Der Dreck von den Tribünen

Der Dreck von den Tribünen

"Der Jahn von unten" Teil 2: Die Truppe sorgt für Wohlfühl-Atmoshäre in der Continental-Arena

Ekel darfst du in dem Job keinen haben. Wenn es darauf ankommt, muss Maan Emmel (51) mit seinen Einweg-Handschuhen auch mal richtig tief in den Dreck langen. Etwa, wenn die Auswärtsfans sich einen Spaß daraus machen, die Toiletten zu verstopfen. „Da läuft dann alles raus, was normalerweise in der Schüssel runtergespült wird“, sagt Emmels Chef Andreas Wittwer (50). Er ist der Boss einer siebenköpfigen Truppe, die die Continental-Arena nach den Jahn-Spielen saubermacht. Die Stadtzeitung hat sie bei einer Schicht begleitet.

Die Arbeit beginnt für die meisten Mitarbeiter der „AGS Regensburger Hausmeisterdienste“ nicht unmittelbar nach dem Abpfiff, sondern erst am darauffolgenden Montag. Grund: An den Spieltagen müsste der Jahn als Auftraggeber Wochenend- und Sonntagszuschläge zahlen, die Reinigung wäre deutlich teurer. „So haben die meisten unserer Leute am Wochenende frei, das tut ihnen auch gut“, sagt Geschäftsführer Wittwer.
Nur ein kleiner Trupp ist am Spieltag unterwegs, vor dem Einlass der Fans werden noch einmal alle Sitze abgewischt. „Den Staub von der Autobahn, den kannst du nicht vermeiden“, weiß Wittwer. „Da musst du eben noch mal mit dem Tuch drüber.“ Die Leute wollen sich ja wohlfühlen beim SSV.

Taubenplage auch im Stadion

Auf anderen Sitzen liegt nicht nur Staub. Wittwer: „Den Tauben gefällt es ganz offenbar ganz gut in der Arena. Sie kreisen und lassen halt was fallen.“ Falkner waren mit ihren Greifvögeln schon da, die die Ratten der Lüfte vertreiben sollten. Keine Chance. Waren die Falken weg, kamen die Tauben wieder.
Mit ihnen der Vogeldreck. Und wer sitzt schon gern in dem? Also rücken die AGS-Angestellten auch da kurz vor Öffnung der Tore mit dem Putztuch an.
Besonders pingelig müssen sie auf der Osttribüne sein. Dort befinden sich die mit Leder überzogenen VIP-Sitze. „Eine Karte kostet da 160 Euro“, sagt Wittwer. „Die Leute, die das bezahlen, haben natürlich eine hohe Erwartung. Der müssen wir gerecht werden.“
Auch bei Aufräumen nach dem Spiel gilt dem Bereich besonderes Augenmerk. „Da stehen auch Aschenbecher für die Raucher. In denen darf kein Fitzelchen Asche mehr drin sein.“

Großreinemachen am Montag

Zurück zum Großputz am Montag: Um 8 Uhr morgens rücken die Saubermänner an, bei einem normalen Spiel reicht ihnen ein Tag, bis alles wieder blitzt. Als Dynamo Dresden Mitte September in die Arena kam, dauerte es eineinhalb Tage. Wittwer: „Da war es voll. Und ausverkauft bedeutet immer mehr Arbeit. Dann sind mit allen, die hier im Stadion arbeiten, den Sicherheitskräften und den Zuschauern rund 16.500 Menschen da. Und 16.500 Menschen hinterlassen eben Dreck.“
Maan Emmel ist mit seinem Reinigungswagen im Laufschritt zu den Toiletten hinter der Hans-Jakob-Tribüne unterwegs, auf der die Heimfans stehen. Der gebürtige Palästinenser putzt Kloschüsseln und die Waschbecken, wischt den Boden, füllt Toilettenpapier und Papier-Handtücher nach. Letzteres macht der kleine Trupp der Putzkolonne auch am Spieltag. Dabei geht aber ein Mann nie aufs Damenklo und eine Frau muss nicht zwischen die pinkelnden Männer.
Jetzt kümmert sich ein Kollege um den Sanitätsraum, in dem an den Spieltagen eigentlich immer jemand zu versorgen ist, ein anderer macht im Fanshop sauber, der an den Spieltagen auch stets stark besucht wird. Im Umlauf des Stadions sind vor den Essensständen Ketchup und Senf-Rückstände am Boden und an den Wänden wegzumachen. Manche von den Servietten weht es auch direkt auf das Spielfeld. Die werden mit der Hand aufgeklaubt.
Drei Mitarbeiter sind mit dem Laubbläser auf den Tribünen unterwegs, rücken den Servietten, Pommes-Schachteln, Pizza-Tellern, Zigarettenkippen und den Reklamezetteln zu Leibe, die bei jeder Begegnung auf den Sitzplätzen liegen und früher oder später zu Konfetti verarbeitet werden.
Parallel steigen sie auf der West-, der Ost- und der südlichen Hans-Jakob-Tribüne von ganz oben durch die Reihen nach unten. Bozo Goric (40) bläst in der Ost-Ecke das Papier zu großen Haufen. „Heute ist es nicht schlimm“, sagt der Kroate. Was ist schlimm? „Erbrochenes. Aber auch daran gewöhnst du dich.“

