Vor Sonnenaufgang

Vor Sonnenaufgang

06.04.2019 (Premiere), Theater am Bismarckplatz, 19.30 Uhr

Berlin, 20. Oktober 1889: Im Zuschauerraum der Freien Bühne am Lessing-Theater bricht ein tosender Tumult aus. Menschen schreien durcheinander, leisten sich wahre Wortschlachten und diskutieren sich die Köpfe heiß; ein im Parkett sitzender Arzt wirft aus Protest gar seine Geburtszange auf die Bühne. Diese Aufregung war der Uraufführung des Sozialdramas „Vor Sonnenaufgang“ geschuldet. Der Skandal machte den jungen Dramatiker Gerhart Hauptmann über Nacht bekannt und etablierte den Naturalismus auf den deutschen Bühnen.

Nun hat sich ein ebenfalls junger Dramatiker daran gemacht, diesen Klassiker des deutschen Naturalismus zu überschreiben: Der bekannte und preisgekrönte Theaterautor Ewald Palmetshofer erhielt dafür den Auftrag vom Theater Basel. Der Stoff eignet sich bestens für eine Grundüberarbeitung, denn im Original steht die heute nicht mehr zeitgemäße Determinationslehre rund um das Thema Alkohol. Palmetshofer möchte den Stoff dem heutigen Zuschauer nahebringen: Dafür dringt er zum Kern des Stückes durch und holt die Grundsituation der Familie Krause in die Gegenwart. Er konzentriert sich ganz auf die zwischenmenschliche Ebene.

Die Familienhölle

Der Beginn des Stücks erinnert eher an eine Familiensoap mit den üblichen Neckereien zwischen den Mitgliedern, doch schnell wird klar, dass die verschiedenen Protagonisten in dieser heilen Stubenwelt alles andere als glücklich sind. Mit klarer und moderner Sprache zeigt sich eine Familienhölle, in der der Alkoholismus nur noch eine Begleiterscheinung ist, vielmehr steht das Thema Depression im Raum. Mit wissenschaftlicher Präzision nimmt Palmetshofer diese modernen Menschen ins Visier.

Und doch geht am Ende unbarmherzig die Sonne auf

Alfred Loth besucht seinen ehemaligen Studienfreund Thomas Hoffmann, der auf die Niederkunft seiner Frau Martha wartet. Zwischen dem linken Journalisten und dem rechtspopulistischen Politiker entbrennt bald ein Streit, der exemplarisch für unsere auseinanderdriftende Gesellschaft steht. Während des Besuchs entspinnen sich auch zärtliche Gefühle zwischen Loth und Marthas jüngerer Schwester Helene. Palmetshofer hält die Lupe nicht auf die unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Gesinnungen, sondern auf das, was darunter brodelt: Hoffmanns Hass auf und Angst vor Loth, der seine Karriere vernichten könnte, ist ebenso greifbar wie Loths feige, heimliche Flucht kurz vor der Totgeburt, als er vom Familienarzt vor der gesundheitlichen Lage der Familie gewarnt wird. Und doch geht am Ende unbarmherzig die Sonne auf und die Welt dreht sich weiter, so als wäre nichts geschehen.

Robert Teufel (Regie)

Studierte Theater-, Politik- sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er assistierte am Nationaltheater Mannheim und am Schauspiel Frankfurt. Seit 2014 arbeitet Robert Teufel als freier Regisseur, u.a. am Theater in Osnabrück, Münster, Bamberg, Paderborn und Freiburg sowie am Nationaltheater Mannheim, dem Staatstheater Karlsruhe, dem Schauspiel Frankfurt, dem Stadttheater Bremerhaven und am Landestheater Schwaben.

Michael Lindner (Bühne)

Absolvierte während seines Studiums Hospitanzen am Schauspiel Hannover und erarbeitete einige freie performative Arbeiten mit Studenten der Szenischen Künste in Hildesheim. Es folgte eine Ausstellung mit intermedialen Rauminstallationen in Hannover. Nach einer Assistenz am Theater Regensburg wechselte Michael Lindner an das Staatstheater Kassel, wo er Ausstattungen für „Die Geschichte vom Onkelchen“ und „Saffran und Krump“ entwickelte und für die Oper „Die tote Stadt“ (Regie: Markus Dietz) für die Videogestaltung verantwortlich zeichnete. Am Theater Regensburg entwarf er die Ausstattung zu „Homevideo“ und in der Spielzeit 2016/17 das Bühnenbild für Elfriede Jelineks „Winterreise“ (Regie: Mia Constantine), an den Wuppertaler Bühnen folgte die Ausstattung für „Warten auf Godot“ (Regie: Volker Schmalöer) und am Staatstheater Kassel für „Am Boden“ in der Regie von Markus Dietz. In der Spielzeit 2017/18 war er wieder fest als Assistent in der Ausstattung am Theater Regensburg engagiert und zeichnete für die Bühnenbilder von „Glückliche Tage“ und „Pünktchen und Anton“ sowie für Video in „Vermögend“ und „Edgar“.

Seit der Spielzeit 2018/19 ist Michael Lindner Ausstattungsleiter am Theater Regensburg und entwarf zuletzt die Bühne für „Die Schneekönigin“. Er ist Träger des Preises der Bundeskanzlerin im Europawettbewerb für Gestaltung.

Rebekka Zimlich (Kostüme)

Absolvierte an der Bekleidungsfachschule Aschaffenburg ihre Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin. Nach Praktika bei Hüte und Kostüme in Hamburg und dem Staatstheater Nürnberg arbeitete sie als freie Ausstattungsassistentin. Von 2010 bis 2012 war Rebekka Zimlich als Ausstattungsassistentin am Nationaltheater Mannheim beschäftigt sowie von 2013 bis 2016 als Bühnenbildassistentin an der Staatsoper Hannover. An beiden Häusern entstanden bereits einige eigene Arbeiten. Seit 2016 ist Rebekka Zimlich freie Bühnen- und Kostümbildnerin. Mit Robert Teufel arbeitet sie seit einigen Jahren, unter anderem am Nationaltheater Mannheim, Theater Osnabrück und Landestheater Memmingen zusammen. „Vor Sonnenaufgang“ ist ihre erste Arbeit am Theater Regensburg.

Bildunterschrift

Robert Teufel, der Regisseur des Stücks.

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