Jubiläum | Der Kunde, der nie mehr kam

Jubiläum | Der Kunde, der nie mehr kam

Heute konferiert die Stadtzeitung in deutlich angenehmer gestalteten Räumlichkeiten. Früher rieselte schon mal die Farbe von Wänden und Decke.

 

Die Stadtzeitung logierte in ihrem ersten Jahrzehnt nicht gerade fürstlich. Besucher waren stets erstaunt, wenn sie den stark heruntergekommenen, noch mit Ölöfen beheizten Südturm des Jakobstores bestiegen. Irgendwann waren auch die Stadtzeitungsmacher der Schmucklosigkeit ihres täglichen Arbeitsplatzes leid und beschlossen eine Renovierung.

- Anzeige -
Kleines und nebensächliche Problem: Sie hatten kein Geld. Also musste eine Billiglösung her. Die ward schnell gefunden – in einem tschechischen Arbeitstrupp. Mit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ kam man auf obskuren Wegen an eine Zwei-Mann-Baukolonne aus Böhmen, die diese Tätigkeit vermutlich vorher noch niemals ausgeübt hatte. Jedenfalls verputzte, spachtelte und strich sie für wenig Lohn. Und das von ihr selbst mitgebrachte Material war obendrein deutlich günstiger als Baumaterial hierzulande.

Nach einigen Tagen fleißiger Arbeit schien das Werk gelungen. Ach, was war die Stadtzeitung stolz auf ihr neues, fast schon prunkvolles Domizil! Gerne lud sie jetzt Gäste zum Vertragsabschluss ein. Einer der ersten, die zu den Verhandlungen im neuen Turm erschienen, war der Werbechef der Brauerei Bischofshof. Ein smarter, leicht dandyhafter Bursche in feinem Zwirn.

Der stieg die steile Treppe ins Verkaufsbüro hinauf. Just, als er oben angekommen war, sorgte ein Luftstoß dafür, dass eines der schweren, alten Fenster direkt unter der alten Holzdecke, das wegen der besseren Durchlüftung gerne offenstand, mit voller Wucht in seinen Stock krachte und das alte Gemäuer nebst frisch bemalter Holzdecke in eine leichte Erschütterung versetzte.

Wie von Geisterhand begann sich plötzlich die weiße Farbe von der Holzdecke zu lösen. Zunächst etwas, dann immer mehr, und plötzlich „schneite“ es von der ca. fünf Meter hohen Turmdecke so dicke (Farb-)Flocken, dass sich Herausgeber Kittel daheim im Bayerischen Wald wähnte.

Später war, unter Hinzuziehung eines befreundeten Architekten, die Ursache schnell gefunden: Die Tschechen hatten die (obendrein imprägnierte) Holzdecke mit einer minderwertigen Wandfarbe gestrichen, die nur auf einen Vorwand gewartet hatte, sich möglichst schnell wieder vom für sie völlig unakzeptablen Untergrund zu lösen.

Das gesamte Bürointerieur nebst kummergewöhnten Stadtzeitungsleuten, vor allem aber der feine Zwirn des Herrn Werbeleiters und dessen bis dato dunkelgelockter Wuschelkopf waren binnen Sekunden von einer gräulich-weißen Patina überzogen. Ging das Entsetzen über das gerade Erlebte für einen Moment noch in kollektivem Gehuste unter, war die Flucht des mit dicken Etats gesegneten Werbemannes nicht mehr aufzuhalten.

Nahezu panisch eilte er unter deutlich hörbaren Missbilligungsbekundungen die steile Holzstiege turmabwärts, dem rettenden Ausgang entgegen. Es sollte bis zum Dienstantritt des neuen Werbeleiters dauern, ehe die Geschäftsbeziehung zur Brauerei wieder aufgenommen wurde …  (ssm)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

Magazin weitere Artikel

Mehr Klartext wagen! | Alte Mälzerei: Sicherheit vor Ideologie!

