Nachgefragt | Ärger mit Paypal?

Nachgefragt | Ärger mit Paypal?

Bildunterschrift: Wer sich über Paypals Machenschaften informieren will, findet online unzählige Beiträge verschiedenster Künstler, Kulturschaffenden und Konzertveranstalter jeder Größenordnung.

 

Trotz Pandemie und Existenzängsten in der Kreativbranche sitzt Paypal auf dem Geld vieler Partner und Kunden!

Die Regensburger Stadtzeitung recherchiert Vorwürfe gegen den Konzern Paypal. Der US-amerikanische Online-Bezahldienst war bis 2015 Teil der Plattform Ebay und wurde von Elon Musk (Tesla) gegründet. Angeblich werden von privaten und geschäftlichen Kunden Paypals Gelder einbehalten, sogenannte Reserven, mit der Begründung der Rücklagenbildung und zur Risikoabsicherung. In den AGBs des Unternehmens vom 26. Februar 2021 heißt es: „Geld, das in Ihrer Kontoübersicht als ‚offen‘, ‚nicht abgeschlossen‘, ‚einbehalten‘ oder anderweitig eingeschränkt oder begrenzt gekennzeichnet ist, wird in dem Teil Ihres Kontos aufbewahrt, der als Reservekonto dient. Sie können nicht auf das auf dem Reservekonto gespeicherte Geld zugreifen und es verwenden.“ Die Stadtzeitung überprüft den Vorwurf der Willkür besonders im Umgang mit Künstlern und Kulturschaffenden, die unter den widrigen Umständen der Corona-Pandemie ganz besonders schwer mit Existenzängsten zu kämpfen haben und nun für abgesagte Veranstaltungen zusätzlich ihre finanzielle Liquidität gefährden. Denn Paypal erklärt in seinen AGBs nicht, wie man an seine Reserven wieder herankommt. Künstler und Kulturschaffende berichten der Stadtzeitung von der Intransparenz des Unternehmens. Kundenfreundlichkeit wird dort anscheinend nicht groß geschrieben.

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Besonders mit den vielen Absagen der kulturellen Großveranstaltungen im schweren Pandemiejahr 2020 bleibt Paypal der Regensburger Stadtzeitung eine Stellungnahme schuldig.

Die Regensburger Stadtzeitung blickt hinter die Kulissen der harten Vorwürfe

Die nordrhein-westfälische Werbeagentur some.oner erlebte eine haarsträubende Zusammenarbeit mit Paypal bei einer pandemiebedingt abgesagten Kulturgroßveranstaltung im November: „Bezüglich des Zugriffs auf unser einbehaltenes Geld erhielten wir unterschiedlichste Aussagen“, berichtet Kirchmann von some.oner empört. „Erst hieß es, wir haben nach einem Monat Zugriff, dann nach drei Monaten und nun heißt es nach sechs Monaten.“ Weder die AGBs noch der Kundenservice beantworten die Frage, wann die Gelder wieder verwendet werden können. Der Geschäftsführer musste immer wieder die gleichen Dokumente hochladen und wie er es beschreibt: „Mich vor Paypal nackt ausziehen!“ Die Agentur wartet vergeblich auf den Paypal-Kontozugriff und somit auch vergeblich auf ihr Geld. Ähnliche Beispiele dieser Art liegen inzwischen der Regensburger Stadtzeitung vor, die alle dem gleichen Schema folgen: Geld wird einbehalten, Zugriff wird verweigert, Dokumente zur Prüfung des Zugangs müssen bei Paypal immer wieder direkt hochgeladen werden. Und dann? Manchen erlaubt der Konzern, das Geld wiederzuverwenden, anderen nicht. Spielt Paypal mit seiner Monopolstellung ein Spiel der Willkür und gefährdet so die Liquidität seiner Kunden?

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Intransparenz im Namen des Käuferschutzes

Wer sich über Paypals fragwürdiges Geschäftsgebaren informieren will, findet online unzählige Beiträge tausender Paypal-Geschäfts- und Privatnutzer verschiedenster Größenordnung, die sich über ähnliche Probleme ärgern. Solokünstler bis hin zu Veranstaltungsagenturen sind sich über die Existenzbedrohung einig. Auch diverse juristische Foren und Anwaltskanzleien berichten über die selbstherrlichen und willkürlichen Machenschaften Paypals. Wer sich an den Kundensupport richtet, erhält hierzu keine Informationen. Die Regensburger Stadtzeitung war bei einem solchen Kundentelefonat dabei: Frustrierte Kundenservice-Mitarbeiter geben selbst die Intransparenz zu und teilen mit, dass sie nicht in der Lage sind zu helfen. Verzweifelten Kulturschaffenden, die gerade in der Pandemiezeit das von Paypal zurückgehaltene Geld dringend bräuchten, bleibt also nur, immer wieder die gleichen Dokumente hochzuladen und zu hoffen, dass Paypal in seiner Willkür heute das eigene Unternehmen auserwählt und einem Zugriff auf sein eigenes Geld gewährt. Ein letzter Schritt bleibt: in Zukunft zu überlegen, ob Paypal wirklich ein seriöser Partner ist. Viele Künstler und Veranstalter hegen hier inzwischen große Zweifel.

Bisher keine Stellungnahme Paypals

Trotz mehrmaliger Nachfrage der Regensburger Stadtzeitung an die Pressestelle von Paypal Deutschland erhielten unsere Redakteure keine Rückmeldung. Nicht einmal eine Eingangsbestätigung ist es dem Unternehmen wert. Diese Arroganz ruht auf einem mächtigen Fundament: Paypal ist mit mehreren hundert Millionen Benutzerkonten weltweit der größte Online-Zahlungsdienstleister. Es wirkt auf die Stadtzeitung, als würde Paypal seine Monopolstellung gegenüber Kunden schamlos ausnutzen. Besonders im Hinblick auf das schwere Pandemiejahr 2020, in dem besonders die Kulturbranche gelitten hat, ist das Unternehmen eine Erklärung schuldig. Wie rechtfertigen sie das Einbehalten der Gelder und die Gefährdung der Liquidität der Kulturschaffenden? Ob sich Paypal diesen und weiteren Fragen der Stadtzeitung noch stellen wird, bleibt abzuwarten. Nach Stadtzeitungsinformationen wurden zwischenzeitlich auch andere Medien auf das merkwürdige Geschäftsmodell von Paypal aufmerksam. Gut möglich also, dass die selbstgerechten Finanzstrategen dieses Unternehmens schon recht bald von ihrem hohen Ross auf den Boden der Öffentlichkeit gezerrt werden. (pt)

 


Zum Artikel „Corona-K.O. für Herbstdult – Was bringt der Sommer?“

Lesen Sie auch den Dult-Artikel vom letzten Monat

Zum Artikel „Umweltzerstörung im Dienste von IKEA?“


Die „Nachgefragt“-Reihe

  • gepostet am: Dienstag, 01. Juni 2021

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