Die Liga der wahren Helden

Die Liga der wahren Helden

Eine Regensburger Initiative ermöglicht geistig behinderten Kindern und Jugendlichen auch im Jahr der Fußball-WM den Spaß am Kicken und die direkte Begegnung mit ihren großen Vorbildern.

Sie nennen sich "Team Bananenflanke". Die aus Regensburg stammenden Initiatoren eines bundesweit einzigartigen Fußballprojekts für behinderte und sozial benachteiligte Kinder erinnern damit nicht nur an die berühmten Zuspiele des Ex-Nationalspielers Manni Kaltz. Der schlug den Ball seinerzeit mit einer Flugbahn krumm wie eine Banane in den gegnerischen Strafraum. "Wir wollen vor allem auch deutlich machen, dass im Leben unserer Jugendlichen nicht alles ‚gerade" läuft", sagen Stefan Plötz und Ben Rückerl. Die beiden Heilerziehungspfleger hoben das Projekt "Bananenflanke" vor sieben Jahren aus der Taufe. Mittlerweile ist aus der Idee für ein Spiel eine Erfolgsgeschichte geworden, die die beiden niemals vorausgeahnt hatten.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Handicap stehen regelmäßig für die Bananenflanken-Liga auf dem Spielfeld: "Durch erlebnispädagogische Einflüsse sollen außergewöhnliche Emotionen geweckt werden und dazu beitragen, Persönlichkeit und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Der Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls steht dabei im Vordergrund", sagt Stefan Plötz. Beim Fußball rückten Krankheiten und Behinderungen in den Hintergrund. "Es entsteht eine ganz spezielle Atmosphäre und für die Jugendlichen ein besonderes Glücksgefühl", so Plötz.

Entstanden sind mittlerweile eine eigene Liga und ein enges Netzwerk zu vielen großen Fußballstars. Eines der Bananenflanken-Vereinsmitglieder besuchte sein großes Idol Per Mertesacker, als der noch aktiv kickte. Der Nationalspieler, der auch beim Titelgewinn 2014 auf dem Platz stand, war tief beeindruckt von der Begegnung: "Fußball kann so viel mehr sein als das berühmte Hinterherrennen von 22 Spielern nach dem Ball", sagt Mertesacker. Auch Bastian Schweinsteigers Bruder Tobias, der mehrere Jahre in Regensburg spielte und heute Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern München ist, schwärmt: "Das ganze Projekt imponiert mir." 2015 zeichnete der Bundespräsident die Idee sogar mit dem "Großen Stern des Sports" aus.

Von Anfang an hatten die Initiatoren ein großes Ziel: ihre Bananenflanken-Liga sollte ein Vorbild für ganz Deutschland sein: "Die Kids stehen im Mittelpunkt und sollen sich wie richtige Profis fühlen, um ihnen getreu dem Bananenflanken-Effekt ein positives Selbstwertgefühl, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu schenken", sagt auch Ben Rückerl. Die Punktspiele werden auf öffentlichen Plätzen ausgetragen auf einem mobilen Soccer-Court. Möglichst professionelle Trainingsbedingungen mit eigenem Jugendtrainer und Profispielern als Paten lassen den "König Fußball" für die Jugendlichen zum außergewöhnlichen Erlebnis werden.

In vielen Städten gibt es bereits Kooperationen: in der Gründungsstadt der Initiative beispielsweise mit dem SSV Jahn Regensburg, der aktuell in der zweiten Bundesliga spielt. Seit dem Jahr 2016 ist die "Bananenflanken-Liga" an mehr als 15 Standorten in ganz Deutschland präsent. Im Rahmen des deutschlandweiten Bananenflanken-Liga-Cups spielen alle Regionalmeister den Deutschen Meister aus. Der Traum der beiden Initiatoren: noch mehr "Bananenflanken-Teams" Starthilfe zu geben und die Spielklasse als "Liga der wahren Helden" national noch mehr zu etablieren.

  • gepostet am: Freitag, 22. Juni 2018

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