Mehr Klartext wagen! | Alte Mälzerei: Sicherheit vor Ideologie!

Die Debatte um die Kapazitätsbegrenzung in der Alten Mälzerei wegen Brandschutzauflagen wird im Regensburger Wahlkampf gerade aus der linken Ecke künstlich befeuert.

>> weiterlesen

Aus bayerischen Polizeiberichten | Regensburg: Eritreer geht mit größerem Ast auf Tankstellensicherheitsdienst los

Aus bayerischen Polizeiberichten | Regensburg: Eritreer geht mit größerem Ast auf Tankstellensicherheitsdienst los

Gegen 07:45 Uhr versuchte ein 30‑Jähriger, die AVIA‑Tankstelle in der Landshuter Straße mit einem größeren Ast zu betreten.

>> weiterlesen

Mehr Klartext wagen! | Heute Journal-Skandal erschüttert öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Mehr Klartext wagen! | Heute Journal-Skandal erschüttert öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die Moderatorin Dunja Hayali warnte noch vor manipulierten Videos in den sozialen Medien, doch kurz darauf zeigte ein Beitrag ein nicht als KI gekennzeichnetes, künstlich erzeugtes Video, das Ereignisse im Zusammenhang mit der US-Einwanderungsbehörde ICE illustrieren sollte.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Update: Dealermafia hat Maxstraße weiter fest im Griff

Nachgefragt | Update: Dealermafia hat Maxstraße weiter fest im Griff

Vor wenigen Wochen haben wir über am helllichten Tag in der Maximilianstraße Regensburg operierende Dealerbanden berichtet. Reagiert jetzt die Polizei?

>> weiterlesen

Meldung | MdB Peter Aumer (CSU) fordert schnellere Rückführungen nach Tunesien

Meldung | MdB Peter Aumer (CSU) fordert schnellere Rückführungen nach Tunesien

Das EU-Parlament hat mit deutlicher Mehrheit für die EU-Liste für sichere Herkunftsländer für Asylsuchende sowie Regelungen zur Einstufung sicherer Drittstaaten gestimmt. Teil dieser Liste ist auch Tunesien.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Kriminalität verlagert sich: Tagsäufer machen Schwarze-Bären-Straße unsicher

Nachgefragt | Kriminalität verlagert sich: Tagsäufer machen Schwarze-Bären-Straße unsicher

Nachdem sich das Augenmerk der Polizei weitgehend auf den Bahnhofsbereich richtet, scheint sich die Kriminalität wie ein Krebsgeschwür über die Maximilianstraße und das Diskothekenviertel immer weiter in die Innenstadt auszubreiten.

>> weiterlesen

Nachgefragt | Tatort Eisenbahn – Ein deutschlandweites Problem

Nachgefragt | Tatort Eisenbahn – Ein deutschlandweites Problem

Schon seit Jahren scheinen Vermüllung, Vandalismus und Aggressivität in Zügen an der Tagesordnung zu sein, aber getan wurde dagegen bisher nichts.

>> weiterlesen

Mehr Klartext wagen! | Nach massiver Kritik weiter Teile der Bevölkerung: Bayern stößt drastische Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) an

Mehr Klartext wagen! | Nach massiver Kritik weiter Teile der Bevölkerung: Bayern stößt drastische Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) an

Immer mehr Bürger kehren den öffentlich-rechtlichen Informationsformaten den Rücken. Aber es gibt noch Hoffnung.

>> weiterlesen

Mehr Klartext wagen! | Einladung von Merkel zum CDU-Parteitag: Ausdruck politischer Todessehnsucht?

Mehr Klartext wagen! | Einladung von Merkel zum CDU-Parteitag: Ausdruck politischer Todessehnsucht?

Irgendwie scheint die CDU von einer Art politischer Todessehnsucht befallen zu sein. Anders lässt sich deren Idee, Angela Merkel zu ihrem großen Parteitag einzuladen, nicht erklären.

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung