen in kleinere Autos verladen und an Hilfsbedürftige gebracht. Nicht nur die Leute in den Städten brauchen Hilfe, sondern auch Leute aus Kiew, die in andere ‚sichere‘ ukrainische Städte geflüchtet sind. Die müssen dann auch versorgt werden. Dort können sie sich ausstatten, können was essen, können ihre Babys ernähren usw.“

Hygieneartikel, Powerbanks, Windeln …

11 Isomatten, Kerzen, Notstromaggregate – Hilfsgüter für die Ukraine.

Was für Sachspenden liefern Sie in die Ukraine? Johannes Eger überlegt: „Ich kann Ihnen gerne ein paar Beispiele nennen, ich schau schnell auf meine Liste: Das sind Hygieneartikel, Verbandsmaterial, Kerzen, Taschenlampen, Batterien, Feuerzeuge/Streichhölzer, Powerbanks, Wanderstiefel, militärische Schutzkleidung, Notstromaggregate, Schaufeln, Äxte, Isomatten, Schlafsäcke, Matratzen, Frischhaltebehälter, Thermoskannen, Windeln, Babynahrung, Lebensmittel, Decken, Mützen, Handschuhe, teilweise auch Kleidung. Bei Kleidung mussten wir dann Stopp sagen, weil so viel davon gar nicht gebraucht wurde. Mancher hat auch gedacht, seine Altkleidersammlung loswerden zu können. Jeder meints bestimmt gut, aber wir müssen schauen, dass da nicht so viel Klump dabei ist, auf gut Bairisch gesagt. Also haben wir den Leuten manche Sachen wieder mitgegeben. Wir haben die Sachen dann sortiert und in Kisten gepackt und auf die Kisten z.B. „Hygieneartikel“ geschrieben. Auf Englisch und Ukrainisch. Meine Frau hat auch noch liebe und aufbauende Botschaften auf die Kisten geschrieben, das war dann für die ukrainischen Helfer eine schöne Nachricht von uns aus Deutschland.“

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Fazit

Bravo für so viel Einsatz, Kreativität und Solidarität! Was der Bürger in Rekordzeit auf die Beine stellt, davon kann eine starre Verwaltung nur träumen. Heute, am 11. März, fahren noch einmal drei volle LKWs von Regenstauf aus los. Dieses Mal sind es Laster von ukrainischen Speditionen, die ohne Umweg in die Ukraine fahren. Wer sich an der Initiative beteiligen möchte, findet die Gruppe „Regenstauf hilft der Ukraine“ auf Facebook. (lnw)

 

Bild 4(v.li.) Josef Schindler (Bürgermeister Regenstauf), Sebastian Wolf (Mitinitiator), Johannes Eger (Mitinitiator), Kseniia Eger (Mitinitiatorin), Jens Grünfelder (Mitinitiator), Peter Aumer (Bundestag), Doris Eger (Mutter von Herrn Eger und fleißige Helferin).

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

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