Bürger, wehrt Euch! | Gehört die Stadt den Radl-Rambos?

Bürger, wehrt Euch! | Gehört die Stadt den Radl-Rambos?

Bildunterschrift: Die Stadt hat die Aktion „Respekt bewegt“ gestartet. Die ist gut gemeint – setzt sich aber nicht wirklich durch.

 

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Regensburg will Fahrradstadt werden, es gibt dabei viele gute Ideen. Doch leider auch noch immer rücksichtslose Radler. Besonders in den Fußgängerzonen beschweren sich Passanten.

Der Stadtzeitungsleser wollte vom Kaufhof zur Bushaltestelle am Dachauplatz. Er ging vom Kassiansplatz in Richtung Maxstraße. Kurz hinter der Metzgerei dann der Schreck: Ein Radler fuhr keine 20 Zentimeter an ihm vorbei. Der Passant zuckte zusammen, verlor das Gleichgewicht und stolperte. Zum Glück konnte er sich abfangen, es ging ohne Verletzung ab. Hätte es sich aber um einen weniger sportlichen Mann gehandelt, hätte die Situation auch im Krankenhaus enden können. Radl-Rücksichtslosigkeit in der Fußgängerzone!

Regensburg will zur fahrradfreundlichen Stadt werden, dazu gibt es eine Menge guter Vorschläge. Für den Regensburger Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Klaus Wörle, wäre es etwa wichtig, auf den Hauptdurchgangsrouten für Radfahrer die Lücken zu schließen: „Wer aus der Innenstadt nach Kumpfmühl fährt, kommt in der Bischof-Wittmann-Straße an eine Stelle, wo der Radweg völlig unvermittelt aufhört. Auf der Franz-Josef-Strauß-Allee endet er an der Römerstraße, geht nicht durch bis zur Landshuter Straße.“

Verbesserungspotential für Radler an vielen Stellen

11 Ein blöde Stelle für Radler: Auf der D.-Martin-Luther-Straße hört der Radweg völlig unvermittelt auf.


An der Karthauser Straße müsste die Situation für Radler ebenfalls verbessert werden. Studenten, die von der Uni zu den Studentenheimen in Königswiesen fahren, müssen sich durch die radwegslose Straße, die auch für den Autoverkehr eng und unübersichtlich erscheint. Die Situation in der Andreasstraße, mangelnder Winterdienst auf Nebenstrecken, der Ausbau von Radexpresswegen entlang der A3 nach Neutraubling, vom Auer Bräu nach Regenstauf – alles Punkte, bei denen zweifellos für Radfahrer mehr getan werden könnte.

Auch die Stadt selbst ist ja schon auf den Gedanken gekommen, es den Radfahrern in der Stadt leichter zu machen und hat 2015 die Fußgängerzonen für Radfahrer freigegeben und ihnen erlaubt, in so ziemlich jeder Einbahnstraße auch gegen die Fahrtrichtung in die Pedale treten zu dürfen.

Beschwerden seit Öffnung der Fußgängerzonen

Und seither gibt es Ärger. Laut Stadtsprecherin Tatjana Setz „kommt es zwar immer wieder zu Beschwerden von Seiten der Fußgänger über sogenannte Rowdy-Fahrer – aber auch von Seiten der Radfahrer über sogenannte ‚Smombies‘ (Menschen, die nur auf ihr Handy starren und nicht auf ihre Umgebung achten, Anm. d. Red.) oder Fußgänger, die unvorhersehbare Richtungsänderungen vornehmen.“ Andererseits – wo sollen sich Fußgänger sicher fühlen und völlig frei bewegen, wenn nicht in der Fußgängerzone?

Sicher: Die Stadt hat für das Radeln durch die Fußgängerzonen Regeln aufgestellt. Doch wer hält sich schon an die Schrittgeschwindigkeit, wenn er zügig mit dem Rad von der Gesandtenstraße über die Schwarze-Bären-Straße zur Maximilianstraße will? Wer nimmt wirklich Rücksicht auf die Fußgänger als schwächste Verkehrsteilnehmer, hält meterweiten Abstand oder steigt wirklich ab, wenn es eng wird?

Gesandtenstrase
Eine malerische Ausnahme: In der Herbstsonne hält zumindest die hintere Radfahrerin auf der Gesandtenstraße genügend Abstand zu den Fußgängern.

