Nachgefragt | Corona-K.O. für Herbstdult – Was bringt der Sommer?

Nachgefragt | Corona-K.O. für Herbstdult – Was bringt der Sommer?

Bildunterschrift: Freisitze in der nördlichsten Stadt Italiens: Die Altstadtgastronomie soll im Sommer wieder erblühen.

 

Die Regensburger Herbstdult wurde abgesagt. Eine Pressemitteilung der Stadt machte das am 5. Mai offiziell. Erfolgte die Absage vorschnell?

Vom 27. August bis zum 12. September hätte die Herbstdult stattfinden sollen. Doch während die Stadt Regensburg bei der Maidult zu lange herumgedruckst hat (die RSZ berichtete: „Trostpreis dezentrale Dult“, RSZ 05/2021), hatte sie es mit der Absage der Herbstdult ziemlich eilig. Aber hätte man nicht die sinkenden Inzidenzen abwarten können? Die Impfungen werden vermutlich innerhalb der nächsten Monate deutliche Wirkung zeigen. Und warum nicht die Dult ein wenig nach hinten verschieben, um der Impfkampagne Zeit für den Erfolg zu lassen? Warum wurde kein schlüssiges Konzept für Geimpfte, Getestete, Genesene erarbeitet, wie es bundesweit langsam Standard wird? Mehrere Festivals, darunter auch das im Juni/Juli stattfindende Strandkorb Open Air 2021 auf dem Dultplatz in Regensburg, machen es vor.

Die Stadt antwortet: „Damit folgt Regensburg, wie auch andere Kommunen in Bayern, der Empfehlung des Freistaates, kein größeres Volksfest stattfinden zu lassen. Trotz des Fortschreitens der Impfkampagne gibt es aktuell keine verlässliche Sicherheit für ein Fest mit mehreren 1.000 Besucherinnen und Besuchern.“ Dezentrale Projekte seien bei der Stadt beantragt.

Regensburgs Sommer-„Baradies“

Auch wenn der Stadt hierbei anscheinend deutlich der Mut und der Konzepterarbeitungswille zur konventionellen Dult gefehlt hat, gibt es auch Erfreuliches zu vermelden: Die Altstadtwirte wollen im Stadtpark ein „Baradies“ errichten, wie Heike Sigel von der MZ recherchierte („So wird der Gastro-Sommer 2021“, Mittelbayerische Zeitung, 26.05.2021). Etwa zehn bis zwölf Wirte haben sich dabei zusammengeschlossen, um den Stadtpark unter sich aufzuteilen; auch eine Bühne ist vorgesehen! Mitte Juni könnte es losgehen. Und auch die restliche Altstadt wird sich laut MZ sehen lassen können: Michael Hahn gesteht man wohl nach langem Hinhalten und Vertrösten doch noch einen kleinen Sommergarten zu – dieses Mal auf dem Dultplatz; außerdem will er den Biergarten der insolventen Bischofshof Braustuben bewirtschaften. Alfred Glöckl und Peter Artmann sollen Freisitze auf dem Domplatz erhalten.

Stimmen der Marktbeschicker und Gastronomen

Michael Hahn, der Hahnzelt-Betreiber, äußert sich loyal gegenüber der Position der Stadt: „Wir halten die Absage der Herbstdult weder für übereilt noch für einen Fehler. Wir haben selbst auch damit gerechnet und somit in unserer diesjährigen Ausrichtung sinnvolle, dezentrale Alternativen an der frischen Luft gesetzt. Wir sind glücklich, dass dieses Jahr ‚Hahn‘s Sommergarten‘ im Saemergarten direkt an der Warendult (Dultplatz) stattfindet.“

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Die Stadt lässt Michael Hahn doch nicht leer ausgehen: „Hahn‘s Sommergarten“ im Stadtpark wird heuer zu „Hahn‘s Sommergarten“ im Saemergarten.
© lnw

Walter Metzger, der Sprecher der Marktkaufleute, Chef von „Pfannen Metzger“, sagt: „Natürlich hat uns die frühe Absage zur Herbstdult sehr getroffen, wir können aber nach der Absage des Oktoberfestes verstehen, dass die Stadt Regensburg zum damaligen Zeitpunkt der Entscheidung die Herbstdult nicht abhalten konnte.“ Er erklärt: „Eine Verschiebung der festgesetzten Dultzeiten war nicht möglich, da der Dultplatz durch einen Stadtratsbeschluss nur für die bestimmten Zeiten der Dult zur Verfügung steht. Vor und nach den Dultzeiten wird der Dultplatz normalerweise anderweitig vergeben.“ Er rechnet damit, dass es ab dem 07.06., nach Besprechungen der Lockerungen durch das Bayerische Kabinett, möglich sein wird, den Standbetreibern Stellplätze in der Regensburger Fußgängerzone zuzusichern.

Gute Aussichten in den Sommer

Hahn, Metzger und Co. weinen also der Herbstdult keine Träne mehr hinterher. Denn die Stadt hat endlich auf die Kritik der RSZ reagiert, besticht zwar nicht durch eigene Ideen und Konzepte, lässt aber Privatinitiative großzügig zu. So werden also nicht nur ein paar phantasielos über das Stadtgebiet verstreute Dultbuden versuchen, Leben in die ausgehungerte Stadt zu bringen, sondern wird eine großzügige Freisitzregelung ohne die sonst üblichen Gängelungsmaßnahmen den Wirten Raum für kreative Außengastronomien nach südländischem Vorbild lassen. Das wird richtig schön und wird hohe Frequenz bringen. Bravo, Stadt Regensburg! (lnw)

 


Zum Artikel „Ärger mit Paypal?“

Lesen Sie auch den Dult-Artikel vom letzten Monat

Zum Artikel „Umweltzerstörung im Dienste von IKEA?“


Die „Nachgefragt“-Reihe

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  • gepostet am: Dienstag, 01. Juni 2021

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