Nachgefragt | Stadtzeitungsleser stoppen RKK-Monster

Nachgefragt | Stadtzeitungsleser stoppen RKK-Monster

Das RKK scheitert abermals – vor allem auch wegen der Stadtzeitung und ihrer Baumpaten / Beim geplanten Busbahnhof wird die RSZ wachsam bleiben

Es war ein grandioser Sieg für die Lebensqualität in Regensburg. Bei dem Bürgerentscheid zum „Regensburger Kultur und Kongresszentrum“ wiesen die Bürger mit ihrer 61,7-Prozent- Ablehnung die Stadtverwaltung deutlich in die Schranken. Den Protzbau, für den die Rathaus- Regenbogenmehrheit mit ausdrücklicher Unterstützung der Grünen Dutzende und zum Teil Jahrhunderte alte Bäume umhauen wollte, wird es nun auf dem Keplerareal nicht geben. Das ist ein Erfolg aller Regensburger – zurückzuführen ist der aber besonders auf die Stadtzeitung, die schon sehr frühzeitig zum Widerstand gegen die irrwitzigen Pläne aufrief.

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Bereits 2017 entlarvte die RSZ eine völlig sinnfreie Bürgerbefragung der Stadtverwaltung zur Umgestaltung des Geländes zwischen Peterskirchlein und Ernst-Reuter-Platz – wo die Stadthalle und ein Zentraler Busbahnhof entstehen sollten – als Farce: Zum Preis von 200 Millionen Euro und rund 150 teils uralten Bäumen. Diese Befragung kostete zwar 350.000 Euro, war aber doch nichts anderes als ein geradezu lächerlicher Versuch der Rathaus-Koalition, die Bürger zu täuschen und das bereits mehrfach gescheiterte Stadthallenprojekt um jeden Preis durchzusetzen. Die Stadtspitze dachte offenbar, sie könne damit die Regensburger übertölpeln.

Denn bei der vermeintlichen Bürgerbeteiligung (ihr ging eine seltsame Aktion voran, bei der Absperrbänder gespannt wurden, um zu zeigen, welcher Bereich von den Umbau-Plänen betroffen sein könnte) verschickte die Verwaltung zwar über 133.000 Fragebögen, auf denen konnten die Befragten aber nur mitteilen, ob sie die einzelnen Vorhaben sehr wichtig, wichtig, mittelwichtig oder unwichtig fanden. Ein Nein zur Stadthalle war bei der fast schon zynisch als „Stadtraum gemeinsam gestalten“ bezeichneten Befragung nicht vorgesehen.

Wenige bewirken viel Widerstand

Die Stadtzeitung durchschaute das Manöver, sie ließ den ehemaligen Kulturreferenten der Stadt Egon Greipl (70), zugleich auch langjähriger Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, zu Wort kommen, der „von einem Anschlag auf das Stadtbild“ sprach.

Auch Dr. Peter Morsbach, Chef der Altstadtfreunde und Hochschullehrer für Denkmalpflege, Denkmalkunde, Kunst- und Architekturgeschichte nannte die Hallenpläne einen „völligen Unsinn, weil die Stadt eine Halle dieser Kapazität so gut wie nie braucht“.

Das verstärkte vor allem den entscheidenden Widerstand aus dem bürgerlichen Lager, das sich mehr und mehr gegen den geplanten hässlichen RKK-Klotz am Ernst-Reuter-Platz aussprach. Als die Stadtzeitung darüber und über das geplante Bürgerbegehren exklusiv berichtete, war dies der meistgeklickte Artikel seit Bestehen der RSZ-Internetseite.

Baumpaten retten die Allee

Schließlich vergab die Stadtzeitung die Baumpatenschaften. Regensburger und Regensburgerinnen standen mit ihrem vollen Namen und einem Foto in der Zeitung für die Bäume ein, die die Verwaltung umholzen wollte. „Ich schütze diesen Baum vor dem RKK-Monster“, versprachen RSZ-Leser in mehreren Ausgaben und bewiesen damit große Zivilcourage.

Ganz offenbar zeigte all das Wirkung - für die Stadtspitze gab es jedenfalls bei der Abstimmung eine schallende Ohrfeige. Die klare Mehrheit lehnt das RKK am Keplerareal ab! Immerhin: Wolbergs-Stellvertreterin Maltz- Schwarzfischer räumte am Ende selbstkritisch ein, dass die Bürgerbefragung vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen sei.

Jetzt soll Busbahnhof kommen

Jedenfalls wird es beim Bahnhof keine Prestigehalle geben. Ob sie an anderer Stelle in der Stadt gebaut wird, ist offen.

Doch schon droht den Bäumen der Allee eine neue Gefahr: Dort, wo die Halle ursprünglich geplant war, will die Stadt nach dem Abriss der Studentenwohnheime jetzt vorübergehend den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) errichten, 2021 soll der fertig sein, die Planungen starten im Frühjahr. Zwar soll dabei - zumindest laut Regierung der Oberpfalz - kein Baum fallen müssen und auch die Stadt beteuert, dass ein Eingriff in den Alleengürtel nicht mehr vorgesehen sei. Doch wer traut noch den Beteuerungen der Stadt? Oft genug wurden handstreichartig durchgeführte Baumfällorgien nachträglich damit erklärt, dass die umgelegten Bäume „krank“, „standunsicher“ oder gar „einsturzgefährdet“ gewesen seien. Und erst kürzlich holzten die Erfüllungsgehilfen, eines offensichtlich von der Autorität der Regensburger Baumschutzverordnung wenig beeindruckten Bauherrn, in der Albertstraße (!) knapp ein Dutzend wertvolle Bäume einfach um, ohne dass hier ein Einschreiten der Stadt erkennbar wurde. Wie der endgültige Bahnhof beim Peterskirchlein zwischen Hauptbahnhof und Galgenbergbrücke aussehen wird, ist noch offen.

Dafür will die Stadt ein europaweites Vergabeverfahren in die Wege leiten. Was dabei herauskommt, weiß noch niemand.

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Stadtzeitung und Baumpaten passen auf

Eines ist allerdings jetzt schon klar: Sollte die Stadt wegen des Interims-Bahnhofes doch Bäume opfern wollen – wird die Stadtzeitung erneut die Öffentlichkeit mobilisieren. Und sollten die Planungen für den endgültigen Busbahnhof einen schmerzlichen Eingriff in den Alleengürtel bedeuten, werden die Baumpaten der RSZ wieder da sein. (hk)

Alle Infos zum RKK finden Sie online.

 


 

Die „Nachgefragt“-Reihe

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  • gepostet am: Montag, 05. November 2018

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