Nachgefragt | Sommer ohne Freibad?

Nachgefragt | Sommer ohne Freibad?

Regensburg im Corona-Ausnahmezustand. Erst neulich wurden die Ausgangsbeschränkung gelockert und die Atemschutzmaskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Alle Infos unter www.regensburger-stadtzeitung.de. Jetzt, da es wärmer wird, trifft man auf immer mehr Menschen auf den Regensburger Plätzen und Straßen.

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Es wird Sommer. Noch ist die Bereitschaft in der Bevölkerung groß, die staatlich verordnete Häuslichkeit und die Kontaktbeschränkungen einzuhalten. Doch was passiert, wenn die Temperaturen sich wieder sommerlichen Spitzenwerten nähern und sich in der Stadt sengende Hitze breitmacht, aber die Freibäder geschlossen bleiben müssen? Wie werden die Menschen darauf reagieren? Wir fragten bei den Regensburgern nach.

Holger, Jona und Luisa Zimmermann (v. li.)

Sommer ohne Freibad? „No go!“ Das Freibad ist allerdings egal, „aber die Donau werden wir auf jeden Fall benutzen.“ Zum Glück gibt es eine große Wohnung mit Garten, „hurra!“ Eigentlich wollten sie nach Kreta. Und die kleine Jona in den Oman oder die Cousine besuchen. „Aber Familie besuchen ist Luxus geworden.“ Einen Urlaubsersatz gibt es nicht. „Ansonsten genießen wir die Zeit wie jetzt auch. Wir hoff en nur auf gutes Wetter.“ Voll ausgelastet oder Langeweile? „Voll ausgeglichen“, antworten sie. Aber wenn alles vorbei ist, wird erstmal eine riesen Party gefeiert. „Dann nehmen wir hoff entlich die positiven Seiten des Wandels mit und machen nicht weiter wie vorher.“

Sofia de Raad

„Die Donau ist schon das beste Freibad.“ Sie braucht im Sommer nur die bekannten Flüsse oder Seen, sofern die nicht auch gesperrt sind. „Aber beim kompletten Lockdown hätte ich ein Problem.“ Und zwar mit ihrer dann überhitzten Dachkammer. Mexiko und Barcelona hätten als Reiseziel angestanden. „Wenn man Glück hat, gehts noch mit dem Camper durch Europa.“ Und wenn alles vorbei ist: „Bar, Bar, Bar, Bar, Bar ...“

Anke Conradi und Tobias Michel

Sie ist Schwimmerin. „Ich bräuchte das auf jeden Fall.“ Aber dann fährt sie eben an den Weiher. „Bei mir wird es im Sommer mit meiner Wohnung lustig“, bemerkt er sarkastisch. Urlaubsziel haben und hatten sie beide keines. Er würde den Urlaub im Ausland theoretisch sogar verbieten, um die deutsche Wirtschaft nach dem Schock wieder anzukurbeln, sprich: die Gastronomie und das Hotelgewerbe. Während der Ausgangsbeschränkung hat sie viel zu tun, geht immer noch ihrer Arbeit nach. Sie wechselt zwischen Homeoffice und Arbeitsplatz. Er ist nicht voll ausgelastet, er hat aber auch keine Langeweile. Wenn alles vorbei ist, geht er erst einmal mit seinen Kindern auf den Spielplatz. Sie will ihre Eltern besuchen. Die gehören nämlich zur gefährdeten Gruppe.

Sophie Unger und Teresa Mayer (v. li.)

„Wir gehen lieber in die Donau. Mit Sicherheitsabstand wird das auf jeden Fall gehen.“ Beide haben sie einen Balkon, der im Sommer für Erfrischung sorgen muss. Sophie wollte auf La Palma mit ihrem Vater eigentlich wandern, alternativ geht wohl auch Zelten zu zweit. „Oder jeder in seinem eigenen Zelt.“ Teresa wollte mit Freunden nach Kroatien. Daraus wird vielleicht ein Roadtrip mit ihrem Freund. „Durch Deutschland, wenn es nicht anders geht.“ Bis jetzt sind beide voll ausgelastet. „Aber der Ausgleich fehlt“, erklärt Teresa. „Bars, Freunde, Festivals, Konzerte, öffentliche Veranstaltungen, aber auch einfach Leute in der Uni treffen – das fehlt.“ Aber wenn es vorbei ist, fährt sie erst einmal richtig in Urlaub mit allem drum und dran. Schön wärs, denn Sophie muss erst ihre Praktika nachholen, weil die sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Andrea Reichl und Daniel Smolnik

