Symbolbild: Adobe Firefly
Die kostenlose WanderKultur-App des Bayerischen Wald-Vereins verknüpft Wanderrouten mit Sagen, Geschichte und Heimatwissen, und jeder kann eigene Geschichten beisteuern.
Wer im Bayerischen Wald unterwegs ist, sieht Gipfel, Kapellen und alte Höfe. Die Geschichten dahinter kennen oft nur die Menschen vor Ort. Der Bayerische Wald-Verein will dieses Wissen nun auf das Smartphone bringen, und zwar an genau die Orte, an denen es spielt. Dafür dient die App „WanderKultur“.
Wie das aussieht, zeigen einige Beispiele. In Schönberg, das wegen seines milden Klimas gern „Meran des Bayerischen Waldes“ genannt wird, plünderten 1648 schwedische Truppen den Ort, 1742 folgten die Panduren, später richteten mehrfach Brände Schäden an. Am 25. April 1945, kurz vor Kriegsende, wurden drei Viertel des Marktes zerstört. Auf dem Oberkanetsberg im Perlbachtal reicht die Geschichte der Hofanlage bis in die Rodungszeit des Klosters Metten im 9. Jahrhundert zurück. Heute stehen dort wieder viele Obstbäume auf alten Streuobstwiesen.
Auch aktuelle Themen kommen vor. An der Trinkwassertalsperre Frauenau erklärt die App, warum die Region trotz reichlich Niederschlag auf Wasserspeicher angewiesen ist. Sie verweist dabei auch auf die Talsperre Nýrsko in Böhmen. In Neuschönau dagegen geht es um Waldgeister, die „Drud“ und den „bluadigen Dammerl“, Geschichten, die man sich früher in langen Winterabenden erzählte und die nun digital bewahrt werden.
Das unterscheidet WanderKultur von gewöhnlichen Wander-Apps. Sie führt nicht nur von A nach B, sondern sammelt Anekdoten, historische Informationen, Bilder, Videos und Tonaufnahmen und ordnet sie Orten und Routen zu. Auch bekannte Ziele erhalten so eine zusätzliche Ebene: Zum Hirschenstein gehören neben Höhenmetern und Aussicht auch die traditionelle Sternwanderung, die Bergmesse und die Ödwieskapelle.
Hinter dem Projekt steht ein großes Reservoir an Wissen. Der 1883 gegründete Verein hat nach eigenen Angaben rund 20.000 Mitglieder. Vieles, was sie über ihre Heimat wissen, steht in keinem Reiseführer. Deshalb kann grundsätzlich jeder mitmachen, der eine Geschichte kennt, die nicht verloren gehen soll. Beiträge lassen sich über die Internetseite einreichen und werden dann passenden Orten und Touren zugeordnet.
Inzwischen führt die App durch weite Teile des Bayerischen Waldes und darüber hinaus. Die Touren lassen sich nach Region und Thema auswählen, von Kunst- und Literaturwegen über Kapellen- und Winterwanderungen bis zu grenzüberschreitenden Routen nach Böhmen. Wer im Funkloch unterwegs ist, kann die Touren vorab herunterladen und offline nutzen.
Die WanderKultur-App ist kostenlos für gängige Betriebssysteme erhältlich. Weitere Informationen und eine interaktive Übersicht gibt es unter wanderkultur.de
Dieser Beitrag beruht auf einer Mitteilung des Bayerischen Wald-Vereins.

