Nachgefragt | Nach der Wahl ist vor der Wahl: Alle gegen Eine?

Nachgefragt | Nach der Wahl ist vor der Wahl: Alle gegen Eine?

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Der neue Regensburger Stadtrat gleicht nach der letzten Kommunalwahl einem Flickenteppich. Gleich zehn Parteien bzw. Gruppierungen haben den Sprung in das Volksvertretergremium geschafft. Das wird das Schmieden einer handlungsfähigen Koalition nicht gerade erleichtern.

Klare Wahlverlierer: Die SPD und Joachim Wolbergs. Die eine hat es nahezu pulverisiert, der andere hat seine Wahlziele, nämlich wieder zum OB gewählt zu werden und zugleich seinen Huldigungsverein „Brücke“ zur stärksten Fraktion zu führen, mehr als deutlich verfehlt.

Wahlgewinner Nr. 1 mit leicht bitterem Beigeschmack: die CSU. Zwar wird sie nach langer Durststrecke wieder stärkste Fraktion, aber nur mit 13 Sitzen. Hätte man bei der Listenaufstellung nicht den strategischen Fehler begangen und auf erfahrene Schlachtrösser und Stimmensammler wie z.B. Franz Rieger und Hans Renter leichtfertig verzichtet, wären bestimmt zwei bis drei Sitze mehr drin gewesen.

Wahlgewinner Nr. 2 sind die Grünen. Sie konnten ihr Ergebnis von 2014 verdoppeln.

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Spannend wird es jetzt nochmal bei der OB-Wahl: Zwar hat Astrid Freudenstein die erste Runde mit knapp 30% klar für sich entschieden, während die provisorische Amtsinhaberin Gertrud Maltz-Schwarzfischer lediglich knapp 23% der Wählerinnen und Wähler für sich begeistern konnte. Doch Freudensteins Vorsprung ist nicht sehr groß angesichts des Umstandes, dass es schon kurz nach dem ersten Urnengang aus dem links-alternativen Lager Wahlempfehlungen für die zunächst unterlegene SPD-Kandidatin geradezu hagelte. Grüne, ÖDP und Brücke positionierten sich klar für Maltz-Schwarzfischer und erheben so lautstark-still ihre damit verbundene Forderung nach einem Bürgermeisteramt.

Angesichts dieser Situation könnte Astrid Freudenstein den Slogan ihrer Konkurrentin „Eine für Alle“ – etwas abgeändert – für sich adaptieren: Alle gegen Eine.

Mit einer Wahlempfehlung klug zurückgehalten haben sich lediglich FDP und Freie Wähler. Offenbar stecken ihnen die skurrilen Erfahrungen mit der sog. „Bunten Koalition“ noch schmerzhaft in den Knochen.

Gegen diese rechnerische Übermacht erscheint Freudenstein nun als Außenseiterin. Doch die Messe ist noch nicht gelesen: Maltz-Schwarzfischer sieht sich, angesichts der Wahlempfehlung von der „Brücke“, plötzlich in der unbequemen Rolle dementieren zu müssen, dass sie sich sozusagen zur Oberbürgermeisterin von Wolbergs` Gnaden wählen lassen will.

Freudenstein wiederum surft elegant auf der Bugwelle des als Krisenmanager zu Hochform aufgelaufenen Markus Söder und kokettiert gekonnt mit ihren stabilen Verbindungen zu den Entscheidern in München und Berlin.

Gewinnt Maltz-Schwarzfischer, ist eine linke Koalition aus SPD, Grünen, ÖDP und Brücke nicht unwahrscheinlich. Sprengstoff Wolbergs inklusive.

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Gewinnt Freudenstein, könnte es mit CSU, Freien Wählern, FDP und Grünen ebenso stabil wie bürgerlich-progressiv werden. Ein Modell, dass auch auf Bundesebene zur Option werden könnte.

Es wird also spannend.

 

Aktualisierung:

Regensburg brauchte gut zwei Tage länger als das übrige Bayern, bis es sich in der Lage sah, das Ergebnis der regionalen Stichwahl um den OB-Sessel auszuzählen. Nach diesem konnte sich Maltz-Schwarzfischer sehr knapp (ca. 1000 Stimmen) gegen ihre Herausforderin Astrid Freudenstein durchsetzen. Die nun anstehenden Koalitionsverhandlungen dürften den o.g. Zündstoff bieten.

Es bleibt spannend! (hk)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

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  • gepostet am: Donnerstag, 26. März 2020

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