Am schlimmsten ist der Auswärtsbereich

Am meisten zu tun gibt es im Gästebereich. Auswärtsfahrer sind Hardcore-Fans. Sie hinterlassen Spuren ihres Vereins in Form von Aufklebern und Schmierereien auf den Herrrenklos unter der Nordtribüne. Unzählige Graffitis verunstalten die Toiletten-Container. Der Sinn der sogenannten Tags? Der erschließt sich wohl erst nach dem achten Bier. Die Papperln kriegen die Putzleute nach jedem Spieltag gut weg, bei den Schriftzügen tun sie sich schwerer.
Deutlich besser sieht es übrigens im Damenklo der Auswärtsfans aus. Ein Aufkleber am Spiegel über dem Waschbecken, sonst nichts. Keine Edding-Parolen an der Wand – das ist schon fast steril.
Am Zaun vor dem Gästeblock hängen zahlreiche Fetzen. „Die stammen von den Banderolen oder Zaunfahnen, die die Fans erst anbringen und dann abreißen“, erklärt Andreas Wittwer. Die Eckstücke bleiben hängen. Auswärtsfans zünden auch immer wieder bengalische Feuerwerke. „Die hinterlassen natürlich Spuren, wenn es zu arg wird, nehmen wir den Hochdruckreiniger.“ Der kommt in der Winterpause und im Sommer routinemäßig zum Einsatz, bei Besonderheiten auch öfter.
Das letzte Heimspiel im September hatte so eine Besonderheit. Ein Braunschweiger Fan war am eigens für die Auswärts-Einpeitscher aufgestellten Podest hochgeklettert, um eine Zaunfahne abzumachen. Er krachte aus mehreren Metern Höhe auf den betongepflasterten Boden. Das Blut des Schwerverletzten klebt dort bei der Eckfahne noch am Boden. „Das muss weg, das kann ja nicht so bleiben“, sagt Wittwer. Der Dampfstrahler wird die Spuren des Fan-Dramas entfernen.

Pfandflaschen als Zubrot

Viel Geld ist mit dem Putzdienst nicht zu machen. Wittwer ist Jahn-Sponsor, hat einen Einlaufteppich, bekommt ab und zu einen Einspielfilm. „43.000 Euro kostet mich das Ganze, wenn ich alles zusammenrechne, bringe ich abzüglich der Einnahmen noch Geld mit.“
Dafür sind die Regensburger Hausmeisterdienste dank „Sky“ und der Sportschau samstags in vielen Wohnzimmern der Republik präsent.
Auch die in der Reinigungsbranche Beschäftigten gehören nicht zu den Spitzenverdienern. Das weiß ihr Chef und lässt ihnen deshalb ein kleines Zubrot. Die Pfandflaschen und Bierbecher, die sie zwischen den Sitzen finden, können sie behalten. „Was sie damit machen, ist ihre Sache; ein paar Euro sind das auch.“

Selten mal ein Dankeschön

Die Fans danken den Putzleuten ihre Arbeit so gut wie nie, Jahn-Organisationschef Andreas Motter hingegen habe schon öfter gesagt, er finde es im Stadion „sehr sauber“. Das schönste Lob.
Andere sind da deutlich zurückhaltender: Immer wieder finden die Reinigungsmänner Geldbeutel mit Ausweisen und Bankkarten. Die geben sie dann beim Stadionbetreiber ab. Andreas Wittwer hat kurz nach Beginn der vergangenen Saison eine Business-Karte eines Doktors aus München unter den VIP-Plätzen entdeckt. „Ich habe sie ihm per Einschreiben geschickt. Bedankt hat er sich bis heute nicht.“ (ssm)

  • gepostet am: Mittwoch, 04. Oktober 2017

Magazin weitere Artikel

Das Fürstliche Christkind wird gesucht

Das Fürstliche Christkind wird gesucht

Seit vielen Jahren schon lockt der „Romantische Weihnachtsmarkt“ im Fürstlichen Schloss die Besucher in Scharen an. Allabendlich gibt es eine wunderschöne Tradition: Das Fürstliche Christkind taucht in einem traumhaften Gewand wie aus dem Nichts aus einer Wolke über den Besuchern auf, begrüßt die Gäste mit einem Gedicht, verabschiedet sich mit einer ausholenden Geste und versprüht dabei funkelnden Sternenstaub.

>> weiterlesen

"Wir wollen die richtig ärgern!"

Gutgelaunt zeigten sich Cheftrainer Achim Beierlorzer und Pressesprecher Martin Koch vor der Partie am Sonntag, 15.10.2017, in der Continental Arena gegen Union Berlin.

