Sensationsschenkung an das Haus der Bayerischen Geschichte

Sensationsschenkung an das Haus der Bayerischen Geschichte

Die Schreibmaschine der Revolution 1918/19

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Die Schreibmaschine des Revolutionsführers und ersten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (1867–1919). 
Vom Journalisten zum Revolutionär 
In Berlin geboren, war der Journalist, Schriftsteller und Politiker Kurt Eisner seit 1907 Chefredakteur bei der Fränkischen Tagespost in Nürnberg, wo er seine spätere Frau Else, geb. Belli (1887–1940), kennenlernte. 1910 zog er nach München und wurde zu einem der wichtigsten Mitarbeiter der sozialdemokratischen Zeitung Münchener Post. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs und seiner Ausbootung bei der Münchener Post entwickelte sich Eisner zunehmend zum Systemkritiker und Pazifisten, am Ende sogar zum Revolutionär. 

2 628 SCHREIBMASCHINE KURT EISNER 01 klein

Haus der Bayerischen Geschichte © Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen

 Eisners wichtiges Werkzeug 
Sein wichtigstes Arbeitsgerät und Kommunikationsmittel war in dieser Zeit eine Schreibmaschine der Marke Mercedes, die Mitte 1914 im thüringischen Zella-Mehlis hergestellt und von Eisner in der zweiten Jahreshälfte erworben wurde. Wie Eisners Töchter sich später erinnern, wurden damals darauf sämtliche maschinengeschriebenen Schriften, Artikel und Korrespondenzen getippt. Bestätigt wurde dies durch die Schriftgutachten, die das Haus der Bayerischen Geschichte veranlasste. 
Der Großteil der Schriftstücke, die während des Ersten Weltkrieges auf der Schreibmaschine entstanden sind, dürfte von Eisners Frau Else getippt worden sein. Eisner diktierte ihr oder fertigte handschriftliche Vorlagen zur Ausarbeitung an. In dieser Arbeitsteilung verfasste Eisner unter anderem Theaterkritiken für die Münchener Post sowie Artikel für das von ihm herausgegebene Arbeiter-Feuilleton, eine Pressekorrespondenz, mit dem er soziale Missstände anprangerte und Stellung zu Politik und Krieg bezog. Ebenso dürften darauf Briefe an diejenigen Personen geschrieben worden sein, die mit Eisner am 7./8. November 1918 den Umsturz wagten und schließlich den Freistaat Bayern begründeten. Eisners Erbe als Ministerpräsident wirkt bis heute fort, da er in Bayern etwa das Wahlrecht für Frauen oder den 8-Stunden-Tag umgesetzt hat. 

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Die Odyssee einer Schreibmaschine 
Nach der Ermordung Kurt Eisners am 21. Februar 1919 blieb die Schreibmaschine im Besitz seiner Witwe Else, welche sie weiterhin benutzte. Anfang Mai 1919 flieht Else Eisner nach der Niederschlagung der Räterepublik aus Bayern. Die Schreibmaschine begleitet sie in den folgenden Jahrzehnten bei ihrer Odyssee durch Mitteleuropa. Sie führt die Witwe Eisners über Südbaden und die Schweiz bis nach Frankreich. Nach dem Selbstmord von Else Eisner 1940 im Kloster Bon-Pasteur in der französischen Stadt Dole (Dép. Jura) blieb die Schreibmaschine bis in die 1950er Jahre dort und gelangte erst 1959 wieder in den Besitz von Eisners Töchtern in Gengenbach und Ostberlin, wo sie über drei Generationen lang - offenbar von der Öffentlichkeit unbemerkt - als Erinnerungsstück aufbewahrt wurde. 
Übergabe an das Haus der Bayerischen Geschichte 
Nun übergeben Kurt Eisners Urenkel Susanne Rother und Christian Strahl die Schreibmaschine offiziell dem Haus der Bayerischen Geschichte, wo sie ab 8. Juli 2026 als Jahrhundertobjekt der bayerischen Demokratiegeschichte in der Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ in Regensburg zu sehen sein wird. 

Bild ganz oben:
V.l.: Sammlungsbeauftragter Dr. Timo Nüßlein, Direktor Dr. Richard Loibl zusammen mit Kurt Eisners Urenkeln Susanne Rother und Christian Strahl. 

www.hdbg.de

 

  • gepostet am: Freitag, 20. Februar 2026

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