Jubiläum | Der Mann, aus dem was wurde: Ulrich Lechte

Bildunterschrift: Alt-Vertriebschef Ulrich Lechte sitzt im Bundestag.

 

Ausfahrer, Vertriebschef, Korrektur-Instanz: Das war Uli Lechte (41) bei der Stadtzeitung. Seit 2017 sitzt er für die FDP im Bundestag – und lässt sein Arbeitsverhältnis bei der RSZ nur ruhen.

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Die Bundestagswahl 2017 verlief für Ulrich Lechte sehr erfreulich: Über die FDP-Liste zog der gebürtige Sinsheimer in den Deutschen Bundestag ein, macht im Bundestag große Politik, sitzt u. a. im Auswärtigen Ausschuss, ist Vorsitzender des Unterausschusses Vereinte Nationen. Vorher waren auswärtige Angelegenheiten im beruflichen Sinne für ihn etwas ganz anderes – die Vertriebsstellen der Stadtzeitung im Landkreis. An 800 Orten liegt Ostbayerns größte Stadtillustrierte aus, Lechte kennt jede einzelne Anlieferadresse und weiß noch immer auswendig, wer wie viele Exemplare bekommt. Über 20 Jahre hat er für die RSZ gearbeitet, da kennt man seine Pappenheimer.

Lechte war 1996 zum Studium nach Regensburg gekommen, Quartier fand er beim damaligen Gymnasiallehrer und Musikredakteur der RSZ Norbert Mendel. Der vermittelte ihm einen Job bei der Zeitung. „Als Ausfahrer, mitten im tiefsten Winter“, sagt Lechte.

Doch schon bald entdeckte Chef Peter Kittel, dass der neue Student fleißig und vielseitig einsetzbar war. Zum Beispiel für Kurierfahrten. Lechte lieferte die Zeitungsvorlagen für die Druckerei. Aber man muss wissen: Die Stadtzeitung ließ immer dort drucken, wo es am günstigsten war – und Tschechien war sehr günstig. Oder Kroatien. Jahrelang fuhr der RSZ-Uli 280 Kilometer nach Prag. Über die B14, die A6 gab es da noch nicht. „Das war ein Gegurke ...“

Wenn es ganz blöd lief, waren Seiten falsch belichtet und die Fahrt musste noch am selben Tag wiederholt werden. Und das, nachdem Lechte in der Nacht zuvor noch stundenlang Korrektur gelesen hatte. 16 Jahre lang war er auch Lektor der RSZ. „Ich bin der einzige Mensch, der die Stadtzeitung von vorne nach hinten liest, vom ersten bis zum letzten Wort“, sagte er einmal. Sechs bis sieben Stunden dauerte das Korrekturlesen. „Heute lese ich die Stadtzeitung in zwanzig Minuten“, sagt er.

Sein Hauptjob aber war die Verteilung der Gesamtauflage. Uli Lechte koordinierte die Touren der sechs bis sieben Austräger, kontrollierte die Anlieferung (Kunden bestätigen diese mit Stempel und Unterschrift). Er fuhr auch selbst alle Verteilstellen an. „Ich wollte wissen, wovon ich rede.“

Bei der Verteilung gab es manches kuriose Erlebnis: Ein Austräger belieferte das „Sensorium“ in der Udetstraße, traf dort aber nie jemanden an. Nach Monaten wurde ihm doch geöffnet – und er stand in einem Raum voller nackter meditierender Menschen. Einen Stempel hatten die gerade nicht griffbereit ...

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Die Auslieferung, das Lektorat – für Uli Lechte ist das erstmal vorbei. Denn er war und ist ein politischer Mensch, arbeitete neben der Stadtzeitung auch im FDP-Wahlkreisbüro von Horst Meierhofer (der war zwei Perioden im Bundestag) und engagierte sich in der Partei. 2017 dann der große Erfolg, Uli Lechte zog in den Bundestag ein. Und machte seinen Wahlkreismitarbeiter zum Korrektor bei der RSZ. „Geschichte wiederholt sich, vielleicht darf mein Mitarbeiter ebenfalls mal mein Nachfolger werden.“

Sicherheitshalber hat Lechte seinen Job bei der Stadtzeitung nie gekündigt. Die mit Personalangelegenheiten betraute Mitarbeiterin hat ihn zwar dazu aufgefordert. Aber: „Den Teufel werde ich tun“, sagt Uli Lechte. „Mein Arbeitsverhältnis lasse ich lediglich ruhen.“ Man kann schließlich nie wissen ... (ssm)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

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