„Verborgene Doppelbilder“ – Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie deckt bemalte Rückseiten auf

„Verborgene Doppelbilder“ – Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie deckt bemalte Rückseiten auf

21.07.–08.09.2019, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

- Anzeige -
Es ist nichts Unübliches, dass ein Künstler seine Leinwand von beiden Seiten bemalt. Meist bekommt der Museumsbesucher jedoch nur eine davon zu sehen. In der Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie sind vier Gemälde bereits so installiert, dass sie beidseitig betrachtet werden können. Die Ausstellung „Verborgene Doppelbilder“ deckt nun weitere Rückseiten auf. Zum Vorschein kommen vielfach Skizzen, aber auch vollendete Motive. Manchmal geben Notizen, Stempel oder Klebezettel wichtige Hinweise auf Herkunft, Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte. Die Ausstellung schlüsselt beispielhaft solche Spuren auf und gibt dem Besucher Einblick in diesen beinahe detektivischen Bereich der kunsthistorischen Arbeit.

Beidseitig bemalte Leinwände oder Holztafeln sind eine wenig bekannte, aber nicht seltene Kuriosität. Augenblicklich eine neue Idee zu fixieren, ist ein häufiger Impuls, so greifen Künstlerinnen und Künstler oft nach einem vorhandenen Gemälde und bemalen die Rückseite. Noch öfter stecken jedoch ökonomische Gründe hinter einer Wiederverwendung. Beispielsweise bekannte sich der Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner zu dieser Praxis: „Auch ich muss etwas sparen jetzt und das Material ist sehr kostspielig geworden. Aber die Leinwand hat Gott sei Dank 2 Seiten“. Knapp 140-mal nahm Ernst Ludwig Kirchner die Rückseite als weitere Malfläche.

  • Ida Kerkovius: Madonna mit Engeln (recto)

    Ida Kerkovius: Madonna mit Engeln (recto)

    1943 Öl auf Leinwand, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

    © Familienarchiv Kerkovius, Wendelstein, Uwe Kerkovius (Foto: Studio Zink)
  • Ida Kerkovius: Figur u. Aktfiguren in Landschaft unvoll. (verso)

    Ida Kerkovius: Figur u. Aktfiguren in Landschaft unvoll. (verso)

    Öl auf Leinwand, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

    © Familienarchiv Kerkovius, Wendelstein, Uwe Kerkovius (Foto: © Studio Zink)

    In der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie finden sich einige „Doppelbilder“. Die Rückseite nutzen die Künstlerinnen und Künstler für verwandte Motive, aber auch für völlig neue Kompositionen. Die einen wurden ausgearbeitet, die anderen dienten als Skizzen oder blieben unvollendet. Gelegentlich wurde dabei ein Querformat zu einem Hochformat oder andersherum. Teilweise fiel die Entscheidung, die vermeintliche Rückseite zur Vorderseite zu machen.

    Die Dauerausstellung im ersten Obergeschoss zeigt Beispiele von Conrad Felixmüller, Ludwig Meidner, Adolf Hölzel und Otto Mueller. Die Präsentation „Verborgene Doppelbilder“ richtet nun den Blick auf Sammlungsstücke, die größtenteils noch nie von beiden Seiten gezeigt wurden. Der Bogen spannt sich vom frühen 20. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre und umfasst Werke von Moriz Melzer, August Brömse, Hans Hartig, Richard Seewald, Jakob Steinhardt, Artur Degner, Gory von Stryk, Ida Kerkovius, Max Radler und Hans Fronius.

    - Anzeige -

    Oft ist es gerade die Rückseite mit interessanten Notizen, Stempeln oder Etiketten, die wichtige Hinweise zu Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte liefert. Sie gibt Auskunft darüber, wo Bilder ausgestellt oder gelagert wurden, in welchen Sammlungen sie sich befanden, wann und wo der Rahmen entstanden ist – alles wichtige Belege für die Provenienzrecherche. In der Ausstellung wird die Herkunft jeweils aufgezeigt. Ein Klebezettel, der noch eine weitere Frage aufwirft, findet sich bei dem Gemälde von Ida Kerkovius: Aus der Sicht des Betrachters platzierte die Künstlerin ihn etwas unsensibel mitten in ihre unvollendete Figurenszene. Als ob sie dieses Motiv auf der Rückseite völlig ignorieren würde, notierte sie hier, was mit der „Madonna mit Engeln“ auf der Vorderseite nach ihrem Tod geschehen sollte. Hätte sie die Rückseite jemals öffentlich präsentiert?

