Nachgefragt: Neuer Ausschreibungsskandal um Mauschelein im Stadion?

Nachgefragt: Neuer Ausschreibungsskandal um Mauschelein im Stadion?

Beim Vergabeverfahren für das Catering in der Continental-Arena scheint es nicht ganz sauber zugegangen zu sein. Jahn-Boss Rothhammer angeblich als großer Wortführer. Werden Teile der Prozedur wiederholt?

Wieder Wirbel um eine städtische Ausschreibung: Nachdem ja die Vergabe des Nibelungenareals an Bauträger Volker Tretzel im Rahmen der Regensburger Korruptionsaffäre (alle Hintergründe hierzu finden Sie online) im Herbst Gegenstand des  Prozesses gegen den vom Amt suspendierten OB Joachim Wolbergs sein wird, könnten jetzt in entscheidenden Momenten der Entscheidungsfindung für die Zuteilung des Catering-Auftrages in der Continental-Arena Unregelmäßigkeiten aufgetaucht sein.

Eigentlich sollte der Bau- und Vergabeausschuss im Mai darüber entscheiden, wer künftig Fans, VIPs und Tagungsgäste im Fußballstadion in Oberisling bewirtet. Doch dazu kam es nicht, die Stadt zog die Notbremse. „Eine begleitende juristische Prüfung hat vorläufig ergeben, dass der letzte Teil des Vergabeverfahrens möglicherweise wiederholt werden muss“, teilen die Sprecher der Stadt, Dagmar Obermeier-Kundel und der RBB (die Stadttochter betreibt das Stadion), Martin Gottschalk, in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Jahn will bisherigen Caterer loswerden

Was war passiert? Die Stadt hatte die Vergabe des Caterings neu ausgeschrieben. Vor der Eröffnung des Stadions 2015 hatte der „Party-Engel“ den Zuschlag erhalten, nach anfänglichen Schwierigkeiten, die überwiegend auf technische Anlaufschwierigkeiten der nagelneuen Arena zurückzuführen waren, zeigten sich in der Vergangenheit sowohl einfache Fußballfans als auch die Business-Besucher in den feinen Logen und im VIP-Bereich überaus zufrieden mit dem Angebot des lokalen Anbieters. Auch Tagungsgäste in der Arena äußerten sich lobend.

Nur Jahn-Präsident Hans Rothammer wetterte gegen den „Party-Engel“, doch dazu später mehr. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Vereinsführung den Caterer gerne los haben will. RBB-Chef Manfred Koller sagte, es sei „trotz vielfacher Bemühungen und teilweiser Mediation nicht gelungen, ein tragfähiges, partnerschaftliches Miteinander zu erreichen.“ Jedenfalls wurde der Vertrag mit dem Party-Engel nicht verlängert, das Gerücht, der Jahn hätte sich längst einen anderen Anbieter als Stadion-Versorger ausgeguckt, machte die Runde.

Ein Bewerber verstößt klar gegen die Regeln

Für die neuerliche Vergabe in der kommenden Saison bewarben sich sechs Anbieter, drei davon kamen in die letzte Runde – die Blindverkostung. Darunter auch und ganz offenbar zum großen Missfallen der Vereinsspitze: der „Party-Engel“, gegen den der Jahn zwar bereits im Vorfeld massiv Stimmung gemacht hatte, dessen Qualifikationen dann aber ganz offensichtlich doch viel besser waren, als vom Jahn erhofft. Eine Ohrfeige für die SSV-Granden.

Bei dieser Blindverkostung haben acht Juroren drei gleiche Vorspeisen, drei gleiche Hauptspeisen und drei gleiche Nachspeisen getestet, jeweils zubereitet von den drei Bewerbern. Dabei soll es allerdings zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein: Ein Anbieter soll laut „Mittelbayerischer Zeitung“ gegen die Regularien verstoßen haben, indem er die Zusammensetzungen leicht änderte – etwa beim Mousse zusätzlich zur dunklen Schokolade auch helle untermischte und im Gegensatz zu allen anderen Bewerbern seinen Kaspressknödel getrennt von der Rinderbrühe servierte. So habe er seine Gerichte kenntlich gemacht – ein Versuch, zu zeigen, wer er ist, damit er unabhängig von etwaigen Bewertungen der Gerichte bei bestimmten Juroren Pluspunkte sammeln konnte?

Jahn-Präsident überhaupt nicht stimmberechtigt

Zudem erreichen die Stadtzeitung aus unterschiedlichen Quellen übereinstimmende Informationen, nach denen Jahn-Präsident Hans Rothammer bei der Verkostung vehement und lautstark Stimmung gegen den „Party-Engel“ gemacht und gegen den Anbieter gewettert haben soll. Die Stadtzeitung fragt nach: Was war da los, Herr Rothammer?

