Stimmung | Krieg oder Corona – was beschäftigt Regensburg?

Stimmung | Krieg oder Corona – was beschäftigt Regensburg?


Mit Putins Angriff auf die Ukraine hat Corona ein paar Tage lang aufgehört zu existieren. Zumindest in den Köpfen der Menschen. Doch Corona gewinnt durch neue Inzidenz-Höchstwerte wieder an Aktualität. Welche Krise beschäftigt die Regensburger gerade mehr? Was denken sie? Wie gehen sie mit der Situation um? Am 16.03. waren wir auf den Regensburger Plätzen und in den Regensburger Gassen und haben mit den Passanten gesprochen.

Günter Seidl, 59 Jahre, Verwaltungsangestellter, Nittendorf:

Günter Seidl, 59 Jahre, Verwaltungsangestellter, Nittendorf:

„Das ist Größenwahn in meinen Augen“

 
Für Günter Seidl ist die Ukraine gerade relevanter als Corona. Er sagt: „Corona ist nicht unwichtig, aber zweitrangig geworden. Mir tun einfach die Leute in der Ukraine leid. Unschuldige werden umgebracht aufgrund von hirnrissigen Befehlen. Am meisten beschäftigt mich die Machtbesessenheit von Putin. Und dadurch das rücksichtslose Vorgehen. Das ist Größenwahn in meinen Augen. Indirekt bin ich selbst betroffen, weil mein Schwiegersohn aus der Ukraine stammt. Und seine Oma lebt noch da drüben.“ Die Spritpreise findet er nicht gerechtfertigt. Seidl erzählt: „Hört sich komisch an, aber ich hab damals mit Nord Stream 2 schon meine Bedenken gehabt. Da bin ich belächelt worden. Ich verstehe nicht, wie man sich von so einem Verbrecher, wie Putin einer ist, so abhängig machen kann.“ Ob er Angst vor einer Lebensmittelknappheit hat, wollen wir wissen. Er antwortet: „Angst nicht, aber leichte Bedenken. Olivenöl-Engpässe sind ja schon da.“ 
Maximilian Dotzer, 28 Jahre, Student, Regensburg:

Maximilian Dotzer, 28 Jahre, Student, Regensburg:

„Ich hab das Gefühl, dass wir uns mittlerweile an die Pandemie gewöhnt haben“

 
Maximlian Dotzer bewegt der Krieg momentan mehr als Corona. „Definitiv“, bestärkt er. „Ich hab das Gefühl, dass wir uns mittlerweile an die Pandemie gewöhnt haben, aber der Krieg momentan für mehr Unwohlsein sorgt. Hauptsächlich beschäftigen mich die Menschen, die von dort fliehen müssen. Auch nachdem ich einen geflohenen Ukrainer kennengelernt habe. Er geht offen damit um. Ist froh, aus dem Land raus zu sein. Aber er macht sich auch Sorgen um seine Freunde und seinen Vater, die dort geblieben sind. Die Spritpreise Gerechtfertigt finde ich vielleicht in dem Sinne gerechtfertigt, dass man die Ölzufuhr einschränkt. Aber ich finde es nicht gerechtfertigt, dass es an den Bürgern hängen bleibt. Man sollte einen Tankrabatt einführen, wie ihn Lindner vorschlägt.“
Karin Festner, 58 Jahre, Rentnerin, Regensburg:

Karin Festner, 58 Jahre, Rentnerin, Regensburg:

 „Der Spritpreis erinnert mich sehr an 1972“

 
Wir fragen Karin Festner, was sie momentan mehr bewegt: Der Krieg in der Ukraine oder Corona. Sie erwidert: „Beides gleichmäßig. Aber eher der Krieg. Die Frage ist ja bei Corona nicht mehr, ob, sondern wann wirs kriegen. Beim Ukraine-Krieg ist es schlimm, dass die Leidtragenden wieder die Unschuldigen sind. Die Zivilbevölkerung, Kinder.“ Ob sie die Spritpreise gerechtfertigt findet, wollen wir wissen. „Ist die Frage ernst gemeint?“, fragt sie lachend. „Der Spritpreis erinnert mich sehr an 1972, als es autofreie Sonntage gab und sich hinterher herausgestellt hat, dass es gar keine Benzinknappheit gab. Das Rohöl ist heute günstiger als vorher, trotzdem sind die Preise hochgegangen. Man vermutet, dass irgendwann der Hahn abgedreht wird, und jetzt erhöht man schonmal die Preise.“
Martin Scherf, 42 Jahre, Sinzing, Betriebsleiter:

Martin Scherf, 42 Jahre, Sinzing, Betriebsleiter:

