Das neue Ausstellungsjahr 2019 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Das neue Ausstellungsjahr 2019 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

17.03.2019–12.01.2020, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

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Ein vielschichtiges Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg im kommenden Jahr. Drei Kabinettausstellungen bieten zwischen März und September die Gelegenheit, die faszinierenden Entstehungshintergründe ausgewählter Werke aus dem Bestand des Museums zu erkunden. Eines davon ist die großformatige Arbeit „Deutschland wird deutscher“ von Katharina Sieverding, die durch ihre interdisziplinäre mediale Kunstpraxis zur Erweiterung des Kunstbegriffs beigetragen hat. Im Oktober eröffnet das Museum die Highlight-Ausstellung des Jahres, die ebenfalls einer bemerkenswerten Künstlerin gewidmet ist: „Zwischen Freiheit und Moderne. Die Bildhauerin Renée Sintenis“.

1. Kabinettausstellung: „Ludwig Richter und Julius Schnorr von Carolsfeld – eine Künstlerfreundschaft“
17. März bis 23. Juni 2019

Ludwig Richters (1803–1884) Gemälde „Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal (Auszug der Sennen)“ (1827) gehört zu den Vorzeigestücken der deutschen Romantik. Ähnlich wie seine Zeitgenossen Caspar David Friedrich oder Joseph Anton Koch fand auch Richter sein Motiv in den wilden Bergszenerien. Die liebliche Tallandschaft mit einer friedlichen Bauerngesellschaft steht im drastischen Kontrast zu den zerklüfteten Hochgebirgsgipfeln.

Bei gemäldetechnologischen Untersuchungen konnten jüngst Unterzeichnungen sichtbar gemacht werden. Die Vorstudien zu den Figurenszenen dokumentieren den Einfluss von Julius Schnorr von Carolsfeld (1794–1872), einem Kollegen und Freund Richters, dessen Spezialgebiet die Figurenmalerei war. Die Kabinettausstellung führt den kreativen Austausch der Künstlerfreundschaft anhand der Infrarotreflektografie, ausgewählten Kunstwerken sowie Ludwig Richters Aufzeichnungen vor Augen.


2. Kabinettausstellung: Katharina Sieverding: „Deutschland wird deutscher“ (1992)
26. Mai bis 8. September 2019

Seit über fünfzig Jahren agiert Katharina Sieverding (*1944) mit der Fotografie im Spannungsfeld von Geschichte und Politik, Individuum und Gesellschaft. Vor dem Hintergrund rechtsradikaler Tendenzen Anfang der 1990er Jahre setzte Sieverding mit ihrer vierteiligen Arbeit „Deutschland wird deutscher“ einen deutlichen Akzent gegen das Aufkeimen nationalistischer Gesinnung. Die inszenierte Fotografie mit einem von Messern bedrohten Selbstbildnis der Künstlerin unter der plakativen Überschrift, die einem „ZEIT“-Artikel entlehnt ist, sollte im Sommer 1992 auf der internationalen Skulpturenausstellung „Platzverführung“ in achtzehn verschiedenen württembergischen Gemeinden präsentiert werden. Aus Sorge um ein öffentliches Missverständnis stimmte allerdings nur eine Gemeinde zu.

Die Ausstellung will sich mit der Entstehungs-, Bedeutungs- und Rezeptionsgeschichte dieser wichtigen Arbeit näher beschäftigen. Versionen von der Vorstufe bis hin zur medienwirksamen Plakatierungsaktion in Berlin 1993 sollen hierbei vorgestellt werden. Denn Sieverdings Werk hat bis heute an Wirkkraft nicht verloren. Die Frage nach der kulturellen und geistigen Identität und Weite der deutschen Nation ist angesichts der politischen Entwicklungen aktueller denn je.

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3. Kabinettausstellung: „Verborgene Doppelbilder“
21. Juli bis 8. September 2019

In der Ende 2017 eröffneten Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie konnten einige beidseitig bemalte Gemälde, darunter Werke von Ludwig Meidner, Adolf Hölzel, Otto Mueller oder Conrad Felixmüller, erstmals so installiert werden, dass dauerhaft sowohl die Vorder- als auch die Rückseite zu sehen ist. Die Kabinettausstellung knüpft an diesen Aspekt an und versammelt weitere solche Werke, die nicht in die Dauerausstellung aufgenommen werden konnten oder Arbeiten, die nur mit der Vorderseite integriert sind.

Oft ist es gerade die Rückseite mit interessanten Notizen, Stempeln oder Klebezetteln, die wichtige Hinweise auf Herkunft, Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte liefert. Die Kabinettausstellung schlüsselt beispielhaft solche Spuren auf und gibt dem Besucher Einblick in diesen beinahe detektivischen Bereich der kunsthistorischen Arbeit.