Der Steuerberater druckst anfangs ein wenig herum: „Das ist ein öffentlich-rechtliches Ausschreibungsverfahren, zu dem ich nichts sagen will, ich will mich ja nicht in hoheitliche Belange der Stadt einmischen, auch wenn das Thema den Jahn betrifft und er ein Mitspracherecht hat.“ Bei letzter Aussage überschätzt der Jahn-Boss ganz offensichtlich seine Kompetenz gehörig, denn Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel betont auf Stadtzeitungsnachfrage ausdrücklich, dass der Jahn weder ein Veto-Recht bei der Vergabe hat noch sein Präsident irgendein Stimmrecht beim Testessen besaß.

Rothammer: „Habe sehr kritische Fragen gestellt“

Und dann sagt er aber doch noch etwas. Nämlich, dass das Thema Catering in der Continental-Arena „vermintes Terrain“ sei. Und er gibt zu, „dass ich bei der Verkostung während der Präsentation des ‚Party-Engels‘ sehr kritische Fragen gestellt habe, warum die Dinge in der Vergangenheit nicht so waren, wie in der Präsentation dargestellt.“ Mit anderen Worten: Der Jahn gehört weiterhin definitiv nicht zu den Unterstützern der Party-Engel-Bewerbung.

Und was ist mit der möglichen Mauschelei, was damit, dass der der Jahn seinen Favoriten auserkoren habe und den auch durchsetzen will? Dazu will sich Rothammer dann doch nicht äußern. „Wie gesagt, das ist ein schwebendes Verfahren, das ich nicht kommentieren will.“ Obermeier-Kundel glaubt jedenfalls trotz der Jahn-Ablehnung des ‚Party-Engels‘ an einen fairen Ablauf: „Das Verfahren wird strikt nach den geltenden Vergaberichtlinien durchgeführt.“

Stadt will unangreifbare Vergabe

Wenigstens war die Verwaltung diesmal nicht so blauäugig wie bei der Nibelungenkaserne  und ordnete eine juristische Überprüfung des Testessens an. Die läuft laut den Sprechern noch, erst nach ihrem „Abschluss kann entschieden werden, wie weiter zu verfahren ist.“ Die Tendenz geht nach Stadtzeitungsinformationen aber dazu, dass die Testesser noch einmal ran müssen. Unklar ist dabei allerdings noch, ob der Bewerber, der möglicherweise geschummelt hat, bei einer zweiten Präsentation ebenfalls wieder antreten darf. Eines stehe aber fest:

„Die Stadt als Eigentümerin und die Regensburger Badebetriebe GmbH als Betreiberin betonen, dass es für alle Beteiligten wichtig ist, dass die Vergabe rechtlich einwandfrei und unangreifbar erfolgt“, schreiben Obermeier-Kundel und Gottschalk. Das könnte ihnen auch ohne weiteres geglaubt werden. Wegen Absprachen bei der Vergabe von städtischen Aufträgen gibt es in Regensburg wahrlich schon sehr massive Probleme. Und auch die Jahn-Intervention bereits im Vorfeld und insbesondere während der laufenden Ausschreibung kann durchaus ein juristisches Nachspiel haben: Nach einhelliger Meinung einiger von der Stadtzeitung befragten Experten könnte hier ein krasser Verstoß gegen den für öffentliche Ausschreibungen zwingend geltenden Neutralitäts- bzw. Antidiskriminierungsgrundsatz vorliegen, mit dem ein missliebiger Bieter unsauber aus dem Feld gekegelt werden sollte. Eine Schmutzelei, die sich, der so vielleicht um die Früchte seiner Arbeit gebrachte, „Party Engel“ möglicherweise nicht gefallen lassen wird. Wir werden über den Fortgang weiter berichten.  (ct/ssm)

Die „Nachgefragt“-Reihe

Februar '19: Gewogen und für zu leicht befunden? (Korruptionsaffäre)

Dezember/Januar '18/'19: Personalie Becker (Korruptionsaffäre), Der Artikel, der bundesweit Wellen schlägt: Was ist los bei der Staatsanwaltschaft? (Korruptionsaffäre)

November '18: Stadtzeitungsleser stoppen RKK-Monster (RKK)

Oktober '18: Ein Ordnungsamt komplett daneben

August/September '18: Ungers neueste Spitzenidee, Die Stadtzeitungs-Baumpaten: Sie wollen unsere Allee retten! (RKK)

Juli '18: Rettet dieses Grün! (RKK), Neuer Ausschreibungsskandal um Mauschelein im Stadion? (Korruptionsaffäre)

Juni '18: 600.000 Euro unterschlagen?

Mai '18: „Ein Anschlag auf das Stadtbild“ (RKK)

April '18: Und das wollt ihr alles zerstören! (RKK), Joachim Wolbergs – eine Tragödie (Korruptionsaffäre)

März '18: Wolbergs-Affäre – Walter tritt aus SPD aus (Korruptionsaffäre), Stadthalle: Der Widerstand wächst (RKK)

Februar '18: Onkel Toms Märchenstunde (Korruptionsaffäre)

Februar '18: Die Fake-News des Regensburger Linksaußen-Bloggers Stefan Aigner

Februar '18: Challenge: Das tragische Ende der hochtrabenden Träumereien

Oktober '17: Endlich: Hartl ist raus! (Korruptionsaffäre)

August '17: Anklage da! (Korruptionsaffäre)

Juli '17: Wolbergs: Jetzt gehts los! (Korruptionsaffäre)

Juni '17: Der peinliche Sozi kapiert es nicht (Korruptionsaffäre)

Mai '17: Extra-Wurst für den OB a.D. (Korruptionsaffäre), Hartl, verschwinde! (Korruptionsaffäre)

April '17: Ein Mann und seine eigene Welt (Korruptionsaffäre)

März '17: Wie lange noch? (Korruptionsaffäre)

Februar '17: Spendenskandal (Korruptionsaffäre)

Magazin weitere Artikel

Nachgefragt: Gewogen und für zu leicht befunden?

