Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Anmut kontra Kettensäge: Baumpatin Rebecca Daniel schützt „ihren“ Baum vor dem RKK-Monster.

 

Die Stadtzeitung trug auch immer eines in ihrem Herzen: die Liebe zu Regensburg. Die Schönheit dieser einzigartigen Stadt gilt es zu bewahren. Deshalb scheute sie auch nicht die Auseinandersetzung mit der Stadtspitze, griff sie an, als sie den Donaumarkt mit dem Museumsklotz noch hässlicher machte als er als Parkplatz war oder als sie die Steinerne Brücke verschandelte. Richtig ernst wurde es aber, als die Stadt die Bürger übertölpeln und ihnen die Stadthalle als Regensburger Kultur- und Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz aufs Auge drücken wollte.

- Anzeige -
Rund 150 Bäume sollten für das Prestigeobjekt fallen, ausgerechnet die bunte Regenbogenmehrheit unter der SPD-Führung (mit den Grünen!) wollte die mehrfach gescheiterte Stadthalle an diesem Standort um jeden Preis durchsetzen.

Doch die Regensburger Stadtzeitung sah die Fürstenallee und die dazugehörigen Bäume als absolut schützenswert an. Dieser Eingriff in den Alleengürtel wäre ein absoluter Sündenfall. Und sie war mit ihrer Haltung nicht allein, das von der Rathaus-Mehrheit so locker in Kauf genommene Umholzen sorgte auch im bürgerlichen Lager für Aufschrei aus dem eher konservativen Lager: Prof. Egon Greipl (70), langjähriger Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und ehemaliger Kulturreferent der Stadt Regensburg, sprach von einem „Anschlag auf das Stadtbild“, Dr. Peter Morsbach, Chef der Altstadtfreunde und Hochschullehrer für Denkmalpflege und Denkmalkunde, vom „völligen Unsinn, weil die Stadt eine Halle dieser Kapazität so gut wie nie braucht. Ein absolutes Unding!“

Die Stadtzeitung beließ es natürlich nicht beim stillen Protest. Sie veröffentlichte einen Artikel, den das Bündnis gegen das RKK am Keplerareal auch auf seine Internetseite stellte und der mit über 200.000 Klicks der meistaufgerufene auf der Internetseite der Stadtzeitung werden sollte. Und sie suchte in ihrer Ausgabe vom Juli 2018 erstmals symbolisch Paten für die vom Abholzen bedrohten Bäume am Durchgang zwischen Ernst-Reuter-Platz und Albertstraße und zwischen den Bushaltestellen und dem Keplerbau entlang der Albertstraße. Regensburger und Regensburgerinnen, die Verantwortung für einen dieser rund 50 Bäume übernehmen und dafür sorgen wollen, dass er erhalten bleibt. Auch in der Augustausgabe 2018 gab es einen ähnlichen Aufruf.

Dutzende Leser meldeten sich. Sie standen mit ihren Namen für die Bäume ein. Stellten sich fest entschlossen um ihren Baum, um ihn und die anderen um ihn herum zu schützen, sich vor sie zu stellen und sie gegen die Stadthallen- und Busbahnhof-Pläne zu verteidigen. Der jeweilige Baum wurde mit einem Schild des Baumpaten versehen – die Schilder hängen noch heute.

Die Aktion der Stadtzeitung hatte aber auch einen ganz anderen Erfolg: Bei dem vom Bündnis gegen das RKK am Keplerareal initiierten und von der Stadtzeitung unterstützten Bürgerbescheid fiel die Stadthalle mit 62 Prozent durch. Auch dank der Baumpaten der Stadtzeitung.