Highlight-Ausstellung: „Zwischen Freiheit und Moderne. Die Bildhauerin Renée Sintenis“
12. Oktober 2019 bis 12. Januar 2020

Renée Sintenis (1888–1965) gehört zur ersten Generation von Frauen, die die Bildhauerei professionell ausüben durften. Vor allem ihre kleinformatigen Tierplastiken machten sie zur gefragten Künstlerin. Zudem gilt sie als meistfotografierte Frau der Weimarer Republik: Ihre große, schlanke Erscheinung im Herrenanzug mit Bubikopf verkörperte den Inbegriff der „Neuen Frau“ der 1920er Jahre und machte sie zum androgynen Medienstar.

Höchsten Ausdruck findet die tiefe Verbundenheit der Künstlerin mit Berlin im „Berliner Bär“, ihrem wohl bekanntesten Werk. Die plastische Umsetzung des Wappentieres der Stadt wurde zum Hauptwerk der letzten beiden Lebensjahrzehnte der Künstlerin. Der Bär mit den erhobenen Tatzen avancierte in den 1950ern zur Symbolfigur der Stadt. Seither wird eine kleinere Version, der Berlinale-Bär, bei den Berliner Filmfestspielen als Trophäe vergeben.

Die Ausstellung nähert sich dem Œuvre von Renée Sintenis aus unterschiedlichen Perspektiven. Mehr als die Hälfte ihrer Werke stellen kleinformatige Tierplastiken dar. Doch nur mit den vielzähligen Frauen-, Knaben- und Sportlerfiguren sowie den Porträts und grafischen Arbeiten wird ihrem komplexen Schaffen vollständig Rechnung getragen.


Begleitprogramm:

Das Ausstellungsprogramm begleiten vielfältige Veranstaltungen, Führungen und Workshops für unterschiedliche Zielgruppen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Kindern und Familien. Ab 2019 bietet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie eine erweiterte Auswahl an Schulprogrammen an. Neben dem Schwerpunkt Kunst und Kunstgeschichte liefern die Kunstwerke der Schausammlung auch Anhaltspunkte für die Auseinandersetzung mit kulturhistorischen Themen im geschichtlichen und aktuellen Kontext. Die insgesamt fünf Programme aus diesem Bereich widmen Fragen rund um Identität oder Heimat, beleuchten die Zeit der so genannten „Goldenen Zwanziger“ oder führen virtuell durch Kafkas Prag. Gemeinsam mit KreBeKi, der Stiftung für kranke und behinderte Kinder in Bayern, veranstaltet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie auch 2019 Inklusive Workshops.

Die REWAG-Nacht in Blau und die REWAG-Klassik sind auch 2019 die beiden Veranstaltungs-Highlights des Jahres. Am Freitag, 2. August und Samstag, 3. August, steigt im Stadtpark rund um das Kunstforum das große Kulturfest. Die Besucherinnen und Besucher können sich wie immer auf ein ansprechendes Programm mit Musik, Tanz und Auftritten verschiedenster Künstler freuen.

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Baumaßnahmen

Anfang 2019 beginnt der nächste Abschnitt der Baumaßnahmen, der voraussichtlich bis Ende 2020 dauern wird. Das Gesamtbudget beträgt  4,5 Millionen €. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien beteiligt sich mit 2.250.000 Euro, der Freistaat Bayern mit 1.350.000 Euro und die Stadt Regensburg mit 900.000 Euro.

Die Maßnahmen betreffen den sogenannten Grafiktrakt, die Kunsthalle und das Verwaltungsgebäude aus dem Baukomplex des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. Die genannten Teile sollen aus sicherheitstechnischen und funktionalen Gründen modernisiert und umgebaut werden, es handelt sich um keine gestalterische Baumaßnahme. Im sogenannten Grafiktrakt werden die Klima- und Beleuchtungsverhältnisse dem aktuellen Standard angepasst, damit die Räumlichkeiten wieder für hochwertige Kunstausstellungen genutzt werden können. Die Kunsthalle bzw. Anbindung einzelner Gebäudeteile, darunter auch zum Grafiktrakt, sollen komplett barrierefrei erschlossen werden. Das Ziel ist es auch, einzelne Raumbereiche im Erdgeschoss besucherfreundlicher zu gestalten.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bemüht sich, während der Baumaßnahme den Ausstellungsbetrieb weitestgehend ohne Einschränkungen aufrechtzuerhalten.

Bildunterschriften

Titelbild: Ludwig Richter: Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal (Auszug der Sennen), 1827, Öl auf Leinwand, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Leihgabe aus Privatbesitz. (Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie / Wolfram Schmidt, Regensburg)

Bild 1: Ludwig Richter: Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal (Auszug der Sennen), 1827, Rahmenrückseite, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Leihgabe aus Privatbesitz (Foto: Kunstforum Ostdeutsche Galerie / Wolfram Schmidt, Regensburg)

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