Profile & Parolen | Franz Xaver Gernstl

Profile & Parolen | Franz Xaver Gernstl

 

Nachname: Gernstl
Vorname: Franz Xaver
Wohnort: München
Geburtsort: Bad Feilnbach
Alter: 75
Beruf: Filmemacher, Autor ...
Sternzeichen: Fische

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40 Jahre war Franz Xaver Gernstl mit seinen Freunden Hans Peter Fischer und Stefan Ravasz unterwegs, immer mit der Kamera auf der Suche nach guten Geschichten und besonderen Menschen. Der Bayerische Rundfunk strahlte die daraus entstandene Kultsendung „Gernstl unterwegs“ vier Jahrzehnte lang aus. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Glück gehabt!“ blickt er nochmals zurück auf die Jahre on the road und erzählt von vielen spannenden, amüsanten und auch abenteuerlichen Begegnungen.

Gerade ist Ihr Buch „Glück gehabt“ erschienen. Wann haben Sie beschlossen dies zu schreiben? Gab es dafür einen bestimmten Auslöser? Hatten Sie dazu ein Vorbild? Wer oder was brachte Sie auf die Idee?
Vor zwanzig Jahren haben wir einen Kinofilm gemacht, der hieß "Gernstls Reisen – auf der Suche nach dem Glück". Danach kamen drei Verlage auf mich zu, die das Buch zum Film haben wollten. Damals habe ich das freundlich abgelehnt. Ich dachte mir, ein Filmemacher soll Filme machen, zum Bücherschreiben hatte ich keine Zeit. Aber die Idee ließ mich nicht ganz los, und irgendwann habe ich einfach angefangen zu schreiben. Sporadisch, immer wieder mal ein paar Seiten. Einen Schub bekam die Sache mit dem Corona-Lockdown, da hatte ich plötzlich Zeit und Muße. Jedenfalls habe ich das Buch letzten Sommer fertig geschrieben, und jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Ein schönes Gefühl, das erste gedruckte Exemplar seines eigenen Buches in den Händen zu haben. 

Sind die Gespräche wirklich alle spontan so passiert oder gab es nach dem ersten Anlauf – wenn sich jemand zu sehr überrumpelt fühlte – auch mal einen zweiten?
Nein. Unser Credo war: keine Wiederholungen, kein Bauerntheater. Die Gespräche waren immer unvorbereitet und so, wie man sie in den Filmen sieht. Wenn mal etwas Ungeplantes passiert ist, haben wir es gerne im Film gelassen. Das ist wohl der Grund, warum unsere Filme so authentisch wirken: Sie sind authentisch.

Gab es besonders originelle, amüsante, grantige oder auch zunächst sprechunlustige Gesprächspartner?
Ach, da gab es eine ganze Menge. Und die sperrigen Typen, die nicht gleich zum Plaudern angefangen haben, waren mir eigentlich immer die Liebsten. Das war eine Art Herausforderung, einen wortkargen Menschen, der sich nicht ins Fernsehen drängt, dazu zu bringen, in Ruhe seine Geschichte zu erzählen.
Aber es gab in einem unserer ersten Filme eine fast schon legendäre Szene mit einem Mann, der vor einer brennenden Wiese stand und einfach keine Auskunft geben wollte, was passiert war. An dem bin ich gescheitert. Der hat mich über Minuten mit versteinerter Miene angeschwiegen, und dann hat er sich lautstark geschnäuzt und ist gegangen.

War es schon immer Ihr Talent auf Menschen zuzugehen oder hat sich das im Laufe der Zeit so ergeben?
Ich bin im Grunde eher ein zurückhaltender Typ, nicht sonderlich talentiert in Small-Talk. Aber mit der Kamera hat man eine Legitimation, Leute anzusprechen. Thorsten Otto, ein Radiokollege, hat mal die Vermutung geäußert, dass der Beruf des Reporters so eine Art Therapie für schüchterne Menschen sein könnte. Da könnte was dran sein.

Haben sich die Menschen, hat sich die Gesellschaft im Laufe der 40 Jahre spürbar verändert?
Vermutlich, ja, aber ich scheue mich vor so allgemeinen Beurteilungen. Was man bestimmt sagen kann: Das öffentliche Leben langweiliger geworden ist. Es gibt nicht mehr so viele Eigenbrötler, Lebenskünstler, Typen, die aus der Reihe tanzen. Das Leben ist uniform und gleichmäßig geworden. Das liegt bestimmt auch am Netz. Man muss nicht mehr aus dem Haus gehen, nicht zum Einkaufen, nicht zum Spielen und auch nicht zum Flirten.