    Blick in die Ausstellung Verborgene Doppelbilder 1 Kopie
    © Kunstforum Ostdeutsche Galerie / Gabriela Kašková

    Begleitprogramm

    Die Ausstellung eröffnet Dr. Agnes Tieze, Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie, mit einer Matinee am Sonntag, 21. Juli um 11 Uhr. Am gleichen Tag um 15 Uhr lädt das Museum zu einer Mitmachführung für Groß und Klein ein. Einen kurzen Überblick über die Ausstellung gibt Dr. Agnes Tieze am Mittwoch, 24. Juli bei der Mittagspause im Museum um 13 Uhr. Kurzführungen durch die Schau gibt es auch bei den beiden REWAG-Nächten: Bei der REWAG-Klassik im Park am Freitag, 2. August startet das Führungsprogramm ab 19 Uhr, bei der REWAG-Nacht in Blau am Samstag, 3. August bereits ab 18 Uhr.

    Könnte Sie auch interessieren

    Kultour weitere Artikel

    Neu im Kino | August/September 2019

    Neu im Kino | August/September 2019

    Lust auf Kino, aber keine Ahnung, was kommt? In unserer Filmvorstellung hat die Redaktion die neuesten und besten Filme für Sie ausgewählt.

    >> weiterlesen

    Tipps für das Pantoffelkino | August/September 2019

    Tipps für das Pantoffelkino | August/September 2019

    Diesen Monat überschwemmen wieder dutzende neue DVDs den Markt. Um den Überblick behalten zu können, hat unsere Filmredaktion eine kleine Auswahl getroffen.

    >> weiterlesen

    16. Töpfermarkt beim Prösslbräu

    16. Töpfermarkt beim Prösslbräu

    „Qualität ohne Kompromisse, die große Vielfalt des Angebotes und eine fast schon unzeitgemäße Überschaubarkeit“. Dies sind die bewährten Kriterien des Veranstalters für die Auswahl der Teilnehmer am Töpfermarkt.

    >> weiterlesen

    Filmnächte an der Naab – Open Air Kino

    Filmnächte an der Naab – Open Air Kino

    Bei den Filmnächten an der Naab können Filmbegeisterte vom 1. bis zum 18. August täglich unter freiem Himmel ein wechselndes Filmangebot genießen. Eine 16 x 8 m große Leinwand, Funkkopfhörer und 500 frei wählbare Sitzplätze laden in die Kreisstadt Schwandorf ein.

    >> weiterlesen

    Im Glöckl-Zelt auf der Herbstdult

    Im Glöckl-Zelt auf der Herbstdult

    Ein besonderes Schmankerl wird am 1. September mit der Bundesmusikkapelle Mariatal aus der Gemeinde Kramsach im Tiroler Unterland mit derzeit 63 aktiven Musikantinnen und Musikanten und ihrer besonderen Wipptaler und Unterländer Tracht erwartet.

    >> weiterlesen

    „Verborgene Doppelbilder“ – Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie deckt bemalte Rückseiten auf

    „Verborgene Doppelbilder“ – Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie deckt bemalte Rückseiten auf

    Es ist nichts Unübliches, dass ein Künstler seine Leinwand von beiden Seiten bemalt. In der Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie sind nun mehrere Gemälde so installiert, dass sie beidseitig betrachtet werden können.

    >> weiterlesen

    Ostbayerischer Festspielsommer

    Ostbayerischer Festspielsommer

    In kaum einer anderen Region ist das Publikum theaterfreudiger als in Ostbayern. Rund 30 Festspielorte unter freiem Himmel begeistern allein in diesem Jahr in Niederbayern und der Oberpfalz

    >> weiterlesen

    Deutsch-Französische Begegnungen – ein binationales Fotografieprojekt

    Deutsch-Französische Begegnungen – ein binationales Fotografieprojekt

    Mit der deutsch-französischen Fotoausstellung „Begegnung-Rencontre“ werden künstlerische Begegnungen deutscher und französischer Studierender gezeigt. Die jungen Fotografinnen und Fotografen beschäftigen sich spielerisch mit der Vielfalt deutsch-französischer Klischees, kulturellen...

    >> weiterlesen

    Das Jubiläums-Konzertprogramm der 30. BR-Radltour

    Das Jubiläums-Konzertprogramm der 30. BR-Radltour

    Die 30. BR-Radltour mit 1100 Teilnehmern führt in diesem Sommer über sieben Etappentage vom oberfränkischen Bad Staffelstein nach Bad Füssing in Niederbayern. In jedem Tourort warten auf alle Radler und Besucher hochkarätige Events und Popkonzerte bei freiem Eintritt.

