Symbolbild: Pixabay
Die Direktorin des Circus Barelli spricht von Gewalt durch Aktivisten. Ein Video zeigt, wie ein Aktivist geohrfeigt wird. Die Polizei ermittelt.
Regensburg: Nach der Protestaktion während einer Vorstellung des Circus Gebrüder Barelli, über die wir berichtet haben, gehen die Darstellungen des Abends weit auseinander. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs. Zugleich liegt eine Anzeige eines Aktivisten wegen Körperverletzung vor.
Nach Darstellung von Direktorin Ashley Spindler-Barelli mischten sich am Abend des 17. Oktober 30 bis 40 Aktivisten unter die rund 1.000 Gäste und störten die Kamelnummer. Beim Eintreffen der Polizei seien sie geflüchtet. Dabei habe einer eine ältere Frau geschubst, eine andere habe ihre Mutter in den Bauch geschlagen. Das berichtet die Mittelbayerische Zeitung (MZ). Der Polizei waren solche Handgreiflichkeiten auf MZ-Anfrage nicht bekannt.
In einer E-Mail an unsere Redaktion schreibt die Direktorin, bei der Aktion seien Menschen gefährdet und Kinder verängstigt worden. Seit Anfang Oktober seien außerdem Plakate überklebt und abgerissen worden, und es habe Proteste vor den Kassen gegeben.
Die anonyme Tierrechtsgruppe „Kuhlektiv“, die hinter der Aktion steht, widerspricht. Laut ihrer Stellungnahme waren nur 15 Personen beteiligt, und zum Zeitpunkt des Protests seien keine Tiere in der Manege gewesen. In einem Video, das die Gruppe bei Instagram veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie ein Aktivist von einem Mann am Boden festgehalten, von einer Frau durch die Manege gezerrt und geohrfeigt wird. Laut den Aktivisten hatte zuvor der Moderator ein Banner zerrissen und das Publikum um Hilfe gebeten. Der Verein Activists for the Victims, der vor dem Zelt demonstriert hatte, distanziert sich von der Aktion während der Vorstellung.
Die Kritik an der Tierhaltung weist der Zirkus zurück. Er hält nach eigenen Angaben sechs Kamele und sechs Pferde. „Wir haben keine Wildtiere, wir haben Haustiere“, sagte Spindler-Barelli der MZ. Laut Stadt Regensburg wurde der Zirkus zu Beginn seines Gastspiels vom Veterinäramt kontrolliert. Zum Ergebnis äußert sich die Stadt aus Datenschutzgründen nicht.
Die Vorwürfe zu einem Vorfall in Würzburg weist die Direktorin entschieden zurück. Sie sei selbst dort gewesen, die Berichte seien eine „massive Verdrehung der Tatsachen“. Die Main-Post hatte im Mai 2025 über ein Video berichtet, das einen Clown zeigt, der das Publikum nach dem „Zicke Zacke“-Ruf mit „Sieg“ anfeuert. Die damalige Zirkusmanagerin sprach gegenüber der Zeitung von einem harmlosen Scherz, die Szene sei aber aus dem Programm gestrichen worden. Das Polizeipräsidium Unterfranken bestätigte damals eine Anzeige wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Wie die Ermittlungen ausgingen, ist nicht bekannt.
Unsere Redaktion hat dem Zirkus konkrete Fragen zu allen Vorwürfen geschickt, unter anderem zur Tierhaltung, zu Inhalten des Programms und zum Umgang mit Zuschauerinnen. Bis zum Ablauf der Frist am 26. Oktober hat der Zirkus darauf nicht geantwortet. Das Gastspiel in Regensburg wurde bis 8. November verlängert.