>> weiterlesen

Romantischer Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn & Taxis

Ohne Anstehen über den VIP-Eingang in den Markt: Jetzt Tickets sichern für den „Romantischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis“

+++ Einzel- und Premiumtickets sowie ermäßigte Tickets an den Vorverkaufsstellen erhältlich +++

Spätestens wenn es überall nach Zimt und Vanille duftet, knisterndes, wärmendes Feuer die Menschen ein Stück enger zusammenrücken lässt, ist es nicht mehr weit bis zum „Romantischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis“! Wer vor Ort langes Schlange stehen vermeiden will, kann schon jetzt mühelos und ohne lange Wartezeiten die Eintrittskarten im Voraus erwerben.

>> weiterlesen

Es läuft beim Kneitinger ...

Es läuft beim Kneitinger ...

Wie immer am ersten Donnerstag im Oktober: Traditionell zog ein Achtspänner Ziegen-Fuhrwerk und ein Pferde-Vierspänner mit dem gewaltigen Fass zum Rathaus, um von dort das Stadtoberhaupt, derzeit Gerdtrud Maltz-Schwarzfischer, zum 67sten Bockanstich ins Mutterhaus am Arnulfsplatz abzuholen.

>> weiterlesen

Die jungen Wilden - FUMA 28

Die jungen Wilden - FUMA 28

So eine richtig hippe Modestadt ist Regensburg ja nun nicht unbedingt. Und gerade im Bereich urbaner Streetwear könnte man hier durchaus Aufholbedarf unterstellen: Wie gut, dass sich mit FUMA 28 nun ein junges Label anschickt, auf diesem Gebiet mal ein bisschen abzuliefern!

>> weiterlesen

Mega-Flop

Mega-Flop "Challenge"

Stadt kann aus unbeliebter Veranstaltung nicht aussteigen/Veranstalter kontert entsprechende Forderung mit unverholener Arroganz/Rechtsreferent bedauert Abschluss der Vereinbarung

Er hat die Schnauze voll! Dominik M., 26 und Feuerwehrmann aus dem südlichen Landkreis, sagt: „Für den Schmarrn steh‘ ich nicht mehr zur Verfügung!“ Der Schmarrn, von dem er spricht, ist die „Challenge“ der Purendure Event GmbH & Co KG. Die Veranstaltung, die von Stadt und Landkreis mit rund einer halben Million Euro pro Jahr gefördert wird. Eine Menge Geld für eine von der breiten Mehrheit als völlig sinnfrei und überflüssig erachtete Triathlon-Veranstaltung, die sich an einen äußerst überschaubaren Teilnehmerkreis richtet und bei der nach Expertenmeinung erhoffte Werbe- und Wertschöpfungseffekte ausbleiben. Nun sollte im Stadtrat über den Ausstieg aus der unpopulären Chose abgestimmt werden. Doch das geht gar nicht. Grund: Der wegen der Korruptionsaffäre zumindest vorläufig geschasste OB Joachim Wolbergs hat offenbar für die Stadt einen Vertrag geschlossen, der sie nahezu ohne Kündigungsmöglichkeit zu Millionenleistungen verpflichtet!

>> weiterlesen

Endlich: Hartl ist raus!

Endlich: Hartl ist raus!

Nach einem Antrag der Stadtrats-CSU stimmte nach langem Zaudern auch die SPD für die Enfernung ihres Ex-Chefs aus den Aufsichtsrären/Stadtzeitung forderte Entlassung als Erste/Fraktionsvorsitzende der Grünen eierte herum/Sparkassen-Posten noch in der Schwebe

>> weiterlesen

Der Dreck von den Tribünen

Der Dreck von den Tribünen

Ekel darfst du in dem Job keinen haben. Wenn es darauf ankommt, muss Maan Emmel (51) mit seinen Einweg-Handschuhen auch mal richtig tief in den Dreck langen. Etwa, wenn die Auswärtsfans sich einen Spaß daraus machen, die Toiletten zu verstopfen. „Da läuft dann alles raus, was normalerweise in der Schüssel runtergespült wird“, sagt Emmels Chef Andreas Wittwer (50). Er ist der Boss einer siebenköpfigen Truppe, die die Continental-Arena nach den Jahn-Spielen saubermacht. Die Stadtzeitung hat sie bei einer Schicht begleitet.

>> weiterlesen

Stefan Aigners jüngste Pleite

Stefan Aigners jüngste Pleite

Nach der Bruchlandung mit seiner Vegan-Pinte "DNA" in der Glockengasse reagiert der linke Internet-Aktivist höchst dünnhäutig auf eine harmlose Stadtzeitungsanfrage.

Das Ende klang höchst melodramatisch. „Die Musik des Abends ist gespielt. Danke. Adieu.“
Mit diesen theatralischen Worten umschrieb die Facebook-Seite der veganen Kneipe „DNA“ am 6. August 2017 schwülstig, was ihr Betreiber Stefan Aigner da hingelegt hatte – seine zweite formidable und krachende Bauchlandung binnen weniger Monate! Die Kneipe an der Ecke Steinergasse/Glockengasse ist seither geschlossen. Aigner hatte sie mit einem Kompagnon erst rund ein Jahr vorher übernommen.

>> weiterlesen

© Regensburger Stadtzeitung