Nachgefragt | Faules Kuckucksei im Regensburger Almanach: Peinliche Lobeshymne auf „Blogwart“ Aigner rückt Jahrbuch ins Zwielicht

Nachgefragt | Faules Kuckucksei im Regensburger Almanach: Peinliche Lobeshymne auf „Blogwart“ Aigner rückt Jahrbuch ins Zwielicht

Bildunterschrift: Nach devoter Jubelorgie auf umstrittenen Blogger: Regensburger Almanach in Erklärungsnot.

 

Sponsoren gehen auf Distanz / Verlag bedauert Fehler

Seit 1968 erscheint mit dem Regensburger Almanach eine Plattform für Regensburgs Autorenriege. Die im Laufe der Jahre etwas aus der Zeit gefallene Publikation findet regelmäßig ihr Publikum im überwiegend bürgerlichen Bildungslager und ist dort durchaus begehrtes Sammelobjekt. Die im Oktober 2020 erschienene Ausgabe widmet sich ganz dem Jahresthema Corona – „Das Jahr, das anders war“. Das zunächst geplante Leitthema „Regensburg – Stadt des Wissens“ wurde offenbar angesichts der Lage kurzfristig fallengelassen. Die diesjährige Ausgabe beleuchtet die Pandemie von allen Seiten: wie die Beiträge von Dr. Christan Eckl „Glauben in der Pandemie“, Ann-Kathrin Müller „Corona und Kunst“ oder Heiner Gietl mit „Keine Fans im Stadion-Keine Stimmung“.

Ein Artikel aber stieß dabei Lesern und Sponsoren gleichermaßen unangenehm auf: Der Beitrag einer „Barbara Tannmeier“, betitelt mit „Auf (Hand-)Tuchfühlung mit Stefan Aigner. Dem Regensburger Journalisten auf der Spur“. Der ziemlich schwülstig geschriebene Artikel irritiert durch seine geradezu distanzlose, unterwürfige Bewunderung des linken Bloggers Stefan Aigner, der auf seinem Portal „Regensburg digital“ oftmals regelrechte Hetze auf politisch Andersdenkende betreibt und einem sehr überschaubaren Kreis von anonymen Diffamierern ein regelmäßiges Forum bietet. Was ihm den abfälligen Spitznamen „SAigner“ und „Blogwart“ einbrachte. Wie aber kommt ein qualitativ so nachrangiger Beitrag in ein an sich gut angesehenes und seriöses Medium wie den Almanach? Die Erklärung liefert Dr. Christian Eckl von der Mittelbayerischen Zeitung in seinem lesenswerten Hintergrundbericht („Lobeshymne für Regensburgs Moralapostel“, Mittelbayerische Zeitung, 14.04.2021). Nach Dr. Eckls Recherchen veröffentlichte die Autorin offenbar nicht unter ihrem Klarnamen, sondern dem Pseudonym „Barbara Tannmeier“. Dahinter verberge sich, so räumt Almanach-Herausgeber Dr. Peter Morsbach zerknirscht ein, die Lebensgefährtin Aigners. Zweimal habe sie ihren Artikel dem Herausgeber angedient. Zunächst erfolglos, dann klappte es in den Wirren um den coronabedingten Wechsel des redaktionellen Leitthemas. Salopp übersetzt: Dem Almanach wurde ein faules Ei ins Nest gelegt.

 


In diesem Zusammenhang auch lesenswert:
„Die Fake-News des Regensburger Linksaußen-Bloggers Stefan Aigner“, RSZ 02/2018
„Stefan Aigners jüngste Pleite“, RSZ 10/2017


Geldgeber gehen auf Distanz

Viele Regensburger Unternehmen sind mit Beiträgen und Anzeigen im Almanach vertreten. Der Pressesprecher der REWAG, Martin Gottschalk, zeigt sich entsetzt: „Sollte die […] Verbindung zwischen Autorin und im Artikel beschriebenen Protagonisten zutreffend sein, so steht die Glaubwürdigkeit des Artikels selbstverständlich in Frage. Eine komplett objektive Beschreibung wäre auf der Grundlage einer partnerschaftlichen Beziehung wohl nur schwer darstellbar.“ Unter dem fragwürdigen Beitrag über Aigner, so der Pressesprecher, leide die Glaubwürdigkeit der gesamten Publikation.

11 Stefan Aigner.

Der Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Wolfgang Baier, betont, dass das Inserat seiner Institution unter anderen Voraussetzungen aufgegeben worden sei: „Ursprünglich sollte das Jahresmotto ‚Regensburg – Stadt des Wissens‘ lauten“. Außerdem macht er deutlich: „Hetze verurteile ich aufs Schärfste“.