    >> weiterlesen

    Ausstellung & Museum weitere Artikel

    „Verborgene Doppelbilder“ – Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie deckt bemalte Rückseiten auf

    „Verborgene Doppelbilder“ – Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie deckt bemalte Rückseiten auf

    21.07.–08.09.2019, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

    Es ist nichts Unübliches, dass ein Künstler seine Leinwand von beiden Seiten bemalt. In der Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie sind nun mehrere Gemälde so installiert, dass sie beidseitig betrachtet werden können.

    >> weiterlesen

    Deutsch-Französische Begegnungen – ein binationales Fotografieprojekt

    Deutsch-Französische Begegnungen – ein binationales Fotografieprojekt

    28.06.–18.10.2019, Mensa an der Uni, Mo–Fr: 7–15 Uhr

    Mit der deutsch-französischen Fotoausstellung „Begegnung-Rencontre“ werden künstlerische Begegnungen deutscher und französischer Studierender gezeigt. Die jungen Fotografinnen und Fotografen beschäftigen sich spielerisch mit der Vielfalt deutsch-französischer Klischees, kulturellen Gewohnheiten und unterschiedlichen Formen menschlichen Miteinanders.

    >> weiterlesen

    „Primäre Gesten“

    „Primäre Gesten“

    22.03.–30.08., Alexander Tutsek-Stiftung, München

    „Gesten“ sind kommunikative Signale des Körpers, kleine Akte der Verständigung und des Handelns, die Zeichen der Freundschaft setzen, des Respekts, der Empathie oder der Distanz. Der Künstler Robert Rauschenberg ging Anfang der 1980er Jahre nach China mit dem Wunsch, ein solches Zeichen zu setzen.

    >> weiterlesen

    Katharina Sieverding – Deutschland wird deutscher

    Katharina Sieverding – Deutschland wird deutscher

    26.05.–08.09.2019, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

    Katharina Sieverding agiert mit der Fotografie im Spannungsfeld von Geschichte und Politik, Individuum und Gesellschaft. Anfang der 1990er Jahre setzte sie mit ihrer Arbeit „Deutschland wird deutscher“ einen deutlichen Akzent gegen das Aufkeimen nationalistischer Gesinnung.

    >> weiterlesen

    Lascaux – Die Bilderwelt der Eiszeit

    Lascaux – Die Bilderwelt der Eiszeit

    17.04.–08.09.2019, Kleine Olympiahalle, München, 10–17 Uhr (montags geschlossen)

    Seit 1979 zählt die Höhle von Lascaux zum Weltkulturerbe der UNESCO. Obwohl sie für die Öffentlichkeit geschlossen ist, macht eine aufwändige, detailgetreue Rekonstruktion die einzigartige Bilderwelt nun trotzdem erlebbar.

    >> weiterlesen

    Nachgefragt | Außen pfui, innen – naja

    Nachgefragt | Außen pfui, innen – naja

    Eine Annäherung ans Haus der Bayerischen Geschichte: Das neue Museum am Donaumarkt zeigt Schönes, Überraschendes und Witziges – aber auch manche Peinlichkeit

    >> weiterlesen

    Das Abenteuer Kunst beginnt am Bahnhof

    Das Abenteuer Kunst beginnt am Bahnhof

    donumenta eröffnet ART LAB Gleis 1–9 / Ausstellung von Marcus Kaiser

    >> weiterlesen

    Tag 1 im Haus der Bayerischen Geschichte

    Tag 1 im Haus der Bayerischen Geschichte

    Rund 3.500 BesucherInnen auf Entdeckertour am Eröffnungstag. Mit kämpfenden Soldaten und wiehernden Pferden im Ohr beginnt die Zeitreise im Obergeschoß mit den napoleonischen Kriegen um 1800 und der Entstehung des Königreichs Bayern 1806.

    >> weiterlesen

    Werke aus der Sammlung von Klaus Caspers im Patientenhaus

    Werke aus der Sammlung von Klaus Caspers im Patientenhaus

    Wo Menschen sich begegnen und Nähe finden sollen, darf der Kunst eine vermittelnde Wirkung beigemessen werden. So sind im Patientenhaus der Leukämiehilfe Ostbayern e. V. Kunstwerke aus der afrikanischen Sammlung von Klaus Caspers eingezogen.

    >> weiterlesen

    © Regensburger Stadtzeitung