Nachgefragt | Der Hundestrand am Pielmühler Wehr: Vermüllung als Verwaltungsprinzip?

Nachgefragt | Der Hundestrand am Pielmühler Wehr: Vermüllung als Verwaltungsprinzip?

Bildunterschrift: Müll, Dreck und Scherben: kein Dorn im Auge der Ämter?

 

Der sogenannte Hundestrand am Pielmühler Wehr. Beliebter Treffpunkt für Hundebesitzer, Badegäste, Grillfans, Partyvolk – und bisweilen temporäre Müllhalde. Vor allem im Sommer. Denn: Es gibt keinerlei Mülleimer. Der Dreck bleibt liegen. Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg und die Gemeinde Zeitlarn schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Die RSZ hat berichtet (zum Artikel). Danach wurde es ein wenig besser.

Die Zugeständnisse

Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg, der eigentliche Unterhalter von Wehr und umgebendem Gelände, entfernt einmal in der Woche grobe Verschmutzung bei der Kontrolle der Fischwanderhilfe am Wehr. Die Gemeinde Zeitlarn, auf deren Grund der Hundestrand zu einem wesentlichen Teil liegt, entfernt sporadisch anfallenden Müll. Regelmäßige Betreuung? Fehlanzeige! Und von simplen Mülleimern fehlt immer noch jede Spur. Warum wird dieses ausgewiesene Wasserschutzgebiet und wichtige Biotop nicht besser betreut? Wir haben nachgefragt.

Die Argumente

11 Nach Stadtzeitungsbericht: Pielmühler Wehr einmal fast ohne Müll. Wie lange bleibt das so?

Andrea Dobsch, Bürgermeisterin von Zeitlarn, will die Besucher abschrecken. Denn erst im Juni kam ein Vater in der Wasserwalze unter dem Wehr ums Leben, als er seinen in den Fluss gefallenen Sohn retten wollte. Sie schreibt: „Es macht also keinen Sinn, an dieser Fläche ‚einfach pragmatisch ein paar Mülleimer aufzustellen …‘ und zur Nutzung dieser lebensgefährlichen Anlage einzuladen.“ Sie führt aus: „Die Gefahrenlage ist unter den Ortsansässigen auch bekannt, die Stelle wird daher von den Zeitlarnern nicht zum Baden genutzt. Vielmehr rate ich allen Sonnenanbetern und Badewilligen ausdrücklich, [...] eine geeignete Freizeitfläche zu wählen, die glücklicherweise in und um Zeitlarn ausreichend vorhanden sind.“ Die Argumentation überzeugt die Stadtzeitung nicht. Die Menschen haben genau diesen Ort als Freizeitfläche gewählt: Hier fällt der Müll an. Und wenn man auf die exakt gegenüberliegende Seite des Regen blickt, liegt da das Flussbad Pielmühle, eine ausgewiesene, gepflegte und beliebte Freizeitfläche. Dort ist das Risiko, das von besagtem Wehr ausgeht, absolut identisch zum Hundestrand. Warum sträubt man sich also auf Zeitlarner Seite gegen ein oder zwei profane Mülltonnen? Solange man kein Betretungsverbot ausspricht, muss man sich kümmern! Meint die Stadtzeitung. Zeitlarns Bürgermeisterin weicht aus: „Über ein Betretungsverbot oder die Installation von Mülleimern an der Anlage des Wasserwirtschaftsamtes müsste dieses als zuständige Behörde entscheiden.“

Das Wasserwirtschaftsamt, das eigentlich zuständig wäre, geht in Deckung. Man hat keine Kapazitäten für eine regelmäßige Müllentsorgung, so schreibt man uns auf Nachfrage. Außerdem: „Wir möchten aber auch anmerken, dass wir es nicht zu unseren Aufgaben zählen bzw. es dabei nicht für förderlich halten, an einem vgl. stark tangierten Ort mitten in der Natur für eine geregelte Müllabfuhr zu sorgen. Auch in Übereinstimmung mit anderen Stellen soll hierdurch kein Anreiz gegeben werden, dass an dieser Stelle einfach und leicht Müll entsorgt werden kann.“ Die Stadtzeitung kann dieser etwas steilen Argumentation nicht folgen: Viele Menschen kommen auch ohne zusätzlichen Anreiz an den Hundestrand. Und einige hinterlassen dabei Müll. Zumal sie auch keine Behältnisse vorfinden, wohin sie ihn umweltverträglich entsorgen könnten. Es ist einfach so, wie es ist! Lebenswirklichkeit schafft Fakten! Also muss eine Lösung her. Wir haken noch einmal nach. Aber das Wasserwirtschaftsamt blockt ab. „In erster Linie sind die Müllerzeuger für die Beseitigung verantwortlich. Das bedeutet: Wer Müll erzeugt, muss ihn wieder aufnehmen.“ Problem ignoriert, nicht gelöst.