Nachgefragt: Gewogen und für zu leicht befunden?

Im Korruptionsprozess gegen Oberbürgermeister Joachim Wolbergs tritt die Staatsanwaltschaft nun stets zu dritt auf. Den beiden ursprünglichen Sitzungsvertreterinnen drohten die Felle davonzuschwimmen.

>> weiterlesen

Die jungen Wilden... Evelyn Weigert

Die jungen Wilden... Evelyn Weigert

Evelyn Weigert ist dem einen oder anderen vermutlich schon als TV Moderatorin („Himmel oder Hölle“) und sympathisch-extrovertiertes Entertainmentpaket („Promi Shopping Queen“, „Grill den Henssler“) bekannt. Die gebürtige Regensburgerin besitzt allerdings noch einige Talente und Betätigungsfelder mehr: Jetzt veröffentlicht sie ihren ersten Song.

>> weiterlesen

Der „Regensburg Marathon“

Der „Regensburg Marathon“

Die größte ostbayerische Laufveranstaltung hat Tradition und in jedem Laufkalender ist dieses sportliche Highlight ein Pflichttermin! Höhepunkt wird am Sonntag, dem 02.06. neben dem grandiosen Massenstart um 8.30 Uhr das Überlaufen der Steinernen Brücke sein. Das Anmeldeportal ist noch bis zum 26.05. geöffnet (Nachmeldungen sind möglich).

>> weiterlesen

Der Artikel, der bundesweit Wellen schlägt: Nachgefragt – Was ist los bei der Staatsanwaltschaft?

Der Artikel, der bundesweit Wellen schlägt: Nachgefragt – Was ist los bei der Staatsanwaltschaft?

Wegen des Artikels über den Ermittlungspfusch gegen den vom Dienst suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gehen bei der Regensburger Stadtzeitung Presseanfragen aus dem ganzen Bundesgebiet ein. Fehlerhafte Vernehmungsprotokolle, rüder Ton bei den Vernehmungen – was war denn bei der Staatsanwaltschaft los?

>> weiterlesen

Nachgefragt: Personalie Becker

Nachgefragt: Personalie Becker

Korruptionsaffäre: Der Stadtbau-Chef wird zum Bauernopfer einer völlig verfehlten Baupolitik der bunten Rathauskoalition.

>> weiterlesen

Der Regensburger Kneipenführer

Der Regensburger Kneipenführer

Das JUNIOR-Unternehmen vivRE präsentiert ein Freizeit-Guide für Regensburg. Im DIN A6 Taschenformat wurden von den Mitgliedern des P-Seminars der Q12 des Von-Müller-Gymnasiums die attraktivsten Kneipen, Clubs, Bars, Imbisse, Badeplätze, Chillspots und sonstige Freizeitlocations recherchiert, verglichen, beschrieben und zusammengestellt.

>> weiterlesen

Fuma 28 PopUp Store im Obermünsterviertel

Fuma 28 PopUp Store im Obermünsterviertel

Das Regensburger Newcomer Label Fuma 28 bezieht ab dem 30.11. bis zum 29.12. einen kleinen PopUp Store in Obermünsterviertel .
Von der Gang – für die Gang!

>> weiterlesen

Live-Ermittlung im Audimax

Live-Ermittlung im Audimax

Profiler Suzanne Grieger-Langer stellt ihr neues Buch vor: „Cool im Kreuzfeuer – Schlammschlachten, Cybermobbing und Rufmordkampagnen souverän überstehen“. Doch dies ist keine Lesung – dies ist eine Live-Ermittlung! Gänsehaut ist garantiert, wenn sie in eigener Sache ermittelt und die Zuschauer in die Welt des Profiling entführt. Faszinierend und erschreckend zugleich, was sie mit wenigen Klicks aufdeckt.

>> weiterlesen

Halbjahreszeugnis: Gute Noten belohnen, schlechte bestrafen?

Halbjahreszeugnis: Gute Noten belohnen, schlechte bestrafen?

In diesen Tagen verteilen die Schulen Halbjahreszeugnisse. Während sich viele Familien darüber freuen, sorgen die Zeugnisnoten oft auch für Enttäuschung. Der Studienkreis in Regensburg und Regensburg-Mitte gibt Tipps zum Umgang mit dem Zeugnis und lädt Eltern und Schüler vom 18. bis 22. Februar zu einer Woche der offenen Tür ein.

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung