Nachgefragt: Challenge: Das tragische Ende der hochtrabenden Träumereien

Nachgefragt: Challenge: Das tragische Ende der hochtrabenden Träumereien

Die Stadtzeitung hatte stets gemahnt, nun ist es soweit: Frima der Triathlon-Veranstalter Sonja und Thomas Tajsich ist pleite, privat droht das selbe Schicksal/Schwere Vorwürfe gegen Linzensgeber, dabei dürfte Tom Tajsich selbst zum Aus beigetragen haben.

Die Stadtzeitung hatte frühzeitig und immer wieder gewarnt: Die Challenge Regensburg bringt nichts. Sie ist eine elitäre Veranstaltung für einen äußerst überschaubaren Kreis von Extremsportlern.  Und eine Veranstaltung, die viele vor den Kopf stößt. Das kann nicht gutgehen - es ging auch nicht gut: Zweimal wurde die Challenge durchgeführt. Statt erhoffter 3.000 und vollmundig angekündigter mindestens 1.500 Teilnehmer blieben es höchstens 1.100 Sportler in den verschiedenen Wettbewerben. Über die Langdistanz (3,8 km Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen) starteten gerade mal 350 Athleten. Trotzdem behauptete Veranstalter Thomas Tajsich (48) stets hochnäsig, die Veranstaltung stehe auf soliden Beinen. Nun hat die Challenge seine Firma in die Insolvenz sprinten lassen. Auch privat sieht es für Tajsich und seine Ehefrau Sonja finanziell düster aus.

Auf über eine Million Euro wurden die Kosten der Veranstaltung veranschlagt, die der damals noch amtierende OB Joachim Wolbergs bei Vertragsabschluss 2015 quasi im Alleingang jährlich von der Stadt mit 275.000 Euro fördern ließ und die die Purendure Event GmbH & Co KG seiner Fitness-Trainerin Sonja Tajsich und deren Ehemann ausrichtete.

Stets ein Draufzahlgeschäft
Die Extremsause war ein Minusgeschäft: Finanziell, aber ebenso beim Ansehen der Regensburger konnte die Veranstaltung nicht punkten. Kaum Teilnehmer, kaum Zuschauer, keine erhoffte Wertschöpfung. Bei einer Online-Abstimmung bezeichneten zwei Drittel die „Challenge“ als „Flop“. Die CSU forderte die Einstellung der städtischen Förderung.
Doch Möchtegern-Zampano Thomas Tajsich mochte von der Veranstaltung, mit der er sich offenbar sein eigenes Sportdenkmal bauen wollte, nicht abrücken. Er wies barsch und arrogant die Kritik an seiner Veranstaltung zurück und vergrämte, u.a. Feuerwehrleute, die als Streckenposten zwangsverpflichtet wurden und Anwohner, die nicht von ihren Wohnungen wegfahren konnten. Doch das Aus kam von ganz anderer Seite. Die „Challenge“-Lizenzgeber entzogen den Tajsichs den Namen: es ging um angeblich „geschäftsschädigendes Verhalten“ (die Stadtzeitung berichtete). Denn Tom Tajsich hatte sich gegenüber dem Namensgeber im Ton vergriffen. Zunächst hatte er eingeräumt, dass das Rennen „einfach nicht genug Teilnehmer nach Regensburg auf die Langdistanz“ bringe. Und dann meinte der Organisator selbstherrlich: „Es ist die Frage, ob das Challenge-Label überhaupt etwas bringt.“

Trotz Kündigung wollte Tajsich weitermachen
So etwas hört kein Lizenzgeber gern. Challenge-Boss Zibi Slfufcik jedenfalls reagierte beleidigt. Damit wären die „Bemühungen, dauerhaft eine Challenge Regensburg zu etablieren, von unserem Lizenznehmer massiv konterkariert, so dass wir keine Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit mehr sehen“. Den Tajsichs wurde die „Challenge“-Lizenz gekündigt. Doch Tom Tajsich blieb überheblich: Er werde das Langstreckenrennen auch 2018 in Regensburg ausrichten, ließ er verlauten. Er zog sogar wegen der Kündigung vor Gericht, die Richter forderten Lizenzgeber und Lizenznehmer auf, sich zu einigen. Doch dann, so Tajsich, habe die Challenge-Familie ihm das Wasser abgegraben. Eigene Fehler räumt er nicht ein.