Welche Eigenschaften schätzten Sie an den Menschen und welche mochten Sie nicht?
Ich mag ehrliche Menschen, die zu sich und auch zu ihren Unzulänglichkeiten stehen. Ein gewisses Maß an Bescheidenheit ist kein schlechter Wesenszug. Mit Dampfplauderern und Aufschneidern kann ich nichts anfangen. Wir haben uns immer über die Tapferen gefreut, denen es vordergründig vielleicht nicht so gut ging und die trotzdem gut drauf waren.

Wohin ging Ihre weiteste Reise? Welches Land war besonders spannend?
Das waren wohl die USA. Von den drei großen Städten, in denen wir dort gedreht haben, fand ich New York am sympathischsten. Trotz der Hektik, die da ständig herrscht, sind die Leute ausgesprochen höflich und tolerant.


Team mit rotem Bus 1

Team mit rotem Bus. (© privat)

In welches Land würden Sie gerne nochmals reisen? – Aber dann privat.
Hm, ich bin auch privat immer schon gerne gereist. Dort, wo ich hin wollte, war ich schon. Als Nächstes geht’s nach Bordeaux und ins Baskenland. Frankreich ist schön zum Spazierenfahren auf verträumten Landstraßen und zum Essen in bodenständigen Landgaststätten.

Hat sich von einem Treffen ab und zu eine längere Freundschaft entwickelt? Gibt es Personen die Sie zufällig oder gewollt wiedergetroffen haben?
Wir haben auf unseren Reisen gut tausend Leute kennengelernt. Das wären zu viele Freunde. Aber ein paar gibt es, zu denen wir noch Kontakt haben. So ist auch unsere erfolgreichste Reihe, Gernstls Zeitreisen entstanden. Da haben wir Protagonisten nach zwanzig oder dreißig Jahren noch einmal besucht.

Angenommen Sie hätten 24 Stunden lang eine Zeitmaschine zur Verfügung. In welche Episode der letzten 40 Jahre würden Sie sich beamen lassen und warum?
Den Wunsch habe ich nicht. Mir gefällt es da ganz gut, wo ich jetzt bin.

Ist Ihnen von den vielen Gesprächspartnern ein besonderer Spruch oder eine „Lebensweisheit“ in Erinnerung geblieben?
Ja. Eine der schönsten Lebensweisheiten stammt von einem Bonsaizüchter aus Kärnten: „Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Zufällen, und die Summe dieser Zufälle ist das, was gerade passiert.“

Ihre Reisen sind Vergangenheit, das Buch ist geschrieben – ist nun „Ruhestand“ angesagt? Man kann sich das bei Ihnen schlecht vorstellen. Werden Sie weiterhin als Produzent aktiv sein oder nochmals ein Buch schreiben? Gibt´s jetzt ein neues Hobby? Oder findet man Sie, wie viele Ihrer Alterskollegen, künftig z.B. am Golfplatz?
Ruhestand ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich habe die Firma an meine beiden Söhne übergeben, und damit ist ein großer Teil meines Berufslebens gut sortiert. Jetzt kann ich mein Leben nach Lust und Laune gestalten. Ein Hobby habe ich nicht, außer Kochen, und das ist ja kein richtiges Hobby, eher eine schöne Notwendigkeit, wenn man gut essen will. Auf dem Golfplatz findet man mich bestimmt nicht. Dafür fehlt mir wahrscheinlich der Ehrgeiz. Ob ich noch einmal ein Buch schreibe, überlege ich gerade. Vielleicht fällt mir auch etwas ganz anderes ein. Mal schauen, was kommt.

Hatten Sie in der Jugend einen Lebenstraum? Ist er in Erfüllung gegangen?
Nein. Und wenn doch, dann ist er in Erfüllung gegangen, ohne dass ich es gemerkt habe.

Hatten Sie als Kind ein bestimmtes Vorbild?
Nein.

Was machen Hans Peter Fischer und Stefan Ravasz jetzt?
Die drehen nach wie vor für "Megaherz" und für den BR, die "Landfrauenküche" zum Beispiel.

Würden Sie sich als zufriedenen oder gar glücklichen Menschen bezeichnen?
„Ich bin glücklich!“ Das ist vielleicht ein bisschen verwegen, so etwas zu behaupten. Das kann sich schnell ändern, Glück ist ein flüchtiger Zustand. „Zufrieden“ gefällt mir besser.

Wo finden Ihre nächsten Lesungen statt - auch in Regensburg?
Die nächste Lesung ist am 25. Juni im Scharfrichterhaus in Passau. Und in Regensburg lese ich am 7. Oktober in der Buchhandlung Pustet in der Gesandtenstraße.


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  • gepostet am: Freitag, 12. Juni 2026

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