Genießen wie die alten Römer

Genießen wie die alten Römer

16.–18.08., Römerkastell Abusina, Bad Gögging

Bildunterschrift: Jedes Jahr im Sommer drehen die Initiatoren von Bayerns größtem Römerfest auf dem Gelände des ehemaligen römischen Kastells „Abusina“ bei Bad Gögging (Kreis Kelheim) die Zeit zurück.

„Frittierte Pfauenzungen“ und „Gefüllte Giraffenhälse“: So manche der Spezialitäten, die die alten Römer einst besonders schätzten, würden auf den Speisekarten von heute wohl kaum Begeisterungsstürme hervorrufen. Vieles aber, was die Römer nach Mitteleuropa brachten und hier kultivierten, hat zwei Jahrtausende überdauert — und erfreut sich auch im 21. Jahrhundert größter Beliebtheit. Besonders in Ostbayern und Oberösterreich lassen sich die Spuren des römischen Essens und Trinkens bis heute erleben und faszinieren dabei immer mehr Besucher.

Die Römer haben das Leben in Bayern und Österreich mehr als ein halbes Jahrtausend geprägt. Jedes Jahr im Sommer drehen die Initiatoren von Bayerns größtem Römerfest auf dem Gelände des ehemaligen römischen Kastells „Abusina“ bei Bad Gögging (Kreis Kelheim) die Zeit zurück. Mit historischen Gladiatoren-Schaukämpfen, Speerwurf-Vorführungen germanischer Krieger und Legionären in voller Rüstung — und vor allem römischen Spezialitäten entführt das Fest Gäste in den Alltag von vor 2.000 Jahren.

Römische Zeitreise vom 16. bis 18. August

  • © Tourismusprojekt Römerspuren / Bad Gögging / Pieknik

    Mit historischen Gladiatoren-Schaukämpfen, Speerwurf-Vorführungen germanischer Krieger und Legionären in voller Rüstung entführt das Römerfest in Bad Gögging die Gäste in die Vergangenheit.

    Die dreitägige Zeitreise in die römische Vergangenheit findet in diesem Jahr vom 16. bis 18. August statt. Probieren können Besucher unter anderem „Lukanische Würstchen“, „Perna“ — einen in Honigsoße marinierten Schinken — und „Moretum“ — einen deftig-würzigen Schafskäse mit Kräutern auf Mostbrötchen. Nicht fehlen darf auch der erfrischende Würzwein Mulsum. Die Römer hatten auch bereits das Eis erfunden: frische Früchte, vermischt mit Gletschereis — bei „Salve Abusina“ garantiert es als Erdbeer-Granité eine „zartschmelzende Verführung“. Geöffnet hat im Sommer auch wieder Bayerns „einziger römischer Biergarten“, den Fackeln und Öllampen an den Festabenden in ein besonderes Licht tauchen.

    Bei Regensburg: Älteste römische Brauerei nördlich der Alpen

    Die Römer und Bier? In Bayern, das mit rund 600 Brauereien heute unangefochten die höchste Braudichte in der Bundesrepublik aufweist, hat der Gerstensaft auch eine römische Vergangenheit. Im Westen der UNESCO-Welterbestadt Regensburg, einst als Castra Regina von den Römern gegründet, wird sie erlebbar: In Regensburg-Prüfening sind im Kornweg die Überreste der wahrscheinlich ältesten römischen Brauerei nördlich der Alpen zu sehen.

    Zum Bier hatten die Römer anfangs ein gespaltenes Verhältnis: „Als Getränk haben die Germanen ein schauerliches Gebräu, aus Gerste oder Weizen gegoren, ein Gebräu, welches mit Wein eine sehr entfernte Ähnlichkeit hat“, schrieb Tacitus. Und Kaiser Julian spottete dem Bier mit den Worten: „Wein duftet nach Nektar, Bier aber stinkt nach Bock.“

    Das änderte sich jedoch schnell: Cäsar ließ seinen Gästen Bier in goldenen Pokalen servieren — und versorgte auch seine Truppen stets mit ausreichenden Mengen. Überliefert ist sogar das Rezept eines „Bier-Cocktails“, der einst römische Soldaten stärkte: Er nannte sich „Bilch“ und bestand aus einer Mischung von Bier, Milch und Eiswürfeln. In den zahlreichen Biergärten Ostbayerns wird das Bier heute allerdings allerhöchstens mit Limonade vermischt.