„Vorsätzlich in die Insolvenz getrieben“
Im Gegenteil, Tajsich erhebt schwere Vorwürfe: Die Challenge-Familie habe mit der Kündigung des Vertrages so getan, als ob das gesamte Event geplatzt sei. Sie habe Athleten angeschrieben, die trotz dem ganzen Hickhack in Regensburg hätten starten wollen und ihnen 30 Prozent Nachlass auf andere Challenge-Laufveranstaltungen angeboten. Sogar für die Challenge Roth habe es auf einmal Plätze gegeben, obwohl die längst ausgebucht sei. „Sie haben versucht, uns ganz bewusst in die Insolvenz zu treiben“, klagt Tajsich. Aus Unsicherheit, ob das Rennen in Regensburg 2018 stattfinde, hätten Sportler nach o. a. Schreiben ihren Start in der Domstadt gekündigt. Heißt: noch weniger Einnahmen!  Das war der Genickbruch. Denn neben aufgelaufenen Anwalts- und Gerichtskosten gab es weiter Lager- und Personalkosten für das Rennen. Einzige Lösung bei der deshalb drohenden Zahlungsunfähigkeit: der Gang aufs Insolvenzgericht.
Schuld daran tragen für Tajsich nicht die eigenen hochtrabenden Pläne, eine Triathlon-Veranstaltung locker zu stemmen, an der schon andere gescheitert waren. Nein, schuld daran sind die anderen – so Tajsich gewohnt selbstgerecht: „Ob ich das beweisen kann, weiß ich nicht, aber meiner Meinung nach hat uns die Challenge Family vorsätzlich in die Insolvenz getrieben.“

Auch privat droht die große Pleite
Am 21. Dezember 2017 stellte er den entsprechenden Antrag „Um mich keiner Insolvenzverschleppung schuldig zu machen. Die meisten, die schon mal einen Traum beerdigt haben, wissen, wie sich das anfühlt. Weihnachten 2017 und der Jahreswechsel werden mir in Erinnerung bleiben“, jammert er nun. Viele Regensburger dürften jedoch bei dem Gedanken aufatmen, dass es eine Challenge in der Stadt nicht mehr geben wird.
Das Aus der Veranstaltung bedeutet nicht nur unternehmerisch einen harten Schlag für Sonja und Tom Tajsich. Sie haben laut Ehemann über 100.000 Euro aus ihrem Privatvermögen in die Veranstaltung investiert, das Geld ist weg: Thomas Tajsich: „Es ist durchaus nicht nur die Firma in Insolvenz, wir sprechen auch von der Möglichkeit einer Privatinsolvenz.“

Sonja Tajsich kann einem leid tun
Die Träumereien von der Challenge – sie enden tragisch. Besonders für eine: Denn Sonja Tajsich ist eigentlich die, die tatsächlich nur für ihren Sport lebt – und im Grunde genommen auch nur ihren Sport betreiben will. Eine Sympathieträgerin, mit der die Regensburger Sportgemeinde bei den Wettkämpfen mitgefiebert hat. Eine Frau, die sich nach jahrzehntelangem, hartem Training den Weg in die Weltspitze erkämpft hatte und für die sich die extreme Schinderei auch ausgezahlt haben dürfte. All das, was sie sich dabei mühevoll erarbeitet hat, dürfte nun weg sein. Weil sie sich offenbar mit ins Boot nehmen ließ von einem, der auszog, um sein Glück in grenzenloser Selbstüberschätzung zu finden. Und dabei zur tragischen Figur wurde. (hk/ssm)

 


 

Die „Nachgefragt“-Reihe

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