Das sagen die Nutzer:

Roland Vanek, 72 Jahre, Rentner, Zeitlarn.

Roland Vanek, ein Zeitlarner Hundebesitzer, den wir beim Hundestrand antreffen, sagt hierzu: „Da schiebt einer dem andernen den schwarzen Peter zu. Ich gehe fast jeden Tag hierher. Es ist eine schöne Gegend und für Hunde ideal. Und Baden kann man hier im Sommer auch. Es ist auch schön, wenn der Graureiher hier steht. Das sieht man nicht überall.“

Ushi Schaschek, 62 Jahre, Pflegefachkraft, Zeitlarn.

Ushi Schaschek, ebenfalls aus Zeitlarn, beschwert sich vor allem über die Scherben am Hundestrand: „Beschissen finde ich das! Ich hab die Scherben mal eine Zeit lang aufgesammelt. Aber wo tust du sie denn hin? Es sind ja keine Mülleimer da! Das ist für die Kinder gefährlich. Und auch die Hunde haben sich da schon die Pfoten aufgeschnitten. Jeder sollte seinen Dreck wieder mitnehmen.“

Norbert Stern, 53 Jahre, LKW-Fahrer, Regensburg.

Norbert Stern kommt extra aus Regensburg hierher. „Ich habe zwar andere Möglichkeiten, aber wenn ich woanders hingehe, ist der Hund alleine. Regensburg hat keine gescheiten Freilaufmöglichkeiten für den Hund. Aber der viele Müll stört. Abfalleimer wären gut. Dann lägen hier keine Beutel mehr aufeinander. Gestern oder vorgestern hat da eine Mülltüte gehangen. Irgend so ein Hundebesitzer hängt den wohl hin und nimmt den wieder mit.“

Norbert Jörss, 78 Jahre, Rentner, Neutraubling.

Norbert Jörss, Rentner aus Neutraubling, ist die Scherben leid: „Das ist beschissen! Aber das sind nicht die Hundehalter, das sind die Badegäste. Da hinten hängt manchmal eine Mülltüte, die wird privat entsorgt. Für die Hunde ist das hier ein Paradies. Weil sich hier auch wenig Hasen und Rehe aufhalten. Auf der einen Seite der Fluss, zur Straße hin die Mauer. Hier hat der Hund soziale Kontakte. Ich kenn keinen schöneren Platz. Aber Mülltonnen wären schon sehr gut. Und am Wehr könnte man vielleicht einen Zaun bauen, damit niemand reinfällt und damit keine kleinen Kinder reinklettern.“

Petra Pfeffer, 46 Jahre, Verkäuferin, Kallmünz.

Petra Pfeffer kommt aus Kallmünz mit ihrem Hund ans Pielmühler Wehr. „Die McDonalds-Tüten sind lästig. Hunde fressen den ganzen Unrat. Wenn da drüben aufgeräumt wird (beim Flussbad, Anmerkung der Redaktion) sollte hier auch aufgeräumt werden. Wennschon, dennschon. Ich hab viele Jahre in München gewohnt und war gerne an der Isar spazieren. Da wurden viele quadratische Müllcontainer aufgestellt und das hat meiner Meinung nach schon gewirkt.“

Und jetzt?

Es könnte so einfach sein! Stattdessen schachern die Ämter das Problem hin und her und versuchen, die Besucher mit Müll abzuschrecken, statt diesen zu beseitigen. Das ist gerade so, als würde die Feuerwehr in einem Heustadel sagen: „Wir stellen hier keine Feuerlöscher auf, denn hier darf’s nicht brennen!“ Mal schauen, ob und wann sich in den Zeitlarner Amtsstuben Realitätssinn und Bürgernähe durchsetzen. Wir werden berichten. (lnw)

 


Privatleute bemühen sich dort, wo die Gemeinde Zeitlarn versagt: Eigenständig aufgehängte Abfallsäcke sollen die Vermüllung am Hundestrand etwas bändigen.

Zwischenlandung im Biotop Pielmühler Wehr: ein Graureiher.

Paradox: Während der sog. Hundestrand (Vordergrund) auf Zeitlarner Seite im Sommer regelmäßig total vermüllt, zeigt sich das Flussbad Pielmühle auf der exakt gegenüberliegenden Seite des Regen als gepflegte Freizeitfläche – selbstverständlich mit Mülleimern.


Die „Nachgefragt“-Reihe

  • gepostet am: Dienstag, 02. November 2021

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