Der Freischütz

Der Freischütz

Theater am Bismarckplatz

Bildunterschrift: In Regensburg inszenierte der Regisseur Matthias Reichwald u. a. „Die Zauberflöte“, „IPHIGENIE – Triumph und Trauma“ und „Un ballo in maschera“.

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In einer durch den Krieg gezeichneten Gesellschaft versuchen der junge Jäger Max und Agathe, die Tochter des Erbförsters, ihre Hoffnung auf ihr gemeinsames Glück zu verwirklichen. Doch die beiden sind gefangen in patriarchalen Strukturen und können sich von gesellschaftlichen Erwartungen nicht befreien. Um Agathe heiraten zu können, muss Max den traditionellen Probeschuss bestehen und beweisen, dass er nicht nur Agathe, sondern vor allem der Erbförsterei würdig ist.

Ihre Traditionen zu hinterfragen, ist die durch Kriegserfahrungen traumatisierte Gesellschaft nicht im Stande. Der Krieg hat den Menschen jegliche Sicherheit genommen, aus der sie Mut und Stärke schöpfen könnten: Dem Fortbestand ihrer Umwelt können sie sich ebenso wenig sicher sein wie der Beständigkeit der eigenen Person. Im Krieg hat der Teufel leichtes Spiel, denn er kehrt die dunklen Seiten des Menschen hervor. Einer, der diese Erfahrungen machen musste, ist der Jäger Kaspar. Max hingegen steht an der Schwelle zwischen Hoffnung und Furcht. Doch letztendlich kann auch er seine Ängste nicht hinter sich lassen. Um beim Probeschuss nicht zu versagen, gießt er mit Kaspars Hilfe heimlich magische Freikugeln und begibt sich so ebenfalls in die Hand des Teufels. Er verliert damit auch die Möglichkeit zu selbstbestimmtem Handeln, denn: Nur sechs Kugeln gehören dem Schützen – die Siebte lenkt der Teufel selbst.

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„Der Freischütz“ ist Nationaloper, Geisterspuk und Menschheitsdrama. In Max’ und Agathes verzweifeltem Versuch, dem unerbittlichen Schicksal zu entkommen, offenbart sich die Ohnmacht einer ganzen Generation. Mit Max’ Grenzüberschreitung in die unheilvolle Geistersphäre vollzieht Weber im Jahr 1821 zugleich den Schritt in die musikalische Romantik, was ihn zum Wegbereiter Richard Wagners macht. Gekonnt stellt Weber dabei das konventionelle Idyll der Jägersleute – als eindrückliches Bild der erstarrten traditionellen Gesellschaftsstrukturen – der abgründigen Geisterwelt gegenüber, deren emotionalen Höhepunkt die berühmte Wolfsschlucht-Szene bildet: Schaurige Geisterchöre treffen hier auf innovative Kompositionsformen und düsteratmosphärischen Orchesterklang. „Der Freischütz“ überschreitet Grenzen musikalischer Konventionen und definiert neu, woraus sich die Wirkung des musikdramatischen Werkes speist. Schönheit, die sich aus einer formellen musikalischen Einheit ergibt, reicht Weber nicht mehr aus. Die Spannung seines Werkes erwächst aus den psychologischen Tiefen der Figuren, die keiner äußeren rationalen Logik folgen müssen. Träume und Ängste verlassen die Welt des Verstandes und öffnen den Raum hin zu übermächtigen, bedrohlichen und schauerlichen Sphären. Nicht mehr die einzelnen Figuren, sondern eindringlich umgesetzte Stimmungsbilder werden dadurch zu den wahren Akteuren in Webers romantischer Oper.

Matthias Reichwald (Regie)

Reichwald wurde 1981 in Magdeburg geboren und erhielt über zwölf Jahre Unterricht in Klavier, Komposition und Chorleitung am städtischen Konservatorium. Er studierte in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und arbeitete seit 1999 u. a. in Dresden, Magdeburg, Potsdam, Halle, Köln, Zürich sowie in Berlin an der Schaubühne, dem Maxim Gorki Theater und dem Deutschen Theater. Seit 2009 ist er darüber hinaus Dozent für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Matthias Reichwald spielte in mehreren Inszenierungen, die zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden und war 2011 zum Schauspieler des Jahres nominiert. Nach seiner Tätigkeit als Hausregisseur am Nationaltheater Weimar 2005–2009 inszenierte er u. a. am Theater Rudolstadt, am Staatsschauspiel Dresden sowie am Mozarteum in Salzburg.
In Regensburg inszenierte Matthias Reichwald u. a. „Die Zauberflöte“, „IPHIGENIE – Triumph und Trauma“ und „Un ballo in maschera“.

