Nachgefragt | Regensburger Gastronomie im Zeichen der Krise: Folgt auf den Lockdown der Knockout?

Nachgefragt | Regensburger Gastronomie im Zeichen der Krise: Folgt auf den Lockdown der Knockout?

Die Restaurants, Cafés und Biergärten dürfen mit krassen Auflagen wieder öffnen. Endlich Sommer! Zwar stehen die Tische weit auseinander und jeder zweite ist gesperrt; aber die Freude ist groß: Es geht wieder in Richtung Normalität. Oder vielleicht doch nicht?

Ursula Artmann
Ursula Artmann, Chefin der Arber Wirtschaft in der Arberstraße.
© Lukas N. Wuttke

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Denn schon im Gespräch mit Ursula Artmann, der Chefin der Arber Wirtschaft, keimen Zweifel: „Dieses Pseudoöffnen ist der Todesstoß für viele Betriebe“, ist ihre bittere Zustandsbeschreibung. Sie kann diejenigen Gastronomen verstehen, die erst gar nicht aufmachen.

Das Wirtshaus in der Arberstraße 15 hat mit verheerenden Umsatzeinbußen zu kämpfen. „Die Abstandsregeln einzuhalten, ist ganz fürchterlich.“ Die paar Gäste können selbst bei „vollem“ Biergarten die Angestelltenkosten nicht decken. „Ich ziehe das Personal mit, so lange ich kann. Notfalls aus der eigenen Tasche.“ Aber so kann das, wie sie sagt, kein halbes Jahr mehr weitergehen.

Und was meinen die Gäste? Die Resonanz reicht von „froh, dass man wieder raus darf“ bis „muss das sein?“ Echte Wirtshausstimmung sieht anders aus. „Geselligkeit und Spontanität sind nicht mehr möglich.“ Gäste und Wirte verlieren die Lust.

 

Bewegte Zeiten: Schon bald nach dem Besuch der Stadtzeitung schloss die Arber Wirtschaft nach kurzer Öffnung ihre Türen inzwischen wieder und wartet nun auf weitere Lockerungen. In der jetzigen Situation war keine Rentabilität des Betriebs zu erwarten.

Ursula ArtmannKarl-Heinz Mierswa, legendärer Wirt beim Auer Bräu im Steinweg.
© Lukas N. Wuttke

Ganz ähnlich verhält es sich beim Auer Bräu im Steinweg. Karl-Heinz Mierswa, der legendäre Wirt, sagt: „Die Wirtshausatmosphäre ist vollkommen tot.“ Hat man früher noch unterschiedliche Gäste an einen Tisch gesetzt, sitzt da jetzt meist nur noch ein Pärchen. Und zwischen den Tischen muss immer ausreichend Platz gelassen werden. Die wirtshaustypische Kommunikation der Gäste untereinander sowie der Wirte mit den Gästen ist dahin. Die Stammtische fallen flach. Die Salzstreuer kommen nur noch auf Wunsch, weil sie desinfiziert werden müssen. Man kommt fast ausschließlich nur noch zum Essen.

Zudem bedeuten die Hygienebestimmungen Aufwand und Stress. Mit uneinsichtigen Gästen muss diskutiert werden. Der Personalaufwand hat sich bei geringeren Umsätzen vergrößert. „Einer muss die Gäste einweisen. Und man muss ständig nach den Masken schauen und ob die Abstände eingehalten werden.“

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Doch am schwersten wiegen auch hier die Abstandsbeschränkungen. „Im Biergarten können von 160 Sitzplätzen nur 35 benutzt werden. Selbst die sind nur zu zwei Drittel belegt. Bei schönem Wetter ist das okay, aber bei schlechtem unrentabel. Im Prinzip zahlt man nur drauf.“ Bei einem zweiten Lockdown wären die Folgen verheerend. „Für unsere gesamte Branche stellt sich spätestens dann die Frage, was das alles überhaupt noch soll.“

Ursula ArtmannRobert Urbanski, Inhaber des Griechen am Herzogshof.
© Lukas N. Wuttke

Der Grieche am Herzogshof kann sich nur als Familienbetrieb über Wasser halten. Robert Urbanski, der Inhaber: „Wenn es keinen Gewinn gibt, arbeiten wir ohne Lohn. So können wir uns vor der Insolvenz retten. Wie lange wir uns halten können, ist die eine Frage, die andere ist: Wie lange macht es uns Spaß? Wir haben keine Schulden, aber wir verdienen nichts.“

Dabei legt sich die Familie wahnsinnig ins Zeug: „Gleich am 15.3. haben wir alles umgewandelt und Werbung online gemacht.“ Die Tische werden desinfiziert, die Speisekarte wird via QR-Code auf dem Tisch angeboten. Außerdem wurden Trennvorrichtungen angeschafft, um mehr Tische als nur acht besetzen zu dürfen. Dann fügt Urbanski hinzu: „Wir sind schon 15 Jahre hier im Lokal. Wir haben uns eine treue Stammkundschaft aufgebaut.“ Er sieht sich der Krise also nicht hilflos ausgeliefert und kämpft.

Ursula ArtmannNguyen Huu Tho, Inhaber des Rambutan Thai Restaurant in der der Maxstraße.
© Lukas N. Wuttke

Nguyen Huu Tho, Inhaber des Rambutan Thai Restaurant in der der Maxstraße, beschreibt die Lage so: „Bis jetzt halten wir noch durch. Doch es gibt wenig Freude an der Arbeit. Der Kontakt mit den Gästen ist beschränkt – aber das wichtigste ist die Gesundheit.“ Mit den neuen Bestimmungen kann er vielleicht über die Runden kommen. „Aber das kann sich nächste Woche ändern, wenn es z. B. die zweite Welle gibt.“ Doch auch wenn es so weiter geht, wird es knapp: „Zwei Monate kann man die Mitarbeiter noch halten, aber sechs bis sieben Monate gehen nicht.“

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Erst einmal muss also jeder zweite Tisch mit Absperrband umkränzt bleiben, um die vorgeschriebenen Abstände der Gäste untereinander zu garantieren. Und auch wenn es jetzt warm wird und es sich fast so anfühlt, als gebe es keine Krise: „In der Gastronomie ist das Sommergeschäft schon jetzt ruiniert!“, resumiert Tho. (lnw)

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