Nachgefragt | Das mysteriöse Haus am Pfaffensteiner Tunnel

Nachgefragt | Das mysteriöse Haus am Pfaffensteiner Tunnel

In der Alten Nürnberger Straße am Pfaffensteiner Tunnel steht ein seltsames Haus. In der Mitte ist es niedrig, zu den Seiten hin wird es höher. Drei lange Jahre war dort eine Baustelle. Und man hat sich beim Abfahren von der Autobahn gerne gefragt: Was ist das für ein komisches Gebäude? Wer baut hier? Warum dauert das so lange? Wir haben nachgefragt.

11 Pastor Tye Davis.

Untergebracht in diesem Haus ist die Glaubensgemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten. Die aus den USA stammende protestantische Freikirche hat über 20 Millionen Mitglieder weltweit. Tye Davis ist Pastor der Regensburger Gemeinde. Er erklärt: „In Bayern haben wir etwa 4.500 Mitglieder in circa 70 Kirchengemeinden. In Regensburg haben wir derzeit knapp 100 Mitglieder und dazu viele Kinder und Jugendliche. Die Gemeinde besteht seit über 100 Jahren und traf sich vor ihrem Umzug in die Alte Nürnberger Straße in der Trothengasse.“

Warum aber sind die Siebenten-Tags-Adventisten in die Alte Nürnberger Straße umgezogen? Wir wollen es genauer wissen. Pastor Tye Davis führt aus: „Das Gemeindehaus in der Trothengasse hat uns fast 70 Jahre lang sehr gut gedient, aber im Laufe dieser Jahre ist die Gemeinde gewachsen und das Gebäude wurde zu klein. Vor etwa 7 Jahren machte sich die Gemeinde auf die Suche nach einem neuen Standort für den Bau eines neuen Gemeindehauses. Der Standort in der Alten Nürnberger Straße wurde insbesondere deshalb gewählt, weil er so gut sichtbar ist.“

AdventgemeindeRegensburg11 Christine KonigGerhard SchneiderDer Gottesdienstsaal von innen.
© Christine König/Gerhard Schneider

Warum stand die Baustelle so lange still? Drei Jahre hat es gedauert. Der gebürtige Amerikaner berichtet: „Es gab einige unerwartete Herausforderungen auf der Baustelle, die einige Änderungen erforderten, was natürlich zu Verzögerungen bei der Fertigstellung des Gebäudes führte.“ Welche unerwarteten Herausforderungen gab es denn? Wir haken nach. Der Gottesdienstbesucher Severin Queck, Architekt von Beruf, antwortet: „Eine große Herausforderung für die Planer und die Firmen war es, das neue Gemeindehauses auf einem relativ begrenzten, aber vor allem steilen Grundstück unterzubringen. Hierbei musste der Hang bis zu den späteren Fundamenten komplett abgetragen werden. Die schwierigen topographischen Verhältnisse erforderten aufwändige Lösungen. Nach der Rohbauphase sollte es zügig in den Innenausbau und die Fertigstellung gehen. Doch die Eindämmung des weltweiten Rohstoffhandels und die teilweise Schließung innereuropäischer Grenzen für Arbeiter aus Nachbarländern im ersten Corona-Jahr zwangen die Baustelle fast zum Stillstand. Durch den beherzten Einsatz der Bauleitung und einiger Mitglieder der Ortsgemeinde konnte hier unter schwierigen Bedingungen die Arbeit fortgesetzt und schließlich im zweiten Halbjahr 2021 fertiggestellt werden.“

Wer hat die Kirche gebaut? Wer hat sie finanziert? Pastor Davis entgegnet: „Das Gemeindehaus wurde vom Süddeutschen Bauverein der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten unter Mitwirkung der örtlichen Gemeinde gebaut. Es wurde auch teilweise von der örtlichen Gemeinde finanziert.“

Dann stellen wir die wichtigste Frage: Warum hat die Kirche die Form, die sie hat? „Die Funktion der Architektur ist rein ästhetisch“, erwidert Davis und führt aus: „Das Gemeindegebäude hat mehrere Funktionen, die sich nach außen durch die ungewöhnliche Form zeigen. Das eingeschossige, niedrige Foyer in der Mitte verbindet den zur rechten Seite gelegenen Gottesdienstsaal mit den übrigen Gemeinschafts- und Mehrzweckräumen auf der anderen Seite. Der Gottesdienstsaal misst an seiner höchsten Stelle knapp über acht Meter. Das Dacht spannt sich zur hochgelegenen Eckverglasung. Die Räume für Betreuung, Gemeinschaft und sonstige Programme der Gemeinde befinden sich in dem zweigeschossigen Gebäudeteil. Über dem Foyer ist eine Terrasse mit Dachgarten.“

