Jubiläum | Vom Sommerfest zum Truthahnfest

Jubiläum | Vom Sommerfest zum Truthahnfest

Bildunterschrift: Mit einer grandiosen Rede rettete Peter Kittel die Situation beim Truthahnfest 2017. Links neben ihm der deutlich angeschlagene Helmut A. Binser.

 

Wer viel arbeitet, soll auch gut feiern. So hat es Peter Kittel immer gehalten, so hält er es auch heute. Er lädt seit Jahrzehnten zum Truthahnfest ins Auerbräu oder auf seinen Romantischen Weihnachtsmarkt, früher waren sein Spargelessen oder seine Sommerfeste auf den Winzerer Höhen legendär – nicht nur wegen der Steillage des von ihm gepachteten Wochenendgrundstücks.

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Anfangs, so Horst Hanske, begnadeter Schreiber und noch begnadeterer Fotograf der verblichenen Regensburger Boulevard-Zeitung „Die Woche“, 1996, waren Kittels Feste „echt zwanglose Treffen von Gaudiburschen, Elfmeter- und Eisstockschützen aller Ligen und Sandler jeder politischen Couleur“. Doch mit Einführung der In-und-Out-Liste und der Auflagensteigerung „erfuhren die Feste einen ganz außergewöhnlichen Wertzuwachs.“

Warum? Hanske wusste: „Wer nicht dabei ist, kann sich leider nicht der Regensburger Wichtlrunde zugehörig fühlen. Wer nicht von Peter linksrechtslinks abgebusselt wird, leidet unter dem Makel des Außenseiters. Das Café Dombrowski ist voll von unglücklichen Outmenschen und Porschefahrern, die Peter fast unmenschlich links liegen lässt. Neben Kaffeeröstern und hohen Kripobeamten buhlen sogar angesehene Domkapitulare, Baguette-Tüten-Lyriker und Theo Waigels alter ego um des Stadtzeitungsmenschen Gunst.“

Eine, die gar nicht viel buhlen musste, war Jenny Jürgens, Tochter von Schlager-Monument Udo Jürgens. Kittel hatte sie bei einem seiner seltenen Ausflüge in Münchens Nobeldisco P1 kennen gelernt und zu seinem Sommerfest 1992 eingeladen. Dort verzauberte Jenny nicht nur alle Männer, sondern auch Kittels Labradormischling Dino. Als Minirockträgerin Jenny fröstelte, lieh sie sich von Peter Kittel eine Jeans. Der legte die Hose am nächsten Morgen ab – und „Dino“ verteidigte sie wie ein Löwe. Drei Tage lang ging er nicht mehr von der Hose runter, so sehr litt er an Liebeskummer.

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Die Sommerfeste sind passé, heute lädt Kittel die Wichtigen und Schönen kurz vor Weihnachten zum Truthahn in den Auerbräu. Zum gefühlt 100. Mal trifft sich dort die Runde, zehn zufällig bestimmte Gäste wähnen sich auf dem Olymp, weil Kittel sie persönlich begrüßt. Nach dem Hauptgang kommt die kulturelle Einlage, 2017 sollte sie Kabarettist Helmut A. Binser liefern.

Das tat er auch – aber ganz anders. Binser hatte zuvor bereits einen Auftritt absolviert und sich dabei offenbar vollkommen zugeschüttet. Jedenfalls war er stockbesoffen, hatte einen Texthänger nach dem anderen, versaute jede Pointe und versuchte acht Mal verzweifelt, einen Witz von einer Stewardess und einem Papagei zu erzählen, verwechselte die Beteiligten aber stets aufs Neue. Nach wenigen Minuten brach Kittel den Auftritt ab – und rettete mit einer kabarettwürdigen Kurzrede die Situation. Unter tosendem Applaus sagte er: „Selbst wenn wir alle einmal mit Demenz und Alzheimer im Sauren Gockel sitzen, werden wir uns an diesen außergewöhnlichen Auftritt erinnern.“ Als er Binser wissen ließ, ihm stünde „mit Sicherheit eine großartige Karriere bevor“, johlte das ganze Wirtshaus. Und brach dann völlig in Lachsalven aus, als Kittel Binser das für nach dem Auftritt vorgesehene Geschenk – eine Flasche Schnaps – überreichte und trocken anfügte: „Ich weiß nicht, ob das jetzt pädagogisch richtig ist …“ (ssm)

 


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