Thomas Zink, Geschäftsführer des Donau-Einkaufszentrum stärkt dem von den Ereignissen sichtlich mitgenommenen Herausgeber Prof. Dr. Morsbach den Rücken: „Wir haben Herrn Prof. Dr. Peter Morsbach als verantwortungsvollen Herausgeber der Reihe ‚Regensburger Almanach‘ […] kennengelernt.“

Doris Beil, Inhaberin von Mode Scarlett, wird deutlich: „Blogger mit anonymen Beiträgen oder Hetze im Netz verachte ich.“ Sie gibt allerdings der Regensburger Chronik und ihrem Herausgeber noch eine zweite Chance. Auch, wenn ihr vorher die Beiträge des Buches unbekannt waren, bekräftigt sie: „Mein Engagement werde ich aufrechterhalten“.

Dies sieht Renate Pollinger, Geschäftsführerin von TVA, sehr ähnlich: „Die Inhalte der Publikation waren uns im Vorfeld nicht bekannt.“ Auch sie bekräftigt: „Das Thema Hasskommentare und Hetze im Netz nehmen wir sehr ernst und verstehen daher auch, dass dies ein sehr sensibles Feld ist.“ Die Frage, ob eine weitere Zusammenarbeit von TVA mit dem Almanach denkbar ist, beantwortet sie zurückhaltend: „Eine Entscheidung bezüglich einer künftigen Unterstützung der genannten Publikation ist noch nicht gefallen.“

Dr. Maria Baumann von der Kunstsammlung des Bistums Regensburg steht dagegen dem Portrait Aigners weniger kritisch gegenüber. Ein Portrait „lässt die Person als Momentaufnahme in der persönlichen Gestaltung des Autors lebendig werden, ist also per se durchaus subjektiv.“ Des Weiteren führt sie aus: „Herr Aigner polarisiert ohne Zweifel. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Leser des Almanachs sich ihre eigene Meinung […] bilden können.“ Aber soll der Almanach wirklich Raum für persönliche Huldigungen bieten?

Clemens Neck, Leiter der Presse- und Medienabteilung des Bistum Regensburgs findet hingegen klare Worte: „[Es] gilt natürlich, dass sich ein Medium nicht gerade als empfehlenswert ausweist, das seinen Lesern anonymisiert maskierten Gefälligkeitsjournalismus andreht.“

3„Barbara Tannmeier“ entpuppt sich als Fake.

Verlag gibt sich zerknirscht und äußert Bedauern

Josef Roidl, Verlagsleiter und Geschäftsführer des Battenberg Gietl Verlags, in dem der Almanach erscheint, äußert sich gegenüber der Stadtzeitung ausführlich: „Der Verlag hat erst nach Drucklegung erfahren, dass es sich bei ‚Barbara Tannmeier‘ um ein Pseudonym handelt.“ Die Recherche der Mittelbayerischen Zeitung führt weiter aus, dass Almanach-Herausgeber Prof. Dr. Peter Morsbach schon von Anfang an über die persönliche Verbindung der Autorin zum Portraitierten gewusst habe, was ihn schon damals verwunderte. Auch hierzu gibt es von Seiten des Verlages eine klare Stellungnahme: „Der Verlag respektiert die redaktionelle Unabhängigkeit des Herausgebers und nimmt keinen Einfluss auf die Auswahl und Zusammenstellung der Beiträge.“ Allerdings, so Roidl weiter: „Der Verlag hat Herrn Prof. Dr. Morsbach mitgeteilt, dass die Verwendung von Pseudonymen und damit auch der Bericht nicht im Sinne unseres Hauses ist. Herr Prof. Dr. Morsbach fungiert seit sechs Jahren als Herausgeber des Almanachs und hat mehr als 170 Beiträge betreut und redigiert ohne dass Verlag und Leser Anlass zur Kritik hatten. Herr Prof. Dr. Morsbach hat deswegen auch in Zukunft das Vertrauen des Verlags. Verlag und Herausgeber sind sich einig, dass hier ein Fehler passiert ist, der sich nicht wiederholen wird. Gleichzeitig haben wir aber die Sorge, dass auf dem Rücken des Almanachs eine Feindschaft zwischen Regensburger Pressevertretern ausgetragen wird und damit diese Sache unnötig thematisiert wird. Ja, es ist ein Fehler passiert, was wir auch bedauern, aber der Almanach wird trotzdem weiter an seinem Anspruch arbeiten, die Chronik der Stadt Regensburg zu sein, was er mittlerweile seit mehr als 50 Jahren beweist.“

Bleibt zu hoffen, dass diesen Worten Taten folgen. Denn um einen der letzten „Dinosaurier“ unter den Regensburg-Chroniken wäre es schade. (lnw)

 


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