    Die Römer brachten den Weinbau an die Donau

    • © Tourismusprojekt Römerspuren / Kammerer

      Ernte des Baierwein, der im zweitkleinsten Weinbaugebiet Deutschlands an den Südhängen der Donau bei Winzer, Tegernheim, Bach an der Donau und Kruckenberg angebaut wird.

      Traditionell schätzten die Römer auch den Wein — und wollten auch während ihrer Herrschaft im heutigen Ostbayern und Oberösterreich nicht auf ihn verzichten. So pflanzten die Legionäre an den Donauhängen unter anderem bei Regensburg Reben an. „Ad vinitores“ – „Bei den Winzern“, der römische Name des kleinsten Regensburger Stadtteils belegt, dass die Römer den Weinbau an den nördlichsten Punkt der Donau brachten. Die Tradition hat sich bis heute erhalten und ist ein Kuriosum: Die Donauhänge gelten heute als kleinstes Weinbaugebiet Deutschlands, das weingeographisch jedoch zu Franken gehört. In zahlreichen Weinstuben in Orten wie Bach an der Donau lässt sich der Wein auch heute noch verkosten. Das Baierweinmuseum in Bach erzählt die Geschichte des Weinbaus in Altbayern und dessen römische Ursprünge. Auch in Oberösterreich wird bis heute entlang der Donau Wein angebaut.

      „Süße Römer“ erobern Regensburg

      „Einen römischen Durstlöscher nach altem Geheimrezept“ versprechen die Veranstalter der Regensburger Stadtführung „Veni — vidi — vici“. Ein Legionär und eine Römerin — sie sind im wirklichen Leben Geschichtsstudenten der Universität Regensburg — begrüßen dort Touristen in Rüstung und Kleidung nach originalen Vorlagen. Für Gruppen ist diese Führung von „Kulttouren“ über die Regensburg Tourismus GmbH (Tel.: 0941/5073417) buchbar.

      Einen nicht ganz originalen, aber dafür umso originelleren süßen „römischen“ Gruß bietet in der 2.000-jährigen Stadt an der Donau das Café Prinzess, Deutschlands ältestes Kaffeehaus. Die Pralinenkreationen „Toller Römer“ mit fein gehacktem Ingwer, Rahmganache und Bitternougat und die „Römerin“ mit ihrer fruchtigen Weinganache und Mandelnougat begeistern dort seit Jahrzehnten nicht nur Geschichtsenthusiasten.

      Museum mit eigener römischer Rezeptsammlung

      Die Geschichte der maßgeblich durch die Römer beeinflussten Wein- und Biertradition der Region erzählen auch Exponate im Römermuseum Quintana im Landkreis Deggendorf. Bei Events servieren Freunde des Museums dort einen originalen „römischen Soldateneintopf“. Für Schulen bietet das Museum sogar eine eigene kleine römische Rezeptsammlung.

      Dort findet sich zum Nachkochen auch das Rezept für den „Puls fabata“, jenen deftigen Getreide-Gemüse-Eintopf, der vor allem aus Dinkel, Karotten, grünen Bohnen und Speck besteht — und Soldaten Kraft für den Dienst an der Grenze des Imperium Romanum gab. Im Römermuseum „Kastell Boiotro“ in Passau können Kinder bei Ferienaktionen jedes Jahr im Sommer die Geheimnisse der römischen Küche entdecken.

      Römischer Erlebnisführer für die Hosentasche

      Eine neue App — „Römerspuren“ — begleitet Entdecker auf ihrer Tour nicht nur durch die große kulinarische Geschichte der Region. Den innovativen „römischen Reiseführer“ für die Hosentasche haben der Tourismusverband Ostbayern und Oberösterreich Tourismus gemeinsam entwickelt. Die Römerspuren-App ist kostenlos für Android und iOS in den App-Stores verfügbar. Zusätzlich informiert eine gedruckte Übersichtskarte über sehenswerte historische Stätten und lohnenswerte Routen in der „Römerregion“ Ostbayern und Oberösterreich. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit unter www.ostbayern-tourismus.de/roemerspuren.

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      © Regensburger Stadtzeitung