ADFC-Chef: Stadt ging zu weit

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Selbst der ADFC-Vorsitzende Wörle sagt: „Hier ist die Stadt zu weit gegangen, die Fußgängerzonen sind zu pauschal betrachtet worden. Etwa die Tändlergasse oder die Kramgasse freizugeben, das ist völlig unmöglich und auch unnötig.“

Wörle wehrt sich aber gegen eine Verteufelung aller Radfahrer: „Natürlich haben wir welche, die sich nicht korrekt verhalten, aber es gibt auch genügend Autofahrer, die Gehwege oder Behindertenparkplätze zuparken oder durch Tempo-30-Zonen brettern. Da vermisse ich den Begriff Auto-Rüpel, während sich der sogenannte Radl-Rüpel fast eingebürgert hat.“ Er räumt aber ein, dass mögliche Fast-Zusammenstöße zwischen Fußgängern und Radlern unterschiedlich wahrgenommen würden: „Der Radler bekommt das vielleicht gar nicht mit, weil er ja schnell schon ums Eck ist, für den Fußgänger bleibt es ein fast dramatisches Ereignis, das ihn ängstlich macht und an das er noch Tage denkt.“

Klagen über skrupellose Radfahrer gibt es aber nicht nur in der Innenstadt. Auch in Grünanlagen wie dem Donaupark seien laut Spaziergängern häufig Radler auf reinen Fußwegen unterwegs. Auch der Stadtpark werde gerne als Abkürzung genutzt, obwohl die Räder dort geschoben werden müssten. Immer wieder komme es so zu Beinahe-Kollisionen. Und dass die Radfahrer bei tatsächlichen Zusammenstößen öfter Unfallverursacher als Opfer sind, belegen die Zahlen eindrucksvoll, die Polizeikommissarin Franziska Meinl der Stadtzeitung auf Anfrage nennt: „Im letzten Jahr gab es im Stadtgebiet Regensburg 415 Verkehrsunfälle, an denen ein Radfahrer beteiligt war. 248 Unfälle wurden durch Radfahrer selbst verursacht.“ Das sind rund 60 Prozent. 368 Radfahrer verletzten sich bei den Unfällen.

Radl Rupel
Ein typisches Bild in der Fußgängerzone: Ein Radfahrer prescht erst mit kaum einem Meter Abstand an den Fußgängern vorbei und fährt dann dicht auf die nächsten Passanten auf. Dass ihn ein Schild zum Absteigen au ordert, interessiert ihn nicht.

Fußgänger fühlen sich gefährdet

Stadtsprecherin Setz will „bei all diesen Diskussionen und Beschwerden“ aber dennoch feststellen können, „dass das Miteinander funktioniert. Mit der Kampagne ‚Respekt bewegt‘ macht die Stadt jährlich darauf aufmerksam, auf andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen und einen respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen zu pflegen“.

Laut einer Umfrage der „Mittelbayerischen Zeitung“ aber sieht die Wirklichkeit anders aus: Zieht man die Befragten ab, die keine Meinung hatten, sehen hochgerechnet 58 Prozent die Passanten in den Fußgängerzonen von den Radfahren gefährdet, lediglich 42 Prozent hatten den Eindruck, Radfahrer würden Rücksicht auf die Fußgänger nehmen. (hk)

 

Rüpel-Ruf bestätigt

Die Einschätzung der Radler als Rambos wird zurzeit auf der Schwarzen-Bären-Straße immer wieder unter Beweis gestellt. Denn an der Einmündung zur Pfauengasse/Weiße-Lilien-Straße ist eine Baustelle. Radler müssten absteigen und schieben, weil es eine Engstelle gibt, an der nur ein Fußgänger passieren kann. Ein Schild weist extra darauf hin. Doch daran halten sich die wenigsten. Als der Stadtzeitungs-Fotograf an die Stelle kommt, fahren in zehn Minuten exakt 16 Radfahrer im Slalom um die Passanten, manche im forschen Tempo. Zufall? Der Stadtzeitungsmann fragt einen Bauarbeiter, ob er mitbekommt, wie viele Radfahrer denn wirklich absteigen. „Die“, so sagt der Arbeiter, „kannst du über den ganzen Tag an einer Hand abzählen.“ (hk)


Ärger mit Institutionen, führungslose Verwaltung, peinliche Richtlinien, Grün kaputt – haben Sie ähnliche Erfahrungen? Schreiben Sie uns, Stichwort: „Bürger, wehrt Euch!“ (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder über das Kontaktformular).

Teil V der Serie „Bürger, wehrt Euch!“

  • gepostet am: Donnerstag, 31. Oktober 2019

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