- Anzeige -

Das ökologische Bewusstsein lebt die Stadtzeitung auch vor. In ihrem großen Garten rund um den Firmensitz an der Margaretenstraße wird schon seit Jahren alles getan, um die Artenvielfalt zu retten. Die RSZ zeigte ein ökologisches Gewissen, lange bevor das zum Mainstream wurde: Auf ihrer Wiese darf alles blühen, in den Hecken gibt es Totholzstapel. Wurden die Mitarbeiter früher schon mal gefragt, ob sich die RSZ keinen Gärtner leisten könne, ist spätestens seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ klar geworden, welcher Geist im Garten der Stadtzeitung herrscht. (ssm)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

Nachgefragt weitere Artikel

Nachgefragt | Der Dauergast

Nachgefragt | Der Dauergast

Joachim Wolbergs hat in der Stadtzeitung mehr Schlagzeilen gemacht als jeder andere. Zuletzt mit einem großen Kampf, der ihm viel Respekt einbrachte. Doch er scheint weiter in seiner eigenen Welt zu leben.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Nachgefragt | Die Baumpaten und das ökologische Bewusstsein der Stadtzeitung

Die Schönheit Regensburgs gilt es zu bewahren. Deshalb scheute die Regensburger Stadtzeitung nicht die Auseinandersetzung mit der Stadtspitze, griff sie an, als sie den Donaumarkt mit dem Museumsklotz noch hässlicher machte, als er als Parkplatz war, oder als sie die Steinerne Brücke verschandelte.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Der Abkassierer

Nachgefragt | Der Abkassierer

Ein Politiker, mit dem sich die Stadtzeitung öfter beschäftigte, ist der frühere SPD-Fraktionschef Norbert Hartl (heute 71). Hartl sitzt seit 1978 im Stadtparlament, bis zum Korruptionsprozess tat er das für die Genossen im Rathaus. er gilt nach außen als Stadtrat, den ein selbstloses Engagement im Sozialbereich antreibt. Doch so ganz selbstlos ist das alles gar nicht.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Unger, Unger immer wieder Unger!

Nachgefragt | Unger, Unger immer wieder Unger!

Ein Mann, der es auch immer wieder in die Schlagzeilen der Stadtzeitung schafft, ist Kulturreferent Klemens Unger. Denn er beweist immer wieder, dass er es nicht kann.

>> weiterlesen

Nachgefragt | 1984

Nachgefragt | 1984

Was in dem Jahr in Regensburg passierte, als die Stadtzeitung gegründet wurde.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Die Goldgräberstimmung

Nachgefragt | Die Goldgräberstimmung

Der Anfang war mit dem Erstling gemacht. Konsequent war die Mannschaft der Regensburger Stadtzeitung in ihrem Bestreben, anders zu sein als bestehende Studentenzeitungen. Frischer, frecher, freizügiger. Mit Boulevard-Geschichten, Klatsch, Frivolem und lässigem Feuilleton.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Schöne und nackte Mädchen

Nachgefragt | Schöne und nackte Mädchen

Jede Boulevardzeitung hatte ihr schönes Mädchen von Seite 1. Garniert mit mehr oder weniger sinnigen Sprüchen, war die Frau rechts oben auch in den Anfangsjahren der Stadtzeitung ein echter Hingucker. Ganz nackt war sie nie, eine blanke Brust blitzte des Öfteren vom Titelblatt. Mitunter waren die Damen aber auch komplett bekleidet, zeigten höchstens ein langes Bein.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Beamte, Busen, Paragraphen

Nachgefragt | Beamte, Busen, Paragraphen

Die Geburtsstunde der Regensburger Stadtzeitung. Mit der Sprache hat es der damals 24-jährige Peter Kittel schon immer gehabt. Flott schreiben, das konnte er. Deshalb war er auch aus dem ländlich geprägten Bayerwald zum Germanistikstudium an die Uni Regensburg gekommen.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Außen pfui, innen – naja

Nachgefragt | Außen pfui, innen – naja

Eine Annäherung ans Haus der Bayerischen Geschichte: Das neue Museum am Donaumarkt zeigt Schönes, Überraschendes und Witziges – aber auch manche Peinlichkeit

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung