Von Krieg und Frieden, Freud und Leid

Von Krieg und Frieden, Freud und Leid

15.04.–07.07.2019, Bayerische Staatsbibliothek, München

Von „Krieg und Frieden, Freud und Leid“ erzählt der dritte Teil der Ausstellung „Gott, die Welt und Bayern“, der seit dem 15. April in den Schatzkammern der Bayerischen Staatsbibliothek zu sehen ist. Die Exponate stammen aus den Sammlungen der zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns, darunter ein filigraner Silbereinband eines Augsburger Goldschmieds, eine Karikatur E. T. A. Hofmanns aus seiner Bamberger Zeit, ein handgeschriebener Brief Bertolt Brechts an seine Jugendliebe sowie ein Regensburger Kriegskochbüchlein von 1915.

Die Ausstellung zeigt auch für Bibliotheken eher ungewöhnliche Sammelobjekte. Aus Aschaffenburg kommt eine Statuette des chinesischen Gottes des langen Lebens, Shou Lao (18. Jh.), aus Bamberg ein Faltfächer mit ostasiatisch anmutender Zeichnung (18. Jh.) und aus Dillingen eine Gemmen-Sammlung in Buchform (18. Jh.). Das Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden illustrieren Exponate mit Bezug auf den Westfälischen Frieden wie das Augsburger Kinderfriedensfest ebenso wie Dokumente aus den verheerenden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Das Regensburger Kriegskochbüchlein von Marie Buchmeier ist ein sprechendes Zeugnis für den eklatanten Mangel, unter dem die Bevölkerung im Ersten Weltkrieg litt. Ein während des Zweiten Weltkriegs im Lager Mauthausen/Gusen entstandenes Album mit karikaturistischen Aquarellen eines polnischen Häftlings veranschaulicht auf bewegende Weise den Lageralltag der für die Rüstungsindustrie ausgebeuteten Zwangsarbeiter.

Alltagsszenen aus der „Hölle von Gusen“

So wird eine von französischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs, die in Regensburg inhaftiert waren, herausgegebene Zeitung zu sehen sein. Erstmals werden überdies etwa Bilder aus dem Regensburger Messerschmittwerk gezeigt, die aus dem Nachlass eines der letzten Werksdirektoren, Theo Croneiß (1894–1942), stammen. Diese stark von nationalsozialistischer Propaganda beeinflussten Fotografien werden kontrastiert mit karikaturistisch gestalteten Kunstwerken eines polnischen Zwangsarbeiters, Frantisek Znamirowski, der für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie Sklavenarbeit verrichten musste. Der Konzentrationslagerhäftling widmete die Zeichnungen mit Alltagsszenen aus der „Hölle von Gusen“ dem Regensburger Karl Seider. Dieser war, nach Znamirowski, in dieser zutiefst inhumanen Umgebung der einzige Deutsche, der Menschlichkeit zeigte.

Der Leiter der Staatlichen Bibliothek Regensburg, Dr. Bernhard Lübbers, kuratierte zusammen mit Dr. Bettina Wagner, der Leiterin der Staatsbibliothek Bamberg, das Gesamtprojekt „Gott, die Welt und Bayern“. Die Ausstellung zeigt noch bis zum 7. Juli 2019 Bestandshighlights der zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken in Bayern, erstmals vereint in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Die zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns sind der Bayerischen Staatsbibliothek in München unmittelbar nachgeordnet. Zu ihnen zählen die Staatlichen Bibliotheken in Amberg, Ansbach, Neuburg an der Donau, Passau und Regensburg sowie die Hofbibliothek Aschaffenburg, die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, die Staatsbibliothek Bamberg, die Landesbibliothek Coburg und die Studienbibliothek Dillingen. Als wissenschaftliche Bibliotheken dienen sie der Informations- und Literaturversorgung sowie der Sicherung, Erhaltung und Pflege wertvoller historischer Bestände. Die Bibliotheken verwahren wertvolle Handschriften und Frühdrucke, herausragende Sondersammlungen und bedeutende Nachlässe. Sie erfüllen eine wesentliche kulturpolitische Funktion, indem sie für jeweils eine bestimmte Region zuständig sind und Publikationen, die dort entstanden sind oder einen inhaltlichen Bezug zur Region haben, möglichst vollständig sammeln. Der Eintritt ist frei.

15. April 2019 – 7. Juli 2019
Krieg und Frieden, Freud und Leid. Sammelobjekte des 17. bis 20. Jahrhunderts

Öffnungszeiten
Mo–Fr 11–18 Uhr, So 13–17 Uhr (an Feiertagen geschlossen)

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Extrablatt Nr. 34: Der Krieg ist eröffnet, dt.
    Regensburg: Josef Habbel, 1914
    Regensburg, Staatliche Bibliothek, ZM/4Rat.civ.398(1914

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Bamberger Fasching im Vormärz
    Bamberg: Johann Baptist Lachmüller, 1837
    Farblithographie auf Papier
    Bamberg, Staatsbibliothek, MvO.Bamb.f.15, Bl. 7

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Bamberger Fasching im Vormärz
    Bamberg: Johann Baptist Lachmüller, 1837
    Farblithographie auf Papier
    Bamberg, Staatsbibliothek, MvO.Bamb.f.15, Bl. 15

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Johann Wolf u. Bernhard Meyer: Naturgeschichte der Vögel Deutschlands
    Der weibliche Uhu von Johann Mathias Hergenröder
    Nürnberg, 1805-1821
    Kupferstich auf Papier
    Tafelband mit kolorierten Kupfertafeln
    Amberg, Provinzialbibliothek, Hist.nat. 261(1, Tafel 36

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Geometrischer Plan: Des in einem grossen Sumpfe bestandenen (…) und trocken gelegten Donauer-Mooses
    vermutlich 1794
    Kupferstich auf Papier
    Neuburg, Staatliche Bibliothek, P04/Neob. 257

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Jean Baptiste Denis: The Royal ABC, engl.
    Hannover?, 1715
    Handzeichnung auf Pergament
    Ansbach, Staatliche Bibliothek (Schlossbibliothek), MS. hist. 383

  • © Bayerische Staatsbibliothek

    Ordre du Jour vom 24. April 1809
    Flugblatt mit dem Tagesbefehl Napoleons
    Papier
    Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Rat.civ.640n=Präs.

    Die Staatliche Bibliothek Regensburg

    Die Staatliche Bibliothek Regensburg zählt mit ca. 500.000 Medien zu den großen kulturellen Institutionen in Regensburg und der Region. Gegründet 1816 ist die Bibliothek mit mehr als 90.000 Drucken mit Erscheinungsjahr vor 1800, mehr als 1.000 Handschriften und Autographen sowie etwa 7.000 Altkarten eine Schatzkammer des gedruckten Kulturerbes der Region. Sie verschließt sich aber auch der Transformation des anvertrauten Wissens in das digitale Zeitalter nicht. Neben vielen anderen Digitalisierungsprojekten wurden gemeinsam mit der Bayerischen Staatsbibliothek und Google etwa 70.000 urheberrechtsfreie Drucke digitalisiert und über den Onlinekatalog zur Verfügung gestellt. Damit nimmt die Staatliche Bibliothek Regensburg eine Spitzenstellung in der Bereitstellung digitaler Medien unter allen kulturellen Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland ein. Ferner erfüllt die Staatliche Bibliothek die Aufgabe als Archivbibliothek nach dem Bayerischen Pflichtstückegesetz für den Regierungsbezirk Oberpfalz. D. h. von jedem veröffentlichten Werk der Region wird ein Exemplar dauerhaft in der Staatlichen Bibliothek verwahrt und steht einer öffentlichen Nutzung zur Verfügung.

    Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa 14–18 Uhr

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