 „Warum hat die NATO durch die Osterweiterung Russland in die Enge getrieben?“

 
„Der Krieg in der Ukraine bewegt mich mehr“, sagt Martin Scherf aus Sinzing. „Unwichtig ist die Corona-Thematik definitiv nicht. Wir haben Rekordzahlen. Jetzt ist die Rede davon, die Masken fallenzulassen. Aber die Omikron-Welle verursacht größtenteils leichte Beschwerden. Wir müssen dahin kommen, dass Corona als Grippe behandelt wird. Wir erleben jetzt in der Presse das, was normal ist. Es wird das behandelt, was wichtiger ist.“ Was beschäftigt ihn am Ukraine-Krieg? Er meint: „Natürlich die wirtschaftlichen Folgen. Das müssen wir auf der Arbeit berücksichtigen und Risikomanagement betreiben. Zweitens beschäftigt mich das Warum. Ich verurteile den Krieg, aber man muss über den Tellerrand schauen. Warum hat die NATO durch die Osterweiterung Russland in die Enge getrieben? Jeder weiß, was Putin für ein Mensch ist. Er war KGB-Agent und fühlt sich schnell in die Enge getrieben. Was geschieht, sind Kriegsverbrechen, das ist grausam.“ Hat er Angst vor einer Lebensmittelknappheit? Scherf antwortet: „Nein. Aber dass wir jetzt auch den Preis zahlen, ist selbstverständlich.“
Alexandra Binapfl, 36 Jahre, Schulbegleiterin, Regensburg:

Alexandra Binapfl, 36 Jahre, Schulbegleiterin, Regensburg:

„Es wird alles auf Facebook auf meine Timeline gespült“

Was Alexandra Binapfl mehr beschäftigt, wollen wir wissen: Der Krieg in der Ukraine oder Corona? Sie sagt: „Der Krieg in der Ukraine.“ Ist die Corona-Thematik plötzlich unwichtig geworden? Sie entgegnet: „Nee, aber es bewegt mich nicht so. Ich arbeite ja an der Schule, und die Schüler müssen trotz Tests und großteils Impfungen Masken tragen.“ Und was beschäftigt sie am Ukraine-Krieg? „Vor allem das Leid der Flüchtlinge“, antwortet sie, „und da zuvorderst das Leid von Frauen und Kindern. Ich informiere mich täglich; es wird alles auf Facebook auf meine Timeline gespült.“ Und die Spritpreise? Sie erklärt: „Finde ich nicht gerechtfertigt, aber das hat weniger mit dem Ukraine-Krieg zu tun, sondern mehr mit den Steuern – Treibstoff wird zu stark besteuert, finde ich.“ 

Martina Wunner, 74 Jahre, Rentnerin, Regensburg:

Martina Wunner, 74 Jahre, Rentnerin, Regensburg:

„Es wird auch niemand sterben, wenn man zu Fuß geht“

Krieg oder Corona? Martina Wunner antwortet: „Der Krieg bewegt mich auf jeden Fall mehr. Dazu ist Corona schon zu alt. Unwichtig ist Corona jetzt nicht, aber es hat sich relativiert. Man sollte sich um das eine kümmern und das andere nicht lassen. Bloß müsste man halt schauen, dass sich die Flüchtlinge auch impfen.“ Was beschäftigt sie am Krieg? Sie meint: „Die Thematik überhaupt. Wie das enden wird. Und die Zwickmühle, in der Europa und vor allem Deutschland steht. Sich solidarisch erklären, ist schön und gut, aber man kann als Staat nicht militärisch eingreifen. Ich bin selbst betroffen. Mein Sohn hat eine ungarische Frau mit Kind aufgenommen, die er verpflegt. Bekannte haben dem Kind ein Fahrrad gespendet, der Frau Kleidung.“ Wie steht sie zu den Benzinpreisen? Wunner antwortet: „Ich bin in ner Zeit geboren, da hat der Sprit 45 Pfennig gekostet. Da haben wir gesagt: Wenn er auf 50 erhöht wird, fahren wir kein Auto mehr. Heute ist er zehnmal so teuer. Eigentlich ist uns an Gas und Benzin noch nichts abgedreht worden. Nur durch die Ankündigung, dass es so kommt, wurden die Erhöhungen gerechtfertigt. Aber es wird auch niemand sterben, wenn man zu Fuß geht. Auch vor einer Lebensmittelknappheit hab ich in meinem Alter keine Angst mehr. Ich hab die Nachkriegszeit erlebt. Es kommt, wie es kommt. Da bin ich schon sehr pragmatisch.“

Fazit

 

Ein Großteil der von der RSZ am 16.03. in der Regensburger Innenstadt Befragten (82 von 100) gibt an, der Krieg sei wichtiger, neuer, relevanter. Diese Angabe wird meist relativiert: Corona ist für die Leute nicht unwichtig, aber zweitrangig geworden. Als gleich wichtig sehen 14 Befragte beide Themen an. Die Befragten hüten sich (so beobachtet unser Reporter), Corona angesichts der humanitären Katastrophe in der Ukraine als wichtiger zu bezeichnen – gerade einmal 2 Befragte. Ebenfalls 2 Befragte geben an, ihnen sei beides nicht wichtig. (lnw)


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