Chin-Chao Lin (Musikalische Leitung)

Lin ist seit der Spielzeit 2018/19 Generalmusikdirektor am Theater Regensburg. 1987 in Taitung (Taiwan) geboren, absolvierte er im Alter von sechzehn Jahren ein Studium im Fach Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz (Prof. Martin Sieghart) und setzte seine Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste fort (Prof. Johannes Schlaefli). 2011 gewann er den zweiten Preis beim 1. Nationalen Symphonieorchester-Wettbewerb in Taiwan, den dritten Preis beim 5. Internationalen Witold-Lutosławski-Wettbewerb für junge Dirigenten in Polen und den Publikumspreis der Leipziger Volkszeitung beim Deutschen Operettenpreis 2014 (Musikalische Komödie, Leipzig). Lin nahm an Meisterkursen von Bernard Haitink, Pierre Boulez, Peter Eötvös, David Zinman, Kurt Masur und Marc Albrecht teil. 2013 wurde er Stipendiat des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats und besuchte Meisterkurse bei Markus Poschner, Kristjan Järvi, Johannes Kalitzke, Roland Seiffarth und Mark Stringer. Assistenzen führten ihn zu Daniel Raiskin (Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz), David Zinman (Tonhalle Orchester Zürich), Günther Herbig (National Symphony Orchestra Taiwan), Peter Eötvös (Lucerne Festival Academy Orchestra) und Lothar Zagrosek (Junge Deutsche Philharmonie). Chin-Chao Lin arbeitete mit so renommierten Orchestern wie u. a. Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz, Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, National Taiwan Symphony Orchestra (NTSO), National Symphony Orchestra of Taiwan (NSO), Lucerne Festival Academy Orchestra, Janáček Philharmonic Orchestra, Musikkollegium Winterthur, Het Gelders Orkest, Bialystok Symphony Orchestra. Von 2016 bis 2018 war Chin-Chao Lin als 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD am Meininger Staatstheater tätig.

Alexandre Corazzola (Bühne und Kostüme)

Corazzola (geb. 1978) wuchs in Düsseldorf, München und Wien auf. Mit 17 Jahren wanderte er in die USA aus, wo er im Jahre 2005 sein Master-Diplom von der renommierten New York University erhielt.
Wieder zurück in Europa, assistierte er zunächst bei den Salzburger Festspielen, bei Pina Bausch, an der Wiener Staatsoper, an der Schaubühne Berlin und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Bald folgten selbständige Arbeiten u. a. in München, Berlin, Hamburg, Dresden, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart, Mannheim, Graz, Strasbourg und Paris.
Alexandre Corazzola ist Alumnus der Deutschen Bank Stiftung und des Internationalen Forums beim Theatertreffen 2011. Die von ihm ausgestatteten Produktionen „Von Mäusen und Menschen“ (Regie: Alexander Riemenschneider, 2009) und „Faust“ (Regie: Jan Friedrich, 2016) wurden jeweils für den Faust-Preis in der Kategorie „Beste Kinder- und Jugendinszenierung“ nominiert.

Michael Lindner (Video)

Lindner absolvierte während seines Studiums Hospitanzen am Schauspiel Hannover und erarbeitete einige freie performative Arbeiten mit Studenten der Szenischen Künste in Hildesheim. Es folgte eine Ausstellung mit intermedialen Rauminstallationen in Hannover. Nach einer Assistenz am Theater Regensburg wechselte Michael Lindner an das Staatstheater Kassel, wo er Ausstattungen für „Die Geschichte vom Onkelchen“ und „Saffran und Krump“ entwickelte und für die Oper „Die tote Stadt“ (Regie: Markus Dietz) für die Videogestaltung verantwortlich zeichnete. Am Theater Regensburg entwarf er die Ausstattung zu „Homevideo“ und in der Spielzeit 2016/17 das Bühnenbild für Elfriede Jelineks „Winterreise“ (Regie: Mia Constantine), an den Wuppertaler Bühnen folgte die Ausstattung für „Warten auf Godot“ (Regie: Volker Schmalöer) und am Staatstheater Kassel für „Am Boden“ in der Regie von Markus Dietz. In der Spielzeit 2017/18 war er wieder fest als Assistent in der Ausstattung am Theater Regensburg engagiert und zeichnete für die Bühnenbilder von „Glückliche Tage“ und „Pünktchen und Anton“ sowie für Video in „Vermögend“ und „Edgar“.
Seit der Spielzeit 2018/19 ist er Ausstattungsleiter am Theater Regensburg und entwarf zuletzt die Bühne für „Die Schneekönigin“.
Michael Lindner ist Träger des Preises der Bundeskanzlerin im Europawettbewerb für Gestaltung.

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