Nachgefragt | Fußgänger sehen rot – Nonsens-Ampel in Regensburg?

Nachgefragt | Fußgänger sehen rot – Nonsens-Ampel in Regensburg?

Die andere Straßenseite in einem Rutsch erreichen – unmöglich?

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In der Friedensstraße am Nordeingang des Evangelischen Zentralfriedhofs steht eine Ampel. Meist funktioniert sie zweckmäßig. Aber hin und wieder kommt es zum Ärgernis: Fußgänger oder Radfahrer schaffen es während eines Grün-Zyklus nicht, die komplette Straße zu überqueren, sondern müssen in der Mitte der Straße auf der Verkehrsinsel stehen bleiben, weil inzwischen die Ampel wieder auf Rot gesprungen ist. Anstatt noch einmal auf Grün zu warten, gehen die meisten frustriert über Rot. Führt die Stadt Regensburg seine Bürger mit einer absurden Ampelschaltung an der Nase herum und bringt sie gar in Gefahr?

 

Die Ampel nervt

 

Ärgerlich: Die Fußgänger auf der anderen Straßenseite haben Grün und dürfen bis zur Mitte der Straße auf die Verkehrsinsel laufen. Die eigene Seite hat Rot. Dann schalten die Ampeln gleichzeitig von Rot auf Grün und von Grün auf Rot. Nun darf die andere Seite die Straße komplett überqueren. Die eigene Seite hat nun Grün, kommt aber nur bis zur Verkehrsinsel, dann ist Endstation. Jetzt noch einmal den Ampel-Schalter drücken – oder gleich bei Rot über die Ampel gehen?

 

Ein Fehler im System? Wir haben nachgefragt

 

Stadtzeitung: Wie genau funktioniert die Schaltung dieser Ampel?

Stadt: Die Fußgänger fordern über einen Taster die Freigabezeit an. Diese wird dann innerhalb koordinierter Zeitbereiche (grüne Welle) geschaltet. Die Schaltung erfolgt im Wesentlichen nach den nachstehenden Regeln: Wenn Anforderungen gleichzeitig an der südlichen und der nördlichen Straßenseite vorliegen, erhalten beide Furten gemeinsam grün und können die gesamte Friedenstraße queren. Liegt nur von einer Seite eine Anforderung vor, wird die Furt gestaffelt freigegeben. Die Furt, die zuerst angefordert wurde, erhält eine Freigabe und dann zeitversetzt die nächste Furt, ohne dass es hier zu Wartezeiten kommt. Wenn eine Anforderung auf der Insel vorliegt, bekommt nur die entsprechende Furt eine Freigabe.

 

Stadtzeitung: Passanten bleiben teilweise auf der Verkehrsinsel stehen und müssen noch einmal auf Grün warten. Das führt dazu, dass die Ampel oft bei Rot überquert wird. Ist diese Schaltung der Ampel ein Fehler oder ist das so geplant?

Stadt: Grundsätzlich kann die gesamte Furt in einem Zug ohne Wartezeiten überquert werden, wenn man bei Grünbeginn mit der Querung startet. Zu Wartezeiten kann es kommen, wenn die Furt entgegen der Staffelung überquert wird.

Beispiel: Ein Fußgänger A quert von Süd nach Nord und fordert die Freigabe auf der Südseite an. Der Fußgänger erreicht die nördliche Fahrbahnhälfte (mittlerweile grün) und in diesem Moment quert ein anderer Fußgänger B von Nord nach Süd, ohne die Freigabe angefordert zu haben. B kommt nur bis zur Mittelinsel und muss für die südliche Fahrbahnhälfte die Freigabe auf der Mittelinsel anfordern. Diese Freigabe erfolgt aber erst im nächsten Umlauf (100 Sekunden). Gleiches kann auch einem weiteren Fußgänger C passieren, der 10 Sekunden nach A (noch bei Grün) von Süd nach Nord quert, nur bis zur Mittelinsel kommt und erneut Grün anfordern muss.

 

2Signal kommt?
Bild: © lnw

Stadtzeitung: Gibt es dafür eine Lösung? Warum wird nicht auf beiden Seiten der Verkehrsinsel gleichzeitig auf Grün geschaltet?

Stadt: Diese Schaltung wurde hier bewusst gewählt, da bei gleichzeitiger Schaltung der Furten – und den damit sehr langen Rot-Zeiten für den Kfz-Verkehr – die Koordinierung der Ampeln unterbrochen wird.

 

Stadtzeitung: Wofür wird an diesem Ort eine Ampel benötigt? Würde ein Fußgängerüberweg nicht ausreichen?

Stadt: Fußgängerüberwege dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen errichtet werden. Diese sind hier nicht gegeben. Der entscheidende und wichtigste Grund ist das zu hohe Verkehrsaufkommen in der Friedenstraße.

 

Sinn oder Unsinn?

 

Das folgt alles einer bürokratischen Logik, ist aber lebensfremd. Immer wieder trifft es Ahnungslose, die Leute an der Ampel stehen sehen und über die Straße wollen. Warum noch einmal den Ampel-Schalter betätigen, wenn er schon gedrückt wurde? Bei anderen Ampeln muss man ja auch nicht doppelt und dreifach drücken. Die Bürokratie hat also gesiegt. Und die genervten Bürger gehen weiterhin über Rot.

Kennen Sie noch mehr Ampeln mit nicht amtlichem Schaltfehler oder weiteren bürokratischen Nonsens in Regensburg? Schreiben Sie uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Wir werden berichten. (lnw)

 


Die „Nachgefragt“-Reihe

  • gepostet am: Freitag, 05. April 2024

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