Wenn sich die Theater nicht bewegen, werden sie bewegt werden

Wenn sich die Theater nicht bewegen, werden sie bewegt werden

So die These des Ludwigsburger Professors Dr. Armin Klein, Leiter des dortigen Instituts für Kulturmanagement. OB Joachim Wolbergs und der Regensburger Intendant Jens Neundorff von Enzberg widersprechen heftig, was das Regensburger Stadttheater betrifft.
Den Professor hatte das Regensburger Stadttheater in Kooperation mit der Mittelbayerischen Zeitung zur ersten Runde der "Regensburger Gespräche" am 25.10. eingeladen. Dieser hatte ein Buch veröffentlicht, in dem er den rund 140 deutschen Theatern in öffentlicher Trägerschaft die Leviten liest. Sie seien im Kern Behörden, die sich sicher sein könnten, 80% ihres Etats aus öffentlichen Mitteln zu erhalten.

Fast 100% der öffentlichen Kulturetats gingen an "Institutionen" wie die Theater, während für die freie Kunstszene kaum was übrig bliebe. Die Kosten der Theater stiegen ständig, die Besucherzahlen gingen seit Jahren stetig zurück. Dennoch werde jede Theaterkarte im Durchschnitt mit 120 Euro öffentlich bezuschusst.
Höchste Zeit, um neue Ansätze zu entwickeln, um aus eigener Kraft wirtschaftlich etwas selbständiger zu werden. Dies stoße aber auf wenig Gegenliebe und werde mit dem Hinweis auf die "Freiheit der Kunst" -meist mit einem Schuss Empörung- abgelehnt.
Wie es das Statement einer Zuhörerin -anscheinend aus dem Theaterumfeld- ausdrückte: "wenn wir spielen was die Leute wollen, läuft das ganze Jahr der Brandner Kaspar".
Sowohl Intendant Jens Neundorff von Enzberg wie auch Ob Joachim Wolbergs sahen sich genötigt, prof. Kleins Thesen zumindest für Regensburg deutlich zu widerlegen. Ein Theater komme nicht ohne öffentliche Zuschüsse aus, dies sei jedoch in Regensburg eine bewusste politische Entscheidung, die von der Bevölkerung mitgetragen werde, so Wolbergs. Die Kosten seien budgetiert, drastische Überraschungen wie andernorts seien ausgeschlossen. Der Zuschuss pro Karte sei nur etwas mehr als die Hälfte des Bundesdurchschnitts. Außerdem würde die freie Kunstszene in Regensburg ganz besonders gefördert.

Die Besuchszahlen seien für Regensburg beachtlich, so Neundorff von Enzberg, man erwirtschafte vernünftige Ticketerlöse, die Finanzen würden viermal im Jahr bei Verwaltungsratssitzungen durchgesprochen. Von lockerem Umgang mit Geld könne man bei den relativ geringen Gehältern nicht reden. Wenn dennoch eine schwierige Situation, beispielsweise Zinserhöhungen, die öffentliche Hand in Finanznot bringe, werde man sich den Notwendigkeiten nicht verschließen.

Regensburg sei eine Insel der Glückseligen, was das Theater betrifft, darüber war man sich schließlich weitgehend einig. Dennoch mahnte Prof. Klein, an dem Thema Wirtschaftlichkeit in Richtung 50% Eigenständigkeit zu arbeiten, u.a. auch die Ticketpreise zu überprüfen. Der Preis für eine Theaterkarte sei in den seltensten Fällen das, was jemanden davon abhielte, ins Theater zu gehen. Eine repräsentative Befragung von Jugendlichen hätte ergeben, dass sie -ähnlich wie bei deutlich teureren Pop-Konzerten- ins Theater gehen würden, wenn ihre Freunde auch hingehen würden. Doch ein Signal, eventuell neue Wege am Theater zu gehen ?
 
Bildunterschrift:
(v.l.) Jens Neundorff von Enzberg, Prof. Dr. Armin Klein, Marianne Sperb, Joachim Wolbergs, Martin Eich, Insa Wiese

  • gepostet am: Mittwoch, 26. Oktober 2016

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