Kirche Adventisten 2So sieht der rätselhaft geformte Gottesdienstsaal von außen aus.
© Lukas N. Wuttke

Dann stellen wir die wichtigste Frage: Warum hat die Kirche die Form, die sie hat? „Die Funktion der Architektur ist rein ästhetisch“, erwidert Davis. Severin Queck führt aus: „Das Gemeindegebäude hat mehrere Funktionen, die sich nach außen durch die ungewöhnliche Form zeigen. Das eingeschossige, niedrige Foyer in der Mitte verbindet den zur rechten Seite gelegenen Gottesdienstsaal mit den übrigen Gemeinschafts- und Mehrzweckräumen auf der anderen Seite. Der Gottesdienstsaal misst an seiner höchsten Stelle knapp über acht Meter. Das Dach spannt sich zur hochgelegenen Eckverglasung. Die Räume für Betreuung, Gemeinschaft und sonstige Programme der Gemeinde befinden sich in dem zweigeschossigen Gebäudeteil. Über dem Foyer ist eine Terrasse mit Dachgarten.“ (lnw)

 

Die Siebenten-Tags-Adventisten:
Was denken die andern?

Wer sind denn eigentlich die Siebenten-Tags-Adventisten? Ist das eine Sekte? So wie Scientology? Oder eine ganz normale Glaubensgemeinschaft? Was glauben sie? Welche Konflikte ergeben sich? Wir haben uns vom Bundesverwaltungsamt und von den großen christlichen Konfessionen informieren lassen.

Birgitt Paschke vom Bundesverwaltungsamt äußert sich so: „Bei den Siebenten-Tags-Adventisten handelt es sich um eine weltweit verbreitete Glaubensgemeinschaft adventistischer Protestanten.“ Sie schreibt: „Konfliktpotentiale ergeben sich mit großer Wahrscheinlichkeit beim Verlassen der Gemeinschaft, wobei das Problem nicht darin liegt, dass die Gemeinschaft den Ausstieg behindert, sondern eher darin, dass die Kontakte des Aussteigenden nicht in der gewohnten Form weiter fortbestehen können oder dürfen. Hierzu finden sich Berichte des Aussteigers Philipp Höhener.“ Sie führt aus: „Konfliktpotentiale können sich sicherlich auch in den Bereichen Erziehung, Sexualität und Alltagsleben ergeben, da die engen Moralvorstellungen der Gemeinschaft nicht immer mit den Lebensgewohnheiten einer modernen aufgeschlossenen Gesellschaft kompatibel sind. Eine Ehe sollte nur zwischen einem Mann und einer Frau gemeinsamen Glaubens geschlossen werden, Sexualität nur in der Ehe gelebt, Eheprobleme sollen auch in schwierigen familiären Konstellationen durch die Führung des heiligen Geistes und nicht durch Scheidung gelöst werden.“

Der evangelische Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen Dr. Matthias Pöhlmann beurteilt die Glaubensgemeinschaft so: „Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat einen enormen Öffnungsprozess vollzogen. Inzwischen ist sie in Bayern Mitglied im Gaststatus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Insofern passen Sie nicht in die ‚Sektenecke‘. Sie ist eine Freikirche. Sektentypische Merkmale weist sie nicht auf.“

Marianne Brandl von der katholischen Fachstelle für Sekten- und Weltanschauungsfragen in Regensburg schätzt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten als „völlig unauffällig“ ein. Sie schreibt: „Zwar ist es richtig, dass die Religionsgemeinschaft bis etwa Anfang der 1990er Jahre noch dem Bereich der so genannten ‚Sekten‘ oder christlichen Sondergemeinschaften zugerechnet wurde. Nach ihrer Öffnung auf andere christliche Kirchen hin und vielen theologischen Gesprächen ist die Gemeinschaft heute aber eine Freikirche mit Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK) in Deutschland, der ACK Bayern und auch in lokalen ökumenischen Arbeitsgemeinschaften.“ Über Konfliktpotenzial äußert sich Brandl so: „Konfliktpotentiale können sich immer ergeben, wenn es eine Überidentifikation oder Absolutsetzung von einzelnen – oftmals aus einem Gesamtkonzept losgelösten – Glaubensinhalten gibt. Dass die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hier besonders auffällig wäre, kann ich nicht bestätigen. Mir ist auch niemand bekannt, der die Freikirche unlängst verlassen hat und Vorwürfe gegen die Freikirche erhoben hätte.“

 

Die „Nachgefragt“-Reihe

  • gepostet am: Dienstag, 01. Februar 2022

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