Sommer ohne Freibad, „das ist nicht so cool.“ Im wörtlichsten Sinne. Oder: „Sommer ohne Baden ist scheiße.“ Aber es gibt ja noch den Baggersee. Ihre Wohnung ist recht kühl, aber ohne Garten und Balkon wird sie sich öfter mal rauswagen. Er hat ein kleines Appartement mit Südseite und Taubenproblem. „Deshalb werde ich viel rausgehen, spazieren.“ Urlaub war bei beiden noch nicht geplant – dann kam ohnehin Corona. Sie: „Wenn möglich, mache ich Urlaub in Deutschland. Vielleicht gehts ja im August.“ Er: „Auch so ähnlich.“ Denn bis jetzt ist beiden langweilig. Dagen gibt es Netflix, Lesen, Spazierengehen und Kochen. Wenn alles vorbei ist, trifft sie zuerst die Familie und Freunde und geht feiern. Für ihn soll es ein Konzert sein irgendwo.

Linda Graf

Zu einem Sommer ohne Freibad gibt sie ein klares „Ja! Ich würde eh nicht ins Freibad gehen. Wenn, dann an einen See. Auf der Wiese kann man sich weit auseinanderlegen, je nachdem, was Vorschrift ist.“ Auch die große Wohnung sollte im Sommer kein Problem darstellen. Eigentlich wollte sie nach Italien, an den Gardasee. Die Alternative? „Deutschland. In Regensburg bleiben.“ Zur Zeit ist sie ohnehin voll ausgelastet. Homeoffice. Weniger Arbeit bedeutet das für sie nicht. Wenn alles vorbei ist, geht sie mit Freunden grillen und die Zeit mit ihnen genießen. Das macht sie auch jetzt schon, aber immer nur mit einem gleichzeitig.

Marianna Orcskai und Peter Mester

Statt Freibad suchen sich die beiden im Sommer etwas Ruhigeres, Natürlicheres. „Seen oder so, wo wenig Leute sind.“ Sie haben eine Dachwohnung. „Nicht klein, aber im Sommer unerträglich warm.“ Dann heißt es: „durchlüften, Eis essen, rausfahren, abkühlen.“ Seit mehreren Jahren wollen sie nun schon ans kroatische Meer. Realistischer wäre Ungarn, woher die beiden stammen. „Wir leben jetzt unser Quarantäneleben“, sagt er. Er ist Metallarbeiter und kann gerade nicht arbeiten. Sie ist als Lehrerin im Homeoffice. „Manchmal, wie jetzt, gehen wir raus.“ Wenn alles vorbei ist, können sie sich endlich wieder mit Freunden treffen, sagen sie, und eine große Grillparty machen. „Und die Freunde wieder umarmen.“

Rainer Lorenz

Er und seine Frau werden im Sommer ihren Badesee aufsuchen. „Das geht angeblich schon, habe ich heute gelesen“, sagt er. Sie haben eine Wohnung mit Balkon, die sich nicht besonders aufheizt. „Natürlich ist das auch keine Alternative zum Freibad“, sagt er. Wäre alles noch beim Alten, wäre er mit seiner Frau nach Albanien geflogen. „Eine geführte Rundreise. Aber wir haben einen Camper und machen, wenn es geht, was anderes. Aber das steht noch in den Sternen.“ Auch als Rentner ist ihm nicht langweilig. „Lesen, spazierengehen, Stadtgänge mit Eisessen“, sagt er, das kann man auch jetzt noch machen. Wenn alles vorbei ist, „gibts ein großes Familienessen. Dann treffen wir uns wieder mit den Kindern.“

(lnw)

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