{"id":508,"date":"2026-09-26T12:14:32","date_gmt":"2026-09-26T10:14:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.regensburger-stadtzeitung.de\/?p=508"},"modified":"2026-09-26T12:48:11","modified_gmt":"2026-09-26T10:48:11","slug":"der-baum-der-zu-viel-wollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.regensburger-stadtzeitung.de\/index.php\/der-baum-der-zu-viel-wollte\/","title":{"rendered":"Der Baum, der zu viel wollte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss dem Feldahorn in Stadtamhof eines lassen: Er hat wirklich Nerven. Seit hundert Jahren steht er einfach so in diesem Innenhof herum, w\u00e4chst, spendet Schatten, beherbergt Flederm\u00e4use \u2013 und hat dabei offenbar nie bedacht, dass ihm eines Tages ein Bautr\u00e4ger im Weg stehen k\u00f6nnte. Reichlich r\u00fccksichtslos, dieser Baum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Gl\u00fcck gibt es das passende Gutachten. \u201eWenig erhaltenswert&#8220;, steht da \u2013 eine Diagnose, die bei einem hundertj\u00e4hrigen Organismus mit sichtbar dichter Krone und aktivem Fledermaus-Kino ungef\u00e4hr so \u00fcberzeugend klingt wie ein T\u00dcV-Gutachten, das einem gut erhaltenen Oldtimer wegen theoretischer Rostgefahr die Verschrottung empfiehlt. Aber wer wollte schon der Wissenschaft misstrauen, nur weil der Baum selbst offensichtlich nichts von seiner angeblichen Gebrechlichkeit wei\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders sch\u00f6n ist ja das Prinzip \u201eEigentumsrecht schl\u00e4gt Baumrecht&#8220; \u2013 ausgesprochen von einer gr\u00fcnen B\u00fcrgermeisterin, wohlgemerkt. Das hat schon fast die Eleganz eines Zen-Koans: Der Baum darf bleiben, solange es dem Eigent\u00fcmer recht ist. Und weil das eher selten der Fall ist, bleibt als Kompromissangebot der Stadt im Wesentlichen: Man bedauert es sehr. Ausf\u00fchrlich sogar, wie man h\u00f6rt, in mehreren \u00c4mtern gleichzeitig. Bedauern ist bekanntlich CO2-neutral und kostet keine Baugenehmigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch h\u00fcbsch: Der Gestaltungsbeirat, der von Amts wegen genau festlegen darf, wie eine Baul\u00fccke geschlossen werden muss \u2013 bis auf den Zentimeter, versteht sich. Nur beim Baum, der seit einem Jahrhundert an genau dieser Stelle w\u00e4chst, fehlt pl\u00f6tzlich die gestalterische Fantasie. Vielleicht, weil ein Baum sich schlecht in ein Bebauungsplan-PDF pressen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immerhin gibt es Hoffnung: Ein Gericht hat k\u00fcrzlich einer anderen Regensburger Eiche attestiert, dass sie f\u00fcrs Stadtklima ziemlich wichtig sei. Nicht rechtskr\u00e4ftig zwar, Berufung l\u00e4uft, aber immerhin ein Achtungserfolg f\u00fcr die B\u00e4ume dieser Stadt \u2013 die inzwischen offenbar bessere Anw\u00e4lte brauchen als mancher Mensch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bleibt Richard Schottenloher, der Mann mit dem Fledermaus-Video und der Klage. Sein Vorschlag: ein paar Wohnungen weniger, daf\u00fcr eine Luftschneise und ein lebendiger Baum. Klingt vern\u00fcnftig \u2013 weshalb er in dieser Debatte vermutlich der einzige ist, der wirklich beide Seiten mitdenkt. Der Feldahorn selbst h\u00e4lt sich derweil an sein bew\u00e4hrtes Programm: wachsen, Schatten spenden, Flederm\u00e4use beherbergen. Trotzig unvern\u00fcnftig, dieser Baum. Hundert Jahre alt und offenbar v\u00f6llig beratungsresistent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kommentar von (sg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man muss dem Feldahorn in Stadtamhof eines lassen: Er hat